Augenblicklich keine Scheu vor dem Banalen

Kultur / 23.08.2016 • 17:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mischtechniken von Marbod Fritsch sind in der Galerie „allerArt“ zu erleben.  Foto: Fritsch
Mischtechniken von Marbod Fritsch sind in der Galerie „allerArt“ zu erleben. Foto: Fritsch

„For your eyes only“ heißt nicht, dass bei Marbod Fritsch in der Galerie „allerArt“ nun auch geschossen wird.

Christa Dietrich

Bludenz. (VN-cd) Der Vorarlberger Künstler Marbod Fritsch ist in erster Linie Zeichner. In letzter Zeit hat er unter anderem ein höchst stimmiges Bühnenbild für eine Peter-Handke-Produktion des Vorarlberger Landestheaters am Platz vor dem Vorarlberg Museum in Bregenz geschaffen. Er hat ein Kunst-am-Bau-Projekt realisiert, das vor allem junge Menschen ansprechen sollte und das auch tut. Er hat auf verschiedene Weise mit Jugendlichen gearbeitet, mit Lehrlingen in Nenzing einen Kreisverkehr so gestaltet, dass man dort gerne eine zusätzliche Runde dreht, er hat mit einfachen (grafischen) Mitteln im Stadtraum von Bludenz darauf aufmerksam gemacht, wie viele Spuren die Zeit und die Passanten an sich hinterlassen und er hat im ORF-Landesstudio in Dornbirn ein temporäres Museum der Sätze errichtet, für das ihm Menschen ihre Lieblingssätze oder -wörter zuschicken sollten.

Ein Zentrum ausdehnen

Wer seine Arbeiten noch etwas länger zurück verfolgt, der erinnert sich daran, dass es in Vorarlberg immer wieder Initiativen gab, die leider längst der Vergangenheit angehören. Im Rahmen eines groß angelegten Kunstprojekts mit zahlreichen Teilnehmern im öffentlichen Raum setzte er eine Schranke in den See, die dort keine Funktion hatte, aber vielfältige Assoziationen wachrief. Und wer sich an einer bestimmten Stelle im Feldkircher Reichenfeld-Areal aufhielt, für den begann sich die Welt im wahrsten Sinne des Wortes zu drehen. Dass er eigentlich zu den Künstlern zählt, die mit dem Stift arbeiten, zeigt sich nun in seiner ersten, noch vom ehemaligen Kulturstadtrat Christoph Thoma initiierten Einzelausstellung in der Galerie „allerArt“ in Bludenz. Es sind sehr subtile, geometrische Arbeiten, die durch die Auswahl und Hängung eine Sogwirkung erzeugen, einfach ausgedrückt, ein Erlebnis bieten und ganz nebenbei auch mit Banalitäten spielen.

Den schreierischen Titel „For your eyes only“, der an eine Agentenfilmserie erinnert, mag irgendjemand kreiert haben, Fritsch hat jedenfalls kein Problem damit und bekundet genau so stoisch wie glaubhaft, dass er weder an ein Auge noch an den Kosmos gedacht hat, sondern einfach nur der Frage nachging, inwieweit er ein Zentrum zeichnerisch ausdehnen kann.

Makro- und Mikrokosmos

Da mag man angesichts der Tausenden von Linien, die sich zu einer Art Auge verdichten, noch so sehr an Robert Fludd, den im frühen 17. Jahrhundert tätigen Philosophen und Mediziner denken, an seine Schriften über Makro- und Mikrokosmos, Marbod Fritsch bezieht sich nicht auf ihn. Er hat allerdings auch kein Problem damit, wenn Sphärisches in seine, vor allem geometrische Fragen behandelnden Arbeiten hineininterpretiert wird. Die Mischtechniken thematisieren – unterstrichen durch die Hängung – die zeichnerische Bewältigung des Raumes. Vom Erlebnischarakter der Ausstellung angetan, kann man sich gut vorstellen, dass Fritsch durchaus Spaß daran hat, wenn jene jungen Menschen, die nun im Rahmen eines „allerArt“-Projekts eigens dazu aufgefordert sind, das durch den Titel angeschnittene Augenthema weiterzuspinnen, dann doch bei Strahlen landen, die sich aus nichts anderem ergeben als aus vielen Linien und einer entsprechenden Idee, die ursprünglich ein Zeichner hatte.

Ich habe weder an ein Auge noch an den Kosmos gedacht.

Marbod Fritsch

Zur Person

Marbod Fritsch

Konzeptkünstler und Zeichner

Geboren: 1963 in Bregenz

Ausbildung: Universität für angewandte Kunst, Wien

Laufbahn: nationale und internationale Ausstellungen, Kunst-am-Bau-Projekte, Bühnenbild für das Vorarlberger Landestheater

Die Ausstellung ist bis 4. September geöffnet, Mi bis So, 17 bis 20 Uhr. 25. August, 17 bis 20 Uhr, Kunstvermittlung für Kinder und Jugendliche, 27. August, 20 Uhr, Open Night mit DJ