Geigen, die vom Holocaust erzählen

Kultur / 27.07.2016 • 21:09 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

TEl Aviv, Wien. Manche sind von Frost beschädigt, andere wurden aus einem Deportationszug geworfen oder ermöglichten ihren Besitzern in einem Vernichtungslager der Nazis das Überleben: Dreißig Geigen, die den Holocaust überstanden, werden gegenwärtig auf einer Konzertreise durch Israel zum Klingen gebracht. Während er die Violine unter sein Kinn klemmt, zittert Solist Guy Braunstein die Hand. „Ich habe Tausende Konzerte gegeben, aber nie war ich so aufgewühlt wie in dem Moment, als ich die Geige aus Auschwitz in meiner Hand hielt“, erzählt der langjährige Konzertmeister der Berliner Philharmoniker hinterher. Das Instrument gehörte einem der Orchestermusiker, die im KZ Auschwitz spielen mussten, während die Lagerinsassen zur Zwangsarbeit marschierten. Als die ersten Töne des Adagiettos von Gustav Mahlers Fünfter Sinfonie erklingen, kommen vielen im Konzertsaal die Tränen. Initiator der Konzerte ist der Geigenbauer Amnon Weinstein. Der 76-Jährige stammt aus einer Familie litauischer Juden, die vor den Nazis fliehen konnte. Er sammelt und restauriert die Instrumente.