Der König ist tot, lang lebe der König oder so

Kultur / 29.07.2016 • 19:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dass „The King“ sich sehr am Leben von Elvis Presley – dem King – orientiert, ist naheliegend. Foto: Seelax
Dass „The King“ sich sehr am Leben von Elvis Presley – dem King – orientiert, ist naheliegend. Foto: Seelax

Stuffed Puppet Theatre zeigt im Rahmen von Seelax die Schatten­seiten des Starruhms.

Bregenz. Seelax-Macher Willi Pramstaller bringt Puppentheater-Legende Neville Tranter mit „The King“,  einem Stück über den langen und tiefen Fall eines Weltstars, nach Bregenz.

Der Australier Neville Tranter hat mit seiner Arbeit die Puppentheater-Kunst seit den späten 1970er-Jahren erneuert. Raffiniert, aber ohne große Illusion verbindet er ausdrucksstarkes Puppenspiel mit seinem reduzierten Schauspiel und macht daraus großes Theater. Als einer der Ersten griff er für das Puppentheater anscheinend unpassende Themen oder Stücke auf und verwandelte sie in Meisterwerke des Puppenspiels und des schwarzen Humors. Neville Tranter ist unter anderem mit seinen Werken über Frankenstein, Salomé, Osama bin Laden und Hitler über die Jahre selbst zur Legende der Puppentheater-Szene geworden. 2015 war im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz somit die Zeit für ihn gekommen, sich mit Legenden der Musikszene auseinanderzusetzen.

Presley, Jackson, Mercury

Wir kennen sie alle, diese Sterne der Musikwelt, die so stark leuchteten, dass es für sie selbst unerträglich wurde. Wir wissen, wie diese Geschichten endeten. In „The King“ erzählt Tranter gemeinsam mit Co-Autor und Mitspieler Wim Sitvast die Tragödie eines Rockstars, der an diesem Starleben zerbricht.

Dass „The King“ sich sehr am Leben von Elvis Presley – dem King – orientiert, ist naheliegend. Tranter streut aber auch Hinweise auf Michael Jackson oder Freddie Mercury in die Handlung ein. Tranters King steht für all jene, die zu Gefangenen von Glanz und Glamour wurden, die durch den Zwang, ständig Star sein zu müssen, selbst daran verglühten.

Tranter fertigt seine Puppen selbst. Er erweckt sie somit zweimal zum Leben. Jede einzelne Figur, egal ob der Security-Chef, der Generalmanager, das blonde Mädchen, der Arzt, der Geist des toten Bruders oder der King persönlich, hat einen Charakter, der schon ohne Spiel erkennbar ist. Wenn aber Tranter sie in die Hand nimmt, dann wird vergessen, dass es sich hierbei um Puppen handelt. Der König lebt dann wieder, sein Leidensweg wird mit ihm beschritten.

Oberflächliche Glanzwelt

Fasziniert wird das Geschehen auf der Bühne beobachtet. Tranter und Sitvast meistern die vielen Szenen- und Puppenwechsel. Dennoch bleibt das Stück an der Oberfläche, zu sehr wird mit stereotypen Vorstellungen gearbeitet. Die Darbietung ist wunderschön und von Poesie geprägt. Aber die von Tranter gewohnte inhaltliche Tiefe und sein besonders grotesker Humor werden bei „The King“ vermisst. Vielleicht steht dahinter eine dramaturgische Idee: die Oberflächlichkeit des Starlebens so darzustellen.

„The King” wird noch am 30. Juli im Shed8 in Bregenz  aufgeführt. Seelax-Intermezzo vom 26. bis 28. August in der Seepromenade.