Ein Heldenepos um Liebe und Hass

Kultur / 30.08.2016 • 18:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Remake von „Ben Hur“ erzählt die Geschichte zweier rivalisierender Männer zu Lebzeiten Jesu. Foto: AP
Das Remake von „Ben Hur“ erzählt die Geschichte zweier rivalisierender Männer zu Lebzeiten Jesu. Foto: AP

In der Neuadaption von „Ben Hur“ tritt New­comer Jack Huston 
in die Sandalen von Charlton Heston.

Abenteuer. Kein anderer verkörperte Ben Hur wohl mit so physischer Präsenz wie Carlton Heston in dem Klassiker von 1959. Nun hat sich Action-Spezialist Timur Bekmambetov des Stoffes erneut angenommen. Opulenz dürfte das wichtigste Attribut von Sandalenfilmen sein. Bombastisch die Bilder, die Filmlängen, oft die Budgets – vor allem aber die Omnipräsenz muskelbepackter, nackter Männeroberkörper, zur Schau getragene Stärke, die Brutalität der Kämpfe und nicht zuletzt die Schönheit der Frauen. Alles ist möglich in diesen Filmen, und historische Genauigkeit – denn in der Regel liegen ihnen biblische oder historische Geschichten zugrunde – eher zweitrangig.

Zwei Rivalen

Nun also ein Remake des Filmklassikers „Ben Hur“, jener Geschichte zweier rivalisierender Männer zu Lebzeiten Jesu. Auf der einen Seite der edle Prinz Judah Ben Hur (Jack Huston), Sohn einer angesehenen jüdischen Adelsfamilie, auf der anderen Seite der Adoptivsohn der Familie und bester Freund Judahs, Messala (Toby Kebbell), der einst Judah das Leben rettete.

Doch der aufgenommene Waise fühlt sich zunehmend von der Familie ausgeschlossen, wendet sich ab und geht nach Rom, wo er in Cäsars Heer Karriere macht. Jahre später kehrt er als Befehlshaber zu Judah und dessen Familie nach Jerusalem zurück. Nach einer Intrige wird Judahs Familie getötet oder verschleppt, Judah selbst kommt auf eine Galeere.

Vorbei sind die Zeiten des opulenten Lebens im Palast. Die Bilder aufwendig geflochtener Haarfrisuren und bunter Stoffe weichen jenen des verdreckten und bärtigen Judah auf dem Sklavenschiff, des unmenschlichen Alltags, angekettet, gepeinigt, hart arbeitend. Schön sieht der Protagonist da immer noch aus – auch nachdem das Schiff nach einer Attacke der Griechen kentert, er sich aus den Ketten befreit und auf dem Meer treibt, bis er irgendwo angespült wird. Dieser Ben Hur ist ein Mann des 21. Jahrhunderts, von Hestons animalischer Männlichkeit keine Spur.

Brutale Schlachten

Der gottähnliche, wohlhabende Ilderim (Morgan Freeman) und seine Gefolgschaft nehmen den Gestrandeten auf. Zwischendurch trifft er in Jerusalem seine Jugendliebe und spätere Ehefrau Esther (Boniadi), spürt seine an Lepra erkrankte

Mutter und Schwester

auf, die wie durch ein Wunder geheilt werden. Und Jesus (Santoro) taucht auch immer mal wieder in seinem Leben auf. Bekmambetov zieht in diesem Schinken nach dem Roman von Lew Wallace aus dem Jahr 1880 alle technischen Register, die Hollywood zu bieten hat. Die Schlachten scheinen endlos und brutal, die Gesichter und Körper, die Kostüme und Kulissen bis zur Unkenntlichkeit digitalisiert und auf Hochglanz poliert.

Filminfos

» Regie: Timur Bekmambetow

» Hauptdarsteller: Jack Huston, Toby Kebbell, Nazanin Boniadi, Rodrigo Santoro

» läuft ab 1. September im Kino