Die wiederbelebten Vogelkäfige sind rege besucht

22.08.2016 • 17:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Heinz Greissing malt auch einige Bilder vor Ort.
Heinz Greissing malt auch einige Bilder vor Ort.

Auf der ehemaligen Adlerwarte herrscht seit Anfang Juli ein Kommen und Gehen.

BREGENZ. „Bist du der Horst?“, diese Frage hörte Gregor Koller auf dem Pfänder im Laufe der Kunstausstellung am Pfänder des Öfteren. Zwei Jahre stand die ehemalige Adlerwarte leer. Auf die Initiative von Koller wurden diesen Sommer achtzehn Volieren von verschiedenen Künstlern aus der internationalen Bodenseeregion zu Kunstwerken wiederbelebt. Zur Auswahl der Künstler meint Koller: „Ich wollte, dass die Besucher, unter denen viele Touristen sind, hier ein Stück Heimat wiederfinden. Deswegen kommen die Künstler aus den umgebenden Länder, wie Liechtenstein, der Schweiz, Deutschland und Österreich.“

Schon die Fahrt mit der Pfänderbahn ist ein inspirierendes Erlebnis. Als Bühne verwendet Koller die Natur: „Der Adlerhorst ist für mich aus zwei Gründen als Ausstellungsort ideal. Einerseits bin ich selbst gern an der frischen Luft, andererseits kommen hier täglich Hunderte Urlauber und Wanderer vorbei. So sind die Besucherzahlen natürlich um einiges höher als auf einer gewöhnlichen Vernissage.“

Unter den Künstlern befinden sich viele bekannte Namen, wie Gottfried Bechtold, Ona B. und Uwe Jäntsch, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Auch Koller selbst hat einen der Vogelkäfige künstlerisch eingerichtet. In Erinnerung an seinen verstorbenen Vater, der ihm das Fischen beigebracht hat, hat der Vorarlberger Künstler den Käfig mit Materialien, die er aus dem Wasser gezogen hat, befüllt. Mittendrin steht ein alter, umgeworfener Einkaufswagen, umwickelt mit einem Stacheldraht. Koller erklärt, auf was er damit anspielt: „Mein Vater hat eines Tages gemeint, Weihnachten sei für ihn tot.“

Besonders stolz ist der Kunstvermittler auf die Teilnahme des talentierten Filmemachers Christoph Rütimann, der einst die Schweiz an der Biennale von Venedig vertreten durfte. Rütimann filmte an einem regnerischen Tag die Fahrt der Pfänderbahn. Dafür befestigte er seine zwei GoPro-Kameras so nah am Seil wie möglich. Das Ergebnis lässt sich jetzt, wie alle anderen Kunstwerke, in einem der Käfige bewundern. Heinz Greissing, der ursprünglich aus Vorarlberg kommt, nun aber auch Wohnsitze in Wien und Andalusien hat, hat eine Voliere mit mehreren Bildern geschmückt. Im Horst sind allerdings nicht nur vollendete Kunstwerke zu bewundern, wer Glück hat, trifft Greissing diese Woche noch selbst auf der Adlerwarte, wo der Künstler mit Blick auf den Bodensee an einem neuen Landschaftsbild malt.

Pläne für kommende Saison

Der Kunstvermittler resümiert zufrieden: „Nicht nur die Volieren sind alle gelungen in Szene gesetzt worden, auch die Besucherzahlen sind mehr als erfreulich. An schönen Sonntagen kommen teilweise bis zu tausend Gäste am Tag. Über den ganzen Sommer dürften insgesamt dreißig- bis vierzigtausend Leute die Adlerwarte besucht haben.“ Nicht nur Touristen und Kunstfreunde waren von der Ausstellung angetan, auch dem Direktor des Kunsthauses Bregenz, Thomas D. Trummer, hat es auf dem Pfänder offensichtlich gefallen. So soll es im kommenden Sommer wieder eine Ausstellung im ehemaligen Horst geben, diesmal in Kooperation mit dem Kunsthaus. Was genau uns nächstes Jahr in den Käfigen erwarten wird, sei noch offen, meint Koller. Mit Ende des Monats August wird auch der „Hor(s)t der Kunst“ nach zwei erfolgreichen Monaten seine Tore wieder schließen. Bis dahin sind alle Kunstinteressierten herzlich eingeladen die mit künstlerischen Arbeiten belebten Volieren täglich von 10.30 bis 15 Uhr zu begutachten. Am 31. August, dem letzten Ausstellungstag, findet die Finissage statt, bei der die beteiligten Künstler am Vormittag in der Adlerwarte anzutreffen sind. 

An schönen Sonntagen zählen wir bis zu 1000 Besucher.

Gregor Koller
Besucher begutachten die Käfige, die von den verschiedenen Künstlern frei gestaltet wurden. FotoS: VN/STEURER
Besucher begutachten die Käfige, die von den verschiedenen Künstlern frei gestaltet wurden. FotoS: VN/STEURER
Besucher begutachten die Käfige, die von den verschiedenen Künstlern frei gestaltet wurden. FotoS: VN/STEURER
Besucher begutachten die Käfige, die von den verschiedenen Künstlern frei gestaltet wurden. FotoS: VN/STEURER

Die Ausstellung „Hor(s)t der
Kunst – freie Kunst am Pfänder“ läuft noch bis 31. August,
täglich von 10.30 bis 15 Uhr.