Vom Hahn und Hennen

29.07.2016 • 17:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Wiener Concertverein spielte Werke der Vorarlberger Komponisten Herbert Willi und Gerda Poppa. Foto: JU
Der Wiener Concertverein spielte Werke der Vorarlberger Komponisten Herbert Willi und Gerda Poppa. Foto: JU

Wiener Concertverein gratulierte Herbert Willi nachträglich
zum 60. Geburtstag.

BREGENZ. Niemand in der Musikszene des Landes hat bisher davon Notiz genommen, dass mit Herbert Willi einer der international erfolgreichsten Vorarlberger Komponisten heuer am 7. Jänner seinen 60. Geburtstag gefeiert hat. Da wäre ein Konzert mit seinen Werken das Mindeste gewesen.

Dazu musste nun erst der „Wiener Concertverein“ im Land auftauchen. Unter diesem Traditionsnamen der Wiener Symphoniker hat sich vorwiegend aus Musikern dieses Klangkörpers ein eigenständiges Kammerorchester gebildet, das unter der organisatorischen Leitung des rührigen Bassisten Christian Roscheck seit rund 20 Jahren neben der Pflege des traditionellen Repertoires auch zunehmend zu einem absolut kompetenten, mit großer Ernsthaftigkeit tätigen und engagierten Instrument für die Aufführung zeitgenössischer Musik wurde. Vor allem in dieser Hinsicht war das Orchester sommers auch regelmäßig in unserem Land tätig und widmete sich dabei Werken etwa von Richard Dünser oder eben auch Herbert Willi. Dieser war 2003 „Composer in Residence“ des Concertvereins, dabei kam sein Werk „geraume Zeit“ für Flöte, Oboe und Streicher aus dem Zyklus „Montafon“ zur Uraufführung.

Alte Liebe rostet nicht, und so macht man heuer dem Montafoner mit drei Werken in zwei Konzerten seine Aufwartung. Das erste davon fand gestern Abend als „Zeitklang im Museum“ im Vorarlberg Museum statt, das gemeinsam mit dem Concertverein auch als Veranstalter auftritt. Der Abend wurde, auch wenn der Jubilar selber urlaubsbedingt abwesend war, seit einem Porträtkonzert der Festspiele 2006 zur ersten öffentlichen Wahrnehmung des inzwischen sehr zurückgezogen lebenden Herbert Willi.

Im Mittelpunkt steht sein 1988 in der Toscana entstandenes Stück „Il Combattimento di Cecco e la sua Compagnia“, mit der augenzwinkernd gemeinten Auseinandersetzung eines Hahns und seiner Hennen. Der „Cecco“ ist einem Solocellisten übertragen, in rhythmisch oft übereinander gelagerten und pointierten zwei Sätzen geht’s nach bester Willi-Manier oft auch motorisch streng zur Sache. Symphoniker-Cellist Peter Siakala ist dem Werk nach mehreren Aufführungen zur Entstehungszeit auch diesmal ein überlegener Gestalter. Er sieht das im VN-Gespräch heute „aus einer neuen Perspektive, vor allem was die ruhigen Stimmungen betrifft“, und vor allem die Aufschreie des Gockels in großen Glissandi machen ihm „Riesen-Spaß“. Unter der umsichtigen Leitung von Martin Kerschbaum, den wiederum die interessante Schichtung in Willis Musik fasziniert, überzeugt dieses originelle Stück auf allen Linien.

Uraufführung

Das zweite besondere Interesse am gestrigen Abend gilt der Uraufführung eines Werkes der in Röthis lebenden Komponistin Gerda Poppa (53). Die von Willi am Konservatorium ausgebildete Musikerin hat erst kürzlich mit ihrem Blechbläser-Quintett über die neuen Fenster in der Rankweiler Basilika aufhorchen lassen. Diesmal ist es ein Stück für Holzbläser-Quintett mit dem Titel „Annabel Lee“, das auf einem Gedicht von Edgar Allen Poe basiert, dessen Stimmung sie transportieren möchte. Als Rahmen dienen ihr interessant verfremdete Liegeakkorde, die sich kontinuierlich verändern und dabei die versierte Organistin verraten.

Das Geschehen steigert sich zu einem scheinbar wirren, kleinteilig angelegten Diskurs der fünf Instrumente, der sich bei genauem Hinhören als präzise erdachtes Rede- und Antwortspiel entpuppt. Erneut ein Werk, das in seiner zwischen Avantgarde und Tonalität angesiedelten Sprache die Individualität dieser Komponistin unterstreicht.

Zwei gekonnt gestrickte Werke des Oberösterreichers Helmut Schmidinger eröffnen das Programm: ein Streichtrio zusammen mit dem großartigen Klarinettisten Gerald Pachinger und ein Holzbläser-Quintett.

Die Streicherbesetzung unter Martin Kerschbaum spielt das in Vorarlberg öfter aufgeführte „Largo desolato“, ein trauriges „Schleierstück“ des früheren Symphoniker-Generalsekretärs Rainer Bischof.

„Zeitklang im Museum“ II:
5. 8., 20 Uhr, Vorarlberg Museum – Wiener Concertverein (Werke von Herbert Willi, Manuela Kerer und Friedrich Philipp Pesendorfer)