Nähe von Kunst und Geld ins Zentrum gerückt

Kultur / 05.08.2016 • 18:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bregenzer Regisseur Philipp Preuss ist bei der Großausstellung „Manifesta“ im Cabaret Voltaire vertreten.

Zürich. (VN-cd) Es ist wohl eines der prominentesten, aussagekräftigsten und geschichtsträchtigsten Podien, das dem aus Bregenz stammenden und an großen deutschsprachigen Bühnen tätigen Regisseur Philipp Preuss im Rahmen der noch bis 18. September dauernden „Manifesta“ nun zur Verfügung gestellt wird. Dort, wo vor hundert Jahren der Dadaismus von Hugo Ball und Emmy Hennings  gegründet wurde, in den Räumlichkeiten des Cabarets Voltaire in Zürich, realisiert der Theatermacher, der auch Projekte verwirklichte, die dem Bereich der bildenden Kunst zuzuordnen sind, am 6. August eine Perfomance. Und da der biennal veranstalteten Großausstellung die Frage „What people do for money?“ als Motto vorangestellt wurde, geht es auch in der Arbeit von Preuss um das Geld. Nur dass bei ihm – um ein Detail zu verraten – Tauben nicht gefüttert werden, sondern dass sie ihrerseits die Passanten mit Geld beglücken.

Das Publikum bzw. Ausstellungs- und Kunstmessenbesucher zu irritieren oder dazu zu animieren, sich mit den Mechanismen des Betrachtens, Zuordnens bzw. der Preisgestaltung auseinanderzusetzen, zählt schon länger zu seinen Absichten. Vor Jahren ließ er im Palais Thurn und Taxis in Bregenz eine Schauspielertruppe als Künstler auftreten, die gleich auch die Arbeiten – von den Skulpturen bis zu den Videos – mitgebracht hatten und vorgaben, aus verschiedenen Ländern zu stammen. Dass Kunstmessen eine Möglichkeit bieten, Geld am Rande der Kriminalität gegen Werke zu tauschen, ist nichts Neues. In Leipzig hatte er kürzlich unter dem Titel „The Fair Play“ eine Kunstmesse inszeniert, mit kreierten Galerien und Kunstavataren. Entstanden ist eine hybride Mischung aus realen und virtuellen Szenen, aus bildender und dramatischer Kunst. Nicht verwunderlich, dass der aktuelle „Manifesta“-Macher Christian Jankowski auf Preuss aufmerksam wurde.

Neue Regiearbeiten

Gemeinsam mit der ebenfalls aus Bregenz stammenden Bühnenbildnerin Ramallah Aubrecht arbeitete Preuss unter anderem in Leipzig oder an der Schaubühne in Berlin (wo demnächst Ibsens „Peer Gynt“ und „Der Fremde“ von Camus Premiere haben), am Wiener Volkstheater hatte er vor einigen Monaten Shakespeares „Romeo und Julia“ inszeniert und dort wurde er nun für Horváths „Kasimir und Karoline“ engagiert.

Ich kehre die Dinge einmal um und lasse eine riesige Taube die Passanten mit Geld füttern.

Philipp Preuss
Philipp Preuss ist heuer bei der „Manifesta“ vertreten. In Wien inszeniert der Bregenzer demnächst „Kasimir und Karoline“. Fotos: Preuss
Philipp Preuss ist heuer bei der „Manifesta“ vertreten. In Wien inszeniert der Bregenzer demnächst „Kasimir und Karoline“. Fotos: Preuss

Performance von Philipp Preuss am 6. August, 20 Uhr, im Cabaret Voltaire in Zürich, Spiegelgasse 1 im Rahmen der „Manifesta“.