Holzfiguren beleben den Blonser Dorfplatz

26.08.2016 • 18:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Im Großen Walsertal zeigt Manfred Martin, wie er lebensgroße Figuren mit der Holzsäge anfertigt.

BLONS. (VN-ale) Die letzten Tage war im Festsaal der Gemeinde unter der Leitung Maria Hofstätters die literarische Einlage „gehen gang gegungen“ zu sehen. Begleitet von Karl Stirner auf der Zither und Walther Soijka am Akkordeon lasen Hofstätter und Martina Spitzer über die verschiedenen Arten des Gehens und das Unterwegs-Sein. Dabei haben die zwei Literatinnen einen inspirierenden Text aus Werken von Thomas Bernhard, Ernst Jandl, Peter Handke, Honoré de Balcak und anderen bekannten Autoren verfasst. Wer die „literarisch-musikalische Hatscherei“ mit Hofstätter verpasst hat, kann der Schauspielerin heute, Samstag, auf dem Leseabend „Die Freiheit ist ein Tausendfüßler“ zuhören. Außerdem wird der Walserherbst-Stammgast Anfang September die Filmtage moderieren. Neben den abendlichen Veranstaltungen und Workshops gibt es auch dauerhafte Ausstellungen wie die Fotografien von Nikolaus Walter. „Menetekel“ nennt Walter sein gesammeltes Werk, das aus Zeichen, Sprüchen, Protesten und Statements, die auf öffentliche Wände und Mauer geschrieben wurden, besteht und in Thüringerberg zu sehen ist.

Für Jung und Alt

Außerdem sollten sich Kunstliebhaber die einzigartigen Arbeiten von Zaker Soltani, der im Alter von 15 Jahren von Afghanistan nach Europa flüchten musste, nicht entgehen lassen. Bildnerisch verarbeitet Soltani seine persönliche und aktuelle Situation. Dabei soll die Stimmung der gemalten Figuren in den Vordergrund rücken. Außerdem öffnet auch das Blonser Puppenmuseum während des Festivals seine Tore. Dort werden Kindheitsträume wahr: Puppen aus Holz, Pappmaché, Stoff, Porzellan, Zelluloid und Blech illustrieren die kulturhistorische

Entwicklung

des Kinderspielzeugs.

Zentrum des diesjährigen

Festivals ist die Gemeinde Blons. Dort sind auch die Holzfiguren von Manfred Martin zu sehen. Bis ins kleinste Detail stellt der Holzbildhauer die Figuren ausschließlich mit einer Kettensäge her. Durch ihre Ausdruckskraft und brillante Farbgebung bringen sie Leben an den Dorfplatz. Für alle, die sich selbst an einem Baumstamm verewigen wollen, bietet Martin Holzkopf-Sägekurse an. Bis Sonntag können Schaulustige dem Künstler außerdem dabei zusehen, wie er eine lebensgroße Holzfigur vor Ort erstellt und bemalt.

Ort der Kommunikation

Am Blonser Dorfplatz hat außerdem Architekt Hanno Mackowith ein ganz besonderes Projekt ins Leben gerufen: den Wanderkiosk. Der Kiosk ist als Ort der Kommunikation gedacht. Er kann Bühne, Verkaufsstand, Infoplatz und Straßencafé sein. Während Eugen Fulterer Gäste nachmittags mit Süßigkeiten und Getränken versorgt, soll der Kiosk Künstlern die Möglichkeit bieten, zu beweisen, was sie können. Der vorübergehende Kioskverkäufer erzählt: „Nicht nur Kinderaugen werden zum Leuchten gebracht, auch Erwachsene interessieren sich für das Angebot des Standes.“ Insgesamt zeigen sich die Festivalmitarbeiter äußerst zufrieden mit dem bisherigen Festivalverlauf. Julia Kohler, im Büro des „Walserherbst“ tätig, erzählt: „Regelmäßig rufen Leute an, die sich nach Restkarten erkundigen. Wir versuchen immer möglichst viel Platz zu schaffen, aber die Nachfrage ist enorm.“ Die Besucher kommen nicht nur aus dem Ländle, auch Kunst­interessierte aus den Nachbarländern Deutschland, Liechtenstein und Schweiz reisen in diesen Wochen ins Große Walsertal.

Seit 2004 lädt Festivalleiter Dietmar Nigsch alle zwei Jahre zwischen Spätsommer und Herbstbeginn zum „Walserherbst“ ein. Das Festival inszeniert noch gut zwei Wochen ein großes Kunst- und Kulturangebot, das von Musik und Performance über Literatur und Theater bis hin zu kulinarischen Erlebnissen und cineastischen Vorführungen reicht.

Der „Walserherbst“ findet noch bis 11. September statt.