Beim Thema Liebe bleibt kein Sessel im Saal frei

15.08.2016 • 16:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Rahmen der Reihe „Musik und Poesie“ zeigen auch Seebühnen-Solisten weitere Facetten ihres Künstlerseins. Foto: BF/Forster
Im Rahmen der Reihe „Musik und Poesie“ zeigen auch Seebühnen-Solisten weitere Facetten ihres Künstlerseins. Foto: BF/Forster

Beinahe hätte das begeisterte Festspiel-Publikum vergessen, dass es nicht in Buenos Aires ist.

Bregenz. (VN-vf) Der Tango hat einfach etwas an sich, das es versteht, sich direkt ins Herz der Zuhörer zu schleichen. Und nicht nur das: Er begeistert. Vor allem, wenn er so gut gemacht ist wie beim Tango-Konzert der Bregenzer Festspiele.

„Musik und Poesie“ nennt sich die kleine, aber feine Reihe im Bregenzer Seestudio, für die nach ganz besonderen musikalischen und eben auch poetischen Perlen getaucht wird. Am vergangenen Wochenende war das besagter Tango in Wort und Musik.

Die musikalischen Tangotänzer waren dabei Juan Maria Solare am Klavier, der auch die Rolle des Conferenciers übernahm, Santiago Cimadevilla am Bandoneon, Bernd Konzett am Kontrabass und Pawel Zalejski, seines Zeichens erster Konzertmeister des Symphonieorchesters Vorarlberg. Als Tangosänger hatte sich das kleine Ensemble kurzerhand den Calaf (Rafael Rojas) von der „Turandot“-Produktion geschnappt. Eine exzellente Wahl, muss man betonen, denn der mexikanische Tenor hatte genau die richtige Dosis an Gefühl und Schmalz in der Stimme, mischte alles mit Wehmut und Nostalgie, und über sein Stimmvolumen braucht man sowieso nicht zu diskutieren. Bis in die letzte Reihe des vollbesetzten Seestudios trieb er den Tango, was sofort mit Jubel und Begeisterung quittiert wurde.

Rafael Rojas war übrigens gleichzeitig der poetische Teil des Abends. Denn durch den Gesang war der Tango plötzlich nicht nur Musik, sondern eben auch Wort. Und eines stand da von Tango zu Tango immer mehr fest: Besungen wird vieles: das Pferderennen, das Wetten, die Jugend, das Alter. Im Kern aber geht es immer um die Liebe.

Arrangements von Piazzolla

Dieser rote Faden ließ sich von Osvaldo Pugliese, Jesus Ventura und Carlos Gardel über Julian Plaza, Julio Cesar Sanders bis hin zu Juan de Dios Filiberto und Vicente Greco und zum unvergleichlichen Astor Piazolla verfolgen. Denn alle diese Granden des Tangos kamen in Bregenz zu Wort, und einer nach dem anderen verstand es, zu begeistern. Das war wohl vor allem der Verdienst des genialen Ensembles. Jeder für sich ist bereits ein grandioser Musiker, gemeinsam aber waren sie beinahe unschlagbar.

Das gilt übrigens auch für den Komponisten Juan Maria Solare, der ja in Bregenz selbst in die Tasten griff und zwei moderne Tangos zum Konzertprogramm beisteuerte.

Dann wartete das Tango-Quartett noch mit einer ganz speziellen Besonderheit auf. Pawel Zalejski hatte Piazollas Tango-Etüden 1 und 3 für Solovioline arrangiert und zeigte mit hörbarer Virtuosität auf. Tango hat eben viele Facetten und die vier Musiker verstanden es, jede von ihnen aufleuchten zu lassen.

Dass so ein Abend nicht ohne Zugabe verklingen konnte, war allen klar. Die folgte dem tosenden Applaus auf dem Fuße, während auf der Seebühne gerade die ersten „Turandot“-Takte über die Wellen wallten. Was gibt es also mehr zu sagen, als dass den Bregenzer Festspielen mit dem Tango ein fulminantes erstes Finale der „Musik und Poesie“-Reihe gelang, das Lust auf den nächsten Musiksommer macht.

Letzter „Musik und Poesie“-Abend am 21. August, 19.30 Uhr, „Im Cabaret“ mit Measha Brueggergosman und Justus Zeyen