Karrieresprung mit der „Schönen Müllerin“

30.08.2016 • 16:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tenor Mauro Peter debütierte 2012 bei der Schubertiade in Schwarzenberg. Foto: Schubertiade
Tenor Mauro Peter debütierte 2012 bei der Schubertiade in Schwarzenberg. Foto: Schubertiade

Tenor Peter beeindruckt mit Stimmschönheit, Minetti Quartett bleibt indifferent.

SCHWARZENBERG. (JU) Ganz schön ins Schwitzen gekommen ist diesmal der berühmte Müllerbursche in Schuberts Liederzyklus. Nicht nur, weil die geliebte Müllerin seine Zuneigung verschmäht und doch lieber den Jäger nimmt, sondern weil es an diesem Nachmittag gemessene 32 Grad Außentemperatur hat. Im Schatten, wohlgemerkt! Im vollen Angelika-Kauffmann-Saal ist es zwar klimatisiert, aber die 600 Besucher heizen das innert einer guten Stunde wieder auf. So lange dauert Schuberts berühmter Zyklus „Die schöne Müllerin“, der für den jungen Luzerner Tenor Mauro Peter den entscheidenden Karrieresprung bedeutet hat.

Als er damit 2012 bei der Schubertiade Schwarzenberg debütierte, war er die Sensation dieser Festivalsaison und nutzte dieses Sprungbrett zu einer internationalen Karriere, die ihn ein Jahr später als Ensemblemitglied ins Opernhaus Zürich und zu Mozart­opern mit Harnoncourt nach Wien führte. Heuer hat ihn Gerd Nachbauer mit eben diesem Zyklus erneut eingeladen, um seine Entwicklung in dieser Zeit zu demonstrieren. Und die ist beachtlich. Kurz gesagt, hat man es hier mit einer der schönsten jungen Tenorstimmen unserer Zeit zu tun. Einer mit 29 noch immer jugendlichen Sängerpersönlichkeit, deren erster Überschwang heute freilich einer überlegten Reife und einem kontrollierten Werkverständnis gewichen ist, ohne dass dabei seine einst gerühmte Natürlichkeit und Frische verloren gegangen wäre.

Das ist es, warum das Publikum so gebannt an Peters Lippen hängt und alles um sich herum vergisst, sogar die Hitze. Sich mit ihm mitfreut und mitleidet, im großen emotionalen Spannungsbogen des Müllers vom fröhlichen Wanderer über den atemlos blind Verliebten in der „Ungeduld“ und dem Zorn des Unglücklichen über den Nebenbuhler bis zum erschütternd resignierenden Ende im Bach, seinem Vertrauten. Man versteht jedes Wort und erfreut sich an einer nahtlos bis in unangestrengte Höhen geführten, strahlenden Stimme, die auch bei Höhepunkten wie „Dein ist mein Herz“ nie ihren lyrischen Charakter verleugnet. Einer von Peters Lehrmeistern sitzt am Flügel, Helmut Deutsch, und ist ihm selbst der beste Begleiter.

Zwiespältiger Eindruck

Neben dem dominierenden Schubert-Liederzyklus gibt es beim Festival auch genügend Angebote an Klavier- und Kammermusik, so etwa am Montag einen Nachmittag mit den beiden prominenten Klarinettenquintetten von Mozart und Brahms. Ausführende sind der auch als Komponist und Interpret Neuer Musik erfolgreiche Münchner Klarinettist Jörg Widmann (43) und das junge österreichische Minetti Quartett, als europäische „Rising Stars“ gefeiert und seit seinem Debüt 2010 jährlich hier zugegen. Doch der ungenierte, freche musikalische Zugang, den man noch in den ersten Jahren bei den „Minettis“ bewundert hat, ist mittlerweile einer wohldosierten, konventionellen Spielweise gewichen, die bei Mozart zur routiniert belanglosen Oberflächlichkeit wird. Sein Werk gerät zum Leichtgewicht, das niemanden wirklich zu berühren vermag. Da ist auch Jörg Widmann mit seinem sanglich geführten Bassetthorn ohne viel Vibrato auf verlorenem Posten.

Einiges vermögen die Musiker dann im Brahms-Klarinettenquintett wettzumachen, bei dem das Soloinstrument weit dichter in den Quartettsatz verwoben ist. Das scheint ihnen besser zu liegen, hat nun Charakter und jenes Format, das man sich gerade hier von einer ausgereiften Kammermusikdarbietung wünschen kann. Und es blitzt in zunehmend dunkel gefärbten Tönen auch klanglich jener melancholische Schönheitswahn durch, den man gerade an Brahms so liebt. Damit ist nun auch das Publikum einverstanden.

Schubertiade heute, Angelika-Kauffmann-Saal Schwarzenberg:
11 Uhr, Cuarteto Casals und weitere Musiker (Beethoven, Schubert-Oktett)