Kulturen und Bücher, die verbinden

Kultur / 29.07.2016 • 19:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jens BalzerPop: Ein Panorama der GegenwartRowohlt253 Seiten

Jens Balzer

Pop: Ein Panorama der Gegenwart

Rowohlt

253 Seiten

Sprache kann viel bewirken, es gibt aber kaum ein besseres Bindeglied als die Musik.

Romane. Seit es Musik gibt, wird darüber gesprochen und geschrieben. Jens Balzer hat sich im Bereich der Popmusik einen Namen gemacht. Er ist stellvertretender Feuilletonchef der Berliner Zeitung und seit einigen Jahren auch Kolumnist für den Rolling Stone. In „Pop: Ein Panorama der Gegenwart“ zeigt er, was er kann.

Toleranz und Weitblick

Am ehrlichsten sind Musikjournalisten, wenn sie über Musik schreiben, die so ganz ihrer Wellenlänge entspricht. Bei Jens Balzer ist anzunehmen, dass die deutsche Schlager-Queen Helene Fischer nicht zwingend den Sound macht, den er sich bei der Fahrt ins Büro anhört. Und dennoch schreibt der Autor intelligent über sie, lässt ihr die Würde und zeigt so Unvoreingenommenheit und Weitblick. Im Gegensatz zu Kollegen wie Diedrich Diederichsen kommt der Autor ohne Sarkasmus und Zynismus aus, trotzdem sind seine Texte sehr subjektiv und kritisch. Das Spektrum ist breit: Von Sting über The Strokes bis hin zum Berliner Technopalast Berghain ist das Feld weit. Beim Lesen bekommt man ein gutes Gefühl für die Musik zur Zeit. Tatsächlich funktioniert das Buch auch ohne dass man jede Band kennt.

„Es war einmal in einem anderen Leben“ klingt ein bisschen wie die ersten Zeilen eines Märchens, dem ist aber nicht so. Der Autor Mohsin Hamid widmete sich dem ehrgeizigen Unterfangen, ein Buch zum besseren Verständnis zwischen Kulturen zu schreiben. „Eine Heimat zwischen Orient und Okzident“ ist der treffende Untertitel. Mohsin Hamid wurde in Pakistan geboren. Nach längeren Aufenthalten in den Vereinigten Staaten und England lebt er nun wieder in seinem Geburtsort Lahore. Er weiß also, worüber er scheibt.

Pakistan und zurück

In klugen Essays und literarischen Momentaufnahmen beschreibt der Autor das Leben in den verschiedenen Kulturen, mit all seinen Problemen, aber prinzipiell immer mit großem Respekt vor dem Fremden. Und dies, obgleich der Autor in Pakistan der Herrschaft selbstgefälliger Generäle ausgeliefert war. Ein Blick auf die aktuellen Ereignisse in der Türkei drängt sich hier auf. Gegensätzlich dazu erlebte er auch die Anfeindungen in New York, nach dem Ground Zero. Gut dosiert lässt Mohsin Hamid seine Erinnerungen in seine Geschichten einfließen.

Allerdings scheinen ihm gerade heutzutage sehr wichtigste Eigenschaften nicht abhandengekommen zu sein: Toleranz und Respekt vor anderen Kulturen. Mohsin Hamid geht noch einen Schritt weiter, da er die Möglichkeit sich immer wieder neu zu erfinden, zu seinem Lebensprinzip erklärte. Er spricht sich so gegen das Konzept der Zugehörigkeit zu einer einzelnen Kultur aus, da dies beenge und eine gegenseitige Befruchtung nicht zulasse. Die Dinge querzudenken zahlt sich allemal aus, ein differenzierter Blick auf die derzeitige weltpolitische Lage ist das Resultat.

Mohsin HamidEs war einmal in einem anderen LebenDuMont221 Seiten

Mohsin Hamid

Es war einmal in einem anderen Leben

DuMont

221 Seiten