Es ist Licht geworden

26.08.2016 • 19:24 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eine Überblicksausstellung in Lustenau zeigt Lichtarbeiten von Brigitte Kowanz. Foto: Wolfgang Stahl, Courtesy Häusler Contemporary
Eine Überblicksausstellung in Lustenau zeigt Lichtarbeiten von Brigitte Kowanz. Foto: Wolfgang Stahl, Courtesy Häusler Contemporary

Bei Häusler Contemporary sind Arbeiten der Künstlerin Brigitte Kowanz zu sehen.

LUSTENAU. Mehr als das Gegenteil von Finsternis, mehr als Beleuchtung ist Licht für die österreichische Künstlerin Brigitte Kowanz seit den frühen 1980er-Jahren Medium, Motiv und Konzept zugleich. Arbeiten der international bedeutenden Künstlerin, die im kommenden Jahr zusammen mit Erwin Wurm den österreichischen Pavillon an der Biennale von Venedig bespielen wird, sind derzeit bei Häusler Contemporary in Lustenau zu sehen.

Informationsträger

Mit der frühen Wandarbeit „Il messaggio cifrato“ von 1986 legt Brigitte Kowanz gleich am Beginn der Überblicksausstellung „Keep at it“ ihre Strategie offen dar. Im Aufdecken und Verschlüsseln, wie es bildhaft vor Augen geführt wird, im Ausufern und Präzisieren, in Wort und „Bild“, Inhalt und Form bzw. Technik ist die Bandbreite ihres künstlerischen Vokabulars bereits ausformuliert. Schon am Beginn ihres Schaffens hat sich Brigitte Kowanz, damals noch malerisch und zusammen mit Franz Graf, durch das Öffnen des Bildraumes mit der Erweiterung des traditionellen Tafelbildes und der Auflösung der Malerei befasst. In den 1990ern setzt sich die Künstlerin verstärkt mit den sich bedingenden Verhältnissen von Licht, Raum und Zeit auseinander und macht künstliches Licht zu ihrem Medium.

Gekoppelt an Sprache und Zahlen, und zuletzt die Materialpalette von Neonröhren, LED und Metall um Spiegel und damit um eine zusätzliche Dimension von Wahrnehmung, Sichtbarkeit und „Wirklichkeitserfahrung“ erweiternd, wird Licht zum Informationsträger. Ebenso formal und ästhetisch streng, analog zu den verwendeten Materialien, wie komplex, entstehen Bildformeln, die die Zusammenhänge von Sehen und Verstehen hinterfragen und ihnen bildhaft Gestalt verleihen. Leuchtende Codes scheinen auf wie visuelle Poesie und definieren doch äußerst präzise in diesem konzeptuell angelegten Werk.

Zeit und Geschwindigkeit

Während „Il messaggio cifrato“ als über mehrere Ecken gebogenes Schriftband die Lesbarkeit des Textes durch die Fremdsprache zusätzlich erschwert, scheinen die titelgebenden Wörter „Wish“, „Calm“ und „Mind“ in der Werkserie „Discs“ von 2015 gar nur mehr im Morsecode auf. Kreisförmige Neonröhren mit abgedunkelten Partien bestrahlen die Umgebung sonnenartig, die geschliffenen Edelstahlscheiben wirken wie matte Spiegel. Im Spiegelkubus „Shift“, auf allen Seiten mit je einem Buchstaben besetzt, laufen die Begriffe schließlich völlig in- beziehungsweise auseinander.

In diesem Szenario der Reflexionen, wo sich Realität und Fiktion durchdringen und sich der Betrachter immer wieder selbst findet, um sich im nächsten Moment wieder zu verlieren, verleiht die Künstlerin ihrer Aussage, dass das Licht „keinen Ort kennt“ und „nie bei sich bleibt“ neue Bedeutung.

Als ein Medium, „das wie kaum ein anderes Zeit und Geschwindigkeit darstellt, selbst ist, und damit ein besonderes Charakteristikum unserer Wirklichkeit bildet“ (Brigitte Kowanz), stellt in der Auseinandersetzung mit dem Phänomen Licht in flüchtig-dynamischen Werken der Raumbezug eine Konstante in ihrem Schaffensprozess dar.

Anziehungskraft

In der wunderschönen Architektur von Baumschlager Eberle inszenieren sich die Arbeiten quasi selbst, auch in Wechselwirkung mit den Ausblicken in die Umgebung, die die Realität immer wieder in die Räumlichkeiten holen.

Und so überstrahlen die Lichtarbeiten der Künstlerin Brigitte Kowanz auch an einem strahlend hellen Spätsommermorgen den Tag und vermögen auch nach mehr als zwanzig Jahren ungebrochene Anziehungskraft auszuüben.

Zur Person

Brigitte Kowanz

Licht- und Medienkünstlerin

Geboren: 1957 in Wien

Ausbildung: Hochschule für angewandte Kunst in Wien

Laufbahn: internationale Ausstellungen, ortsspezifische Lichtarbeiten und Interventionen im öffentlichen Raum, seit 1997 Professorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien

Auszeichnungen: u.a. Großer Österreichischer Staatspreis für bildende Kunst 2009

Die Ausstellung ist bei Häusler Contemporary Lustenau, in Haus 2226, Millennium Park 20, Lustenau, bis Ende September geöffnet, Mo bis Fr, 8.30-17.30 Uhr.