Dornbirn auf der Kunstlandkarte

Kultur / 16.08.2016 • 19:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wieder einmal findet im Kunstraum Dornbirn eine wunderbare Ausstellung statt. Bis Ende des Sommers ist eine Installation der schwedischen Shootingstars Natalie Djuberg und Hans Berg, die mit einem der wichtigsten Kunstpreise, dem Silbernen Löwen der Biennale Venedig, ausgezeichnet wurden, zu sehen. In unmittelbarer Nähe zur bekannten inatura-Erlebnisschau beschäftigt sich der dynamische und privat geführte Kunstraum seit Jahren mit dem Verhältnis von Kunst und Natur und zeigt österreichische und vor allem internationale Spitzenkünstler. Einzigartig ist, dass die Künstler eingeladen werden, den grandiosen Raum immer wieder neu zu entdecken und zu nutzen.

So entstehen oft überzeugende, immer jedoch überraschende Symbiosen von Raum und Kunst, die über die Grenzen hinaus Aufmerksamkeit bei Publikum und Medien erwecken. Kein Wunder, dass es dem Kunstraum immer häufiger gelingt, Stars nach Dornbirn zu locken. Im Mittelpunkt des gegenwärtigen Projekts steht der neue Trickfilm des Künstlerpaars. Er führt mit den Skulpturen und Objekten in eine Welt zwischen Traum und Albtraum, die vordergründig an Märchen und Kinderfilme erinnert. Die bizarren Geschichten, die wunderbaren aus Plastillin gefertigten Puppen und die aufrüttelnde Musik verdichten sich in sensationellen Bildern. Bilder, die um elementare Fragestellungen des menschlichen Daseins, um Liebe, Lust, Gier, Eifersucht, Rache, Macht, Unterdrückung und Gewalt kreisen.

Ich selbst durfte letztes Jahr eine Ausstellung mit Arbeiten des tschechischen Avantgardefilmers und Surrealisten Jan Swankmajer für den Kunstraum Dornbirn machen und konnte mich dabei auf ein kleines, aber überaus effizientes Team verlassen. Betrieben von einem privaten Kunstverein, unterstützt von der Stadt Dornbirn, kann der Kunstraum als gelungenes Beispiel einer Private-Public-Partnership gelten. Mit seiner Flexibilität erweist er sich als kostengünstige Alternative zu manchem großen, gutdotierten Kulturtanker mit seinen langen Planungszeiten und personalintensiven Abläufen und als Vorbild für außerhalb jeder Wahrnehmung agierende selbstbezogene Kunstvereine. Schade, dass der Kunstraum im Winter seine Pforten schließen muss. Die Stadt Dornbirn wäre gut beraten, die für eine Ganzjahresbespielung notwendigen Mittel bereitzustellen.

Mit dem Wegfall des sich nunmehr offenkundig auf politischen Wunsch hin mehr regional, sprich provinziell orientierenden Magazin 4 und dessen intellektuellen Kopfes Wolfgang Fetz sowie des Verzichts der Stadt Bregenz auf zumindest national relevante Sommerausstellungen im Palais Thurn und Taxis, wird es dem Kunstraum Dornbirn zufallen, hinkünftig neben dem Kunsthaus Bregenz der Vorarlberger Leuchtturm für zeitgenössische Spitzenkunst zu sein und für jene Reibungen zu sorgen, die für eine oft selbstgefällige lokale Szene unabdingbar sind.

Mit seiner Flexibilität erweist sich der Kunstraum als kostengünstige Alternative zu manchem großen, gutdotierten Kulturtanker.

gerald.matt@vorarlbergernachrichten.at
Dr. Gerald Matt ist Kulturmanager und unterrichtet
an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.