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Kultur / 29.07.2016 • 19:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Für „Don Giovanni“ von Mozart im Opernstudio der Bregenzer Festspiele wird ebenfalls geprobt. Die Aufführung findet im Kornmarkttheater statt.

Die Bregenzer Festspiele freuen sich, nach den großen Premieren noch Nachhaltiges präsentieren zu können. 

Bregenz. (VN-mir) „Es war für uns von großer Bedeutung, die ,Staatsoperette‘ noch aufführen zu können. Mit Blick auf den Putschversuch in der Türkei wird deutlich, wie brisant die behandelten Themen sind“, erklärt der für die Inszenierung verantwortliche Simon Meusburger. 1977 hat der Film „Staatsoperette“ einen heftigen Skandal ausgelöst. Seitdem war die Operette nie mehr szenisch in voller Länge zu sehen. Das Stück beschäftigt sich mit der österreichischen Politik zwischen 1920 und 1938 und damit auch mit dem Austrofaschismus. Es wurde eine neue Chronologie geschaffen und viele Szenen umgesetzt, die im Film nicht vorkommen. „Die ,Staatsoperette‘ sehe ich als Fabel, die aktuellen Bezüge werden automatisch hergestellt. Dafür benötigt man keine modernen Kostüme“, macht Meusburger deutlich. Die Figuren wurden von Nikolaus Habjan gebaut. Alle Führer werden als Puppen dargestellt, mit ihrem Einsatz konnten zwei Ebenen geschaffen werden, mit denen wunderbar gespielt werden kann.

Junge Talente

Mit einem Revolver in der Hand, einer hübschen Dame an der Seite und einem frech umgebundenen Halstuch steht der 25-jährige Wolfgang Schwaiger als Don Giovanni auf der Bühne. Das Opernstudio der Festspiele geht mit diesem Stück in die zweite Runde. Die Sänger sind zwischen 21 und 29 Jahre alt und stammen aus acht Ländern. Die Handlung spielt hier in den 1970er-Jahren in einem Studentenheim. Es wird die letzte Strecke von Don Giovannis Leben thematisiert. Regisseurin Barbara Wysocka erklärt: „Der Tod von Don Giovanni hat eine sehr bedeutende Rolle. Seine Figur ist nämlich anziehend.“ Für den musikalischen Leiter Hartmut Keil macht es keinen Unterschied, ob er mit Profis oder angehenden Sängern arbeitet: „Ich möchte immer das Bestmögliche herausholen“, erklärt er. 

Vertrauen finden

Miroslav Srnkas „Make No Noise“ wurde im Jahr 2011 in München uraufgeführt und hat nun den Weg nach Bregenz gefunden. Es wird die Geschichte von Hanna und Joseph erzählt. Beide Hauptakteure verbindet die Unfähigkeit, sich zu öffnen und Vertrauen zu finden. „Während des Stücks verändert sich die Musik. Es wird eine extreme Eingeschlossenheit thematisiert“, erklärt der musikalische Leiter Dirk Kaftan. Das Orchester, es spielt das Ensemble Modern, wird bei dieser Erstaufführung in Österreich interessanterweise hinter dem Publikum platziert.

Der Tod von Don Giovanni hat eine sehr bedeutende Rolle.

Barbara Wysocka
Probenszene aus „Staatsoperette – Die Austrotragödie“ von Franz Novotny und Otto M. Zykan auf der Bregenzer Werkstattbühne. Fotos: VN/Sams
Probenszene aus „Staatsoperette – Die Austrotragödie“ von Franz Novotny und Otto M. Zykan auf der Bregenzer Werkstattbühne. Fotos: VN/Sams

Die Premiere der „Staatsoperette“ findet am 2. August statt, „Don Giovanni“ wird ab 15. August gespielt und „Make No Noise“ ab 17. August.