Rares Wissen, historische Schätze und Erinnerungen

Kultur / 22.07.2016 • 22:58 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Private Erinnerungen und einmalige Kostbarkeiten werden in Nenzing zugänglich gemacht.  Foto: Schallert
Private Erinnerungen und einmalige Kostbarkeiten werden in Nenzing zugänglich gemacht. Foto: Schallert

Das Sichten und Sammeln spielt bei einem Verein im Walgau eine große Rolle.

NENZING. (VN-mir) Der Verein „Kulturgutsammlung Walgau“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, für die Region Walgau ein Sammlungskonzept zur Sichtung und Sicherung von Kulturgut zu erarbeiten. Im Walgau leben rund 37.500 Menschen, insgesamt 14 Gemeinden haben sich zur „Regio Im Walgau“ zusammengeschlossen. Die „Regio Im Walgau“ möchte eine regionale Identität entwickeln. Im Rahmen des Regionalentwicklungsprozesses wurde 2010 der Verein „Museumsdepot Walgau“ gegründet, der schlussendlich in „Kulturgutsammlung Walgau“ umbenannt wurde. Obmann Helmut Schlatter, Schriftführerin Monika Kühne und Kassier Thomas Welte setzten sich für eine öffentliche Erinnerungs- und Gedächtniskultur ein. „Wir möchten die Geschichte ergründen und neue Einblicke in historische Welten gewinnen. Wichtige Sammlungen und Objekte sollen für zukünftige Generationen in Form von Bildern und Daten erhalten werden.“, erklärt Obmann Schlatter. Dabei ist das zentrale Anliegen, mit allen Einrichtungen im Walgau zusammenzuarbeiten, die sich mit dem Kulturerbe auseinandersetzen. Zudem möchte der Verein keine weiteren oder konkurrierenden Sammlungen aufbauen. Vorerst beschäftigen sich die Vereinsmitglieder mit den Fragen, was von wem gesammelt wird, welche Geschichten von Objekten, Menschen und Ereignissen für die zukünftigen Generationen als relevant erachtet werden, und was also so typisch für den Walgau ist.

Intensive Bemühungen

Aus personellen und finanziellen Gründen sieht sich der Verein momentan nicht in der Lage, ein Depot zu betreiben, erklärte der Obmann gegenüber den VN.  Da es kein Depot im materiellen Sinne gibt, bleiben die Objekte in der Obhut der jeweiligen Besitzer und Gemeinden. Private Sammler werden dabei unterstützt, das Wissen um deren historische Schätze mit Hilfe von Experten in digitaler Form zu archivieren. Es wurde eine Onlineplattform ins Leben gerufen, die unter: www.wiki.imwalgau.at abrufbar ist. Ziel dieses Wissenskorbs ist es, eine für die Region charakteristische, reiche und vielfältige, nutzungsfreundliche Hinweissammlung anzulegen. Diese Sammlung soll immer wieder erweitert und vertieft werden. Das Hauptaugenmerk liegt dabei nicht auf dem physischen Objekt, sondern auf dem Thema des Sammelns an und für sich.

Im Rahmen eines EU Leader Projekts, dokumentierte Fotografin Sarah Schlatter im Auftrag des Kunstvereines „Artenne“ verschiedene Sammlungen, und Kulturwissenschaftlerin Edith Hessenberger befragte zwölf der 17 Sammler zu ihren Beständen. Auf Grundlage dieser Dokumentationen fand die Ausstellung „Walgau Sammeln“ statt. „Die größte Herausforderung bei unserer Vereinsarbeit ist die nicht einfache Finanzierung“, erklärt Obmann Schlatter und fügt hinzu: „Für die Zukunft wäre es wünschenswert, dass wir die Partnerschaft mit der ,Regio Im Walgau‘ vertiefen und einen Modus für die Finanzierung finden können.“ Ebenso betont er, dass die nötigen Impulse auch von der politischen Ebene ausgehen sollten und der Verein jede Unterstützung brauchen kann.

In das Projekt werden nicht nur Museumsfachleute, Historiker und Künstler eingebunden, sondern auch die Bevölkerung als Experten vor Ort. Mittlerweile liegt ein Finanzierungs- und Masterplan vor. Die Vision besteht unter anderem darin, bis in fünf Jahren eine gemeinsame Verwaltung zu haben, eine zweite Ausstellung zu planen und das „Wiki Walgau“ zu etablieren. „Als gemeinnütziger Verein war es nicht einfach, dieses Projekt auf die Beine zu stellen.“, meint Schallert.

Skier als Kulturgut

Maschinen, Ski und jede Menge alter Schätze, gibt es an einem ganz besonderen Ort zu bestaunen. Im Juli wurde die Skiwerkstatt von Otto Schallert in Nenzing inventarisiert. Die Finanzierung des Projekts übernahmen das Land Vorarlberg und die Marktgemeinde Nenzing. Unter der Leitung von Barbara Motter wurden die Exponate der Skiwerkstatt Schallert fotografiert, beschrieben und die erhobenen Daten in ein digitales System eingespeist. Bei diesem Projekt halfen vier Studenten tatkräftig mit. In dieser Werkstatt wurden Wagenräder, Werkzeugstiele, Rodeln und Ski hergestellt.

Der beinahe 90-jährige Otto Schallert absolvierte seine Lehre bei seinem Vater, einem Wagner. Die Werkstatt führte er bis in die 1960er-Jahre. Besondere Schätze sind eine Bandsäge und eine Gattersäge, die von Otto Schallerts Vater noch selbst gebaut wurden. In den 1920er-Jahren spezialisierte sich sein Vater auf die Herstellung von Skiern. Die Intention ist es, das alte Handwerk umfassend zu dokumentieren, deshalb werden neben Skimodellen auch Wagnereiprodukte gezeigt. Er möchte das handwerkliches Wissen zur Skiproduktion an die Nachwelt weitergeben. Sein Vater war nämlich wesentlich an den Meilensteinen der Skigeschichte beteiligt.

Die größte Herausforderung bei unserer Vereinsarbeit ist die nicht einfache Finanzierung.

Helmut Schlatter

Infos über den Verein Kulturgutsammlung Walgau unter: www.kulturwalgau.com.