Lokal zu sein, kann eine große Bedeutung haben

Kultur / 18.08.2016 • 18:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Es gibt auch ein durch das Dornbirner Tanz ist-Festival bekanntes Gesicht zu sehen: Simon Mayer. Foto: Ludwig
Es gibt auch ein durch das Dornbirner Tanz ist-Festival bekanntes Gesicht zu sehen: Simon Mayer. Foto: Ludwig

Das Ostschweizer Tanzförderungsformat „TanzPlan Ost“ verbindet Lokalität und Globalität.

St. Gallen, Schaan. (mst) Sieben Jahre ist es her, dass sich acht Ostschweizer Kantone und das Fürstentum Liechtenstein dazu entschieden, ganz gezielt und mit Struktur den Tanz zu fördern. Ein in der Schweiz einzigartiges Projekt, durchgeführt vom Trägerverein „ig tanz ost“, gab 2010 sein Debüt und schickte ausgewählte Kompanien auf eine mehrwöchige Tournee, um dem Publikum das Tanzschaffen der Region zu zeigen. Ein Konzept, das aufging und seitdem alle zwei Jahre stattfindet. Am 23. August startet die inzwischen vierte Tournee in St. Gallen, und nicht nur inhaltlich werden neue Pfade beschritten. Auch das Leading-Team mit der Solothurner Choreografin Simone Truong als künstlerischer Leiterin und Miriam Haltliner als Projektleiterin feiert Premiere.

Nicht nur konsumieren

Im Gespräch wird spürbar, dass der Glaube an die Kraft der Gemeinschaft die beiden Festivalmacherinnen eint. Vor allem um künstlerische Verbindungen geht es bei diesem Festival, das nicht mit anderen vergleichbar ist, da es nicht um den bloßen Konsum von Tanzstücken geht. Bereits die Auswahl der eingereichten Konzepte von Tanzschaffenden mit Ostschweizer Bezug folgte dem Ziel, jungen Tanzkünstlerinnen Chancen zu geben, ihnen Möglichkeiten zur künstlerischen Entfaltung und Auftritten zu bieten, und sie in Verbindung mit den Etablierten zu bringen. „Bei der Auswahl hat mich nicht ein Best of Ostschweiz interessiert. Es ist eine Auswahl, bei der es vor allem um Austausch und Solidarität geht. Mir ist wichtig, dass sich zwischen den Künstler eine Gemeinschaft bildet, die man im Publikum spürt und durch die man nicht darüber nachdenkt, ob einem das Stück gefällt oder nicht“, so Truong.

Neben den beteiligten Ostschweizer Künstlerinnen und Künstler reihen sich auch großen Namen, wie zum Beispiel der des international gefragten Choreografen Jérôme Bel. Dessen Konzept „Gala“, ein von insgesamt 15 professionellen wie nicht professionellen Mitwirkenden getragenes Tanzstück, eröffnet namentlich und inhaltlich treffend die Veranstaltungsreihe.

Auf spezielle Einladung

Und dann gibt es noch ein durch das Dornbirner Tanz ist-Festival bekanntes Gesicht zu sehen: Simon Mayer zeigt beim „TanzPlan Ost“ sein Solo „SunBengSitting“und bildet damit die rühmliche Ausnahme unter all den Beteiligten mit Schweiz-Bezug. Der Oberösterreicher wurde von Simone Truong explizit eingeladen, die seine Arbeit seit Längerem kennt und schätzt: „Simon passt zum Festival, weil er sich in seiner Arbeit damit auseinandersetzt, was es heißt, lokal zu sein, und die Frage stellt, was Heimat bedeutet.“

Der persönliche Kontakt zwischen allen Tanzschaffenden wurde bereits einige Zeit vor dem Festival initiiert. In Steckborn kam man zum gegenseitigen Kennenlernen zusammen und entwickelte dabei ein den Tanz vermittelndes Rahmenprogramm. Dort traf Mayer auf den Schweizer Performer Simon Wehrli und beide bemerkten, dass sie das Interesse an tänzerischen Traditionen eint. Daraus entstand „Gehen im Appenzell“, eine öffentliche Wanderung, die zu einer musikalischen und tänzerischen Reise durch die Region einlädt. „Mir geht es immer um ein Wir im größeren Sinn“, meint Simon Mayer zu seiner Arbeit als Theatermacher. Die Kraft des Wir-Gefühls deckt sich mit der Überzeugung Simone Truongs: „Viel passiert einfach, weil man sich trifft und Zeit miteinander verbringt. Es ist wirklich so simpel.“

Viel passiert einfach, weil man sich trifft und Zeit miteinander verbringt. Es ist wirklich so simpel.

Simone Truong

Tournee des „TanzPlan Ost“: 23. August bis 26. November in der Ostschweiz und in Schaan in Liechtenstein. Details unter http://www.tanzplan-ost.ch