Nasse Dichterhände vor Klatschorgie

Kultur / 25.07.2016 • 19:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vom zahlreich erschienenen Publikum hagelte es für die talentierten Poeten einen donnernden Klatschmarathon.  Foto: M. Dietrich
Vom zahlreich erschienenen Publikum hagelte es für die talentierten Poeten einen donnernden Klatschmarathon.  Foto: M. Dietrich

Mit wortgewaltigen Texten ging der 15. Poetry Slam in der Poolbar über die Bühne.

Feldkirch. (VN-mir) Schauplatz des Dichterwettstreits war das Reichenfeld-Areal in Feldkirch. Die Halle war bis auf den letzten Platz mit literaturbegeisterten Zuhörern gefüllt. Beim Poetry Slam wird um die Gunst des Publikums gekämpft, jeder Poet hat maximal fünf Minuten Zeit, mit seinen selbstgeschriebenen Texten zu überzeugen. Beim Poetry Slam wird Klartext gesprochen und kein Blatt vor den Mund genommen. Die Zuhörer wählen ihre Favoriten mit Applaus in die Finalrunde und anschließend zum Gewinner. Trotz eines ausgedehnten Klatschmarathons konnte sich das Publikum nicht entscheiden. Kurzerhand wurden die Steirerin Lisa Eckhart und der Wiener Jonas Scheiner als Doppelsieger verkündet.

Schokolade und Blumen

Nicht nur die romantischen Blumenvasen auf der Bühne verzückten das Publikum, auch die Poeten überzeugten als ein bunt gemischter Strauß. Moderiert wurde der Abend von den österreichischen Poetry-Slam-Legenden Markus Köhle und Mieze Medusa. Die beiden Urgesteine der Szene verteilten Schokolade ans Publikum und beschenkten die Poeten mit Blumen. „Zehn Poeten und Poetinnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz am Start. Hütte zum Bersten voll. Stimmung toll.“, beschreibt Köhle den wortreichen Abend. Die Poeten überzeugten mit viel Elan, Wortwitz und wortgewaltigen Texten. Die Kandidaten bewiesen eindrücklich, wie vielfältig der Poetry Slam ist.

Mit nassen Dichterhänden standen die Poeten auf der Bühne und verführten das Publikum zu Klatschorgien. Die Zuhörer erfreuten sich an Slammern wie: Lisa Eckhart, Fabian Navarro, Alan Waffelmann, Simon Tomaz, Jonas Scheiner und Stefan Abermann. Die Innsbrucker Slammerin Käthl ließ die Herzen des Publikums höher schlagen, mit ihrem Text über die bekannte Weisheit „Lebe deinen Traum“. Andere Poeten redeten am liebsten über sich selbst oder prangerten Lebensweisheiten an. Sara Bonetti aus Wolfurt hielt eine Rede zur Wortverarmung und der doch so schönen deutschen Sprache. Für das Finale konnten sich Fabian Navarro, Lisa Eckhart, Jonas Scheiner und Simon Tomaz qualifizieren. „Ein Clubsandwich und einen frisch gepressten Orangensaft im Magen. Das Aftershowbier in den Knochen. Und noch immer ein Publikum in den Ohren, dessen Euphorie einen bis in das Hotelzimmer zu tragen weiß“, erzählt Jonas Scheiner und fügt hinzu: „Es gibt Tage, die dich daran erinnern, warum du für fünf Minuten Bühnenzeit sechs Stunden Zug fährst.“

Ohne Maulkorb

Einer der Höhepunkte war der Auftritt von Lisa Eckhart. Die Vorjahressiegerin sprach über das gespaltene Österreich und präsentierte eine neue radikale und ehrliche Hymne. Mit einem inspirierenden Auftritt überzeugte auch Fabian Navarro, der zu den derzeit erfolgreichsten deutschen Poetry Slammern gehört. Er gab eine witzige, ritterliche Satire mit eingebauten zeitgemäßen Wörtern von sich. Sehr originell war auch der Auftritt von Simon Tomaz, er befasste sich mit den unterschiedlichen Satzformen und präsentierte wahrhaftig den längsten Satz mit gefühlten 40 Verschachtelungen. Finalist Jonas schloss die finale Runde mit einem Drama in fünf Akten über das friedvolle Dörfchen Friedstadt ab. Kein Wunder, dass die Veranstaltung ein voller Erfolg war. Bester Stimmung waren nicht nur die Poeten, sondern auch das begeisterte Publikum.

Es gibt Tage, die dich daran erinnern, warum du für fünf Minuten Bühnenzeit sechs Stunden Zug fährst.

Jonas Scheiner

Das Poolbar-Festival dauert noch bis 22. August: www.poolbar.at