Vielseitigkeit gilt als „Star“ der Saison 2016

19.08.2016 • 20:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit Mozarts „Bastien und Bastienne“ im Gondelhafen wurde an den Beginn der Festspiele vor 70 Jahren erinnert. Foto: B. Rhomberg
Mit Mozarts „Bastien und Bastienne“ im Gondelhafen wurde an den Beginn der Festspiele vor 70 Jahren erinnert. Foto: B. Rhomberg

Bregenzer Festspiele gehen mit rund 213.000 Besuchern und guten Auslastungen am Sonntag zu Ende.

Bregenz. (VN-cd) „Wir verpacken die Oper transportfähig, ich glaube, versprechen zu können, dass es weitergehen wird“, stellte Intendantin Elisabeth Sobotka in Aussicht, dass ihre Opernentdeckung, nämlich „Amleto“ von Franco Faccio nach dem Shakespeare-Drama „Hamlet“, noch lange nicht abgespielt
ist. Musiktheaterunternehmen in Deutschland und Italien haben Interesse an der Übernahme der gesamten Produktion angemeldet, die die Bregenzer Festspiele als österreichische Erstaufführung angeboten hatten und die als spannendes Musiktheater vom Publikum sehr gut angenommen wurde. Ebenso eine Auslastung von 100 Prozent erreichte man mit der Uraufführung der „Staatsoperette“ von Otto M. Zykan, die ab Herbst auf dem Spielplan des Koproduktionspartners, der Neuen Oper Wien, steht. „Make no noise“, die Kammeroper von Miroslav Srnka, kommt auf eine Auslastung von rund 80 Prozent. Sobotka verwies bei der Präsentation der Saisonbilanz vor Medienvertretern auf die Brisanz beider Stücke: „Wir können somit zeigen, dass Musiktheater nicht etwas ist, das nach rückwärts gewandt ist.“

Oper wird weitergereicht

Die „Staatsoperette“, ein Musiktheater, das in seiner filmischen Version einst zu einem Skandal führte, beleuchtet den Austrofaschismus bzw. einige der wesentlichen Ursachen für den Nationalsozialismus in Österreich, und „Make no noise“, die 2011 in München uraufgeführte und nun bei der österreichischen Erstaufführung auch klanglich revitalisierte Kammeroper, thematisiert Kommunikationsunfähigkeit bzw. die Möglichkeit der Überwindung von traumatischen Erlebnissen. Hier steht bereits fest, dass die gesamte Produktion als Gastspiel aus Bregenz bei einem Festival in Ostrava gezeigt wird. Während Elisabeth Sobotka unterstrich, dass die Reaktionen gezeigt haben, dass Menschen gerade mit neuem Musiktheater zu erreichen sind und dass damit mitunter auch mehr vermittelt werden könne als durch ein Schauspiel oder den Film, steht für den kaufmännischen Direktor Michael Diem fest, dass die Vielfalt der „Star“ dieser Jubiläumssaison ist, die mit einer Reminiszenz auf den Start des Unternehmens im August 1946 begonnen hatte. Damals führte man nämlich das Mozart-Singspiel „Bastien und Bastienne“ auf Frachtkähnen im Gondelhafen auf und genau diese Situation wurde mit Solisten des Opernstudios und Musikern des Symphonieorchesters Vorarlberg nachgestellt.

Präsident Hans-Peter Metzler sieht die viel beschriebene, vom einstigen Intendanten Alfred Wopmann geprägte Bregenzer Dramaturgie wieder hergestellt. Den Fokus neben dem Spiel auf dem See und der Oper im Haus auf kleine Produktionen zu richten, soll weiterhin möglich sein. Maßgeblich dafür ist neben der Verlässlichkeit der Subventionsgeber auch das Einspielergebnis der Seebühnenproduktion. Mit „Turandot“ wurde eine Auslastung von 94 Prozent erreicht. Nur eine Aufführung musste bislang abgesagt werden. Sowohl die Opernkenner als auch Menschen, die weniger oft in die Oper gehen, mit dem Spiel auf dem See zu begeistern, soll, so Sobotka, ein Ziel bleiben.

Wir können somit zeigen, dass Musiktheater nicht etwas ist, das nach rückwärts gewandt ist.

Elisabeth Sobotka
„Turandot“ wurde laut vorläufiger Bilanz heuer von rund 160.000 Besuchern gesehen. Zwei Aufführungen, für die es noch einige Karten gibt, stehen noch auf dem Festspiel-Programm. Foto: VN/Paulitsch
„Turandot“ wurde laut vorläufiger Bilanz heuer von rund 160.000 Besuchern gesehen. Zwei Aufführungen, für die es noch einige Karten gibt, stehen noch auf dem Festspiel-Programm. Foto: VN/Paulitsch