Schier unmöglich und dazu noch so poetisch

19.08.2016 • 19:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Julia Moa Caprez und Igor Sellem sind „Les Rois Vagabonds“ und verzaubern das Publikum im Freudenhaus. Foto: VN/Sams
Julia Moa Caprez und Igor Sellem sind „Les Rois Vagabonds“ und verzaubern das Publikum im Freudenhaus. Foto: VN/Sams

„Les Rois Vagabonds“ zählt zu jenen Freudenhaus-Acts, die die Einrichtung veredeln.

Christa Dietrich

Lustenau. Er hatte von den Musikpoeten und Akrobaten gehört, fuhr vor ein paar Monaten ins französische Jura, weil sie dort gerade auftraten, und engagierte sie vom Fleck weg für Vorarlberg. Dass Willi Pramstaller damit völlig richtig entschieden hatte, wurde ihm nun im vollbesetzten Freudenhaus bestätigt. Die ungemein poetischen Bilder noch im Kopf, blieb der Jubel des Publikums, das das Theaterzelt gar nicht verlassen wollte, beim Gang zum Parkplatz im Lustenauer Millenniumpark im Ohr. Vor den Bravos und Begeisterungspfiffen waren es etwa Bach, Vivaldi oder Johann Strauß, die das mit wenigen Instrumenten bzw. nur einer Geige erzeugte Klangbild beherrschten, das von schier unmöglicher Akrobatik begleitet wurde.

„Les Rois Vagabonds“ zählen zu jenen Ensembles, die das „Seelax“-Festival bzw. das Freudenhaus veredeln, das in diesem Jahr seinen Platz zwar in Lustenau hat, aber sich etwa mit dem Kornmarkttheater oder dem Shed-8-Raum in Bregenz Satelliten-Orte eroberte. Jüngst gab es dort Aufführungen des „Stuffed Puppet Theatre“ und der „Franui Musicbanda“.

Zurück in den Seeanlagen

Obwohl sich die Seeanlagen als kein Platz erwiesen haben, an dem das Theaterzelt für längere Zeit verankert werden konnte, bleiben sie Aufführungsstätte. Zumindest für ein Intermezzo, das Willi Pramstaller am kommenden Wochenende (26. bis 28. August) anbietet und das er auch als Reminiszenz an das einstige, in Dornbirn und Bregenz durchgeführte „Impuls“-Festival versteht. An das Straßentheater mit Gruppierungen aus verschiedenen Ländern, an die riesigen Zirkusproduktionen unter freiem Himmel und an die subtilen Interventionen jener Künstler, die sich unter die Passanten mischten, um sie mit außergewöhnlichen Formen der darstellenden Kunst zu konfrontieren, dürften sich noch viele erinnern. Figuren-, Zirkus- und Clowntheater, Musik und Zauberei will Pramstaller dem Publikum nun mit dem Intermezzo anbieten. Wichtig ist ihm dabei, dass viele Produktionen frei oder nur gegen einen niedrigen Eintrittspreis zugänglich sind und dass die Qualität stimmt. Nicht ungern hätte er seine Künstler noch während der Festspielzeit auftreten lassen, der Termin in der Woche nach der letzten Seeaufführung bzw. während des ohnehin vor allem kulinarisch ausgerichteten Hafenfestes ist für ihn nun aber ebenfalls „stimmig“. Bekanntermaßen ist es im letzten Jahr mit der Stadt Bregenz und mit dem Land Vorarlberg zu Reibereien gekommen. Einer Terminkollision ging Pramstaller aus dem Weg, und die Subventionskürzung ist vorläufig kein Thema.

Großartiges Zirkustheater

Wie es im nächsten Jahr weiter geht, lässt der „Seelax“-Macher und Freudenhaus-Chef vorläufig offen, im September gibt es in Lusten­au jedenfalls mit „A simple Space“ ein weiteres grandioses Zirkustheater, „Les Roi Vagabonds“ sind am Samstag noch da. Die Geigerin und Tänzerin Julia Moa Caprez sowie der Musiker Igor Sellem, der auch ein Physiker ist oder als Kletterlehrer agiert, haben eine Produktion erarbeitet, die nicht nur Überraschungseffekte enthält, sondern ungemein subtil auf Musicalunterhaltung („Phantom of the Opera“) anspielt und unter einem riesigen Kristallluster für klug erzeugte, poetische Bilder sorgt. Die Virtuosität im Geigenspiel mit selbiger in den Bewegungen zu kompinieren, ist schier unmöglich und doch wahr.

Was kommt, ist auch eine Reminiszenz an das ,Impuls‘-Festival.

Willi Pramstaller

Weitere Aufführung von „Les Rois Vagabonds“ am 20. August, 20.30 Uhr in Lustenau. „Seelax“-Intermezzo vom 26. bis 28. August in Bregenz.