Ein ganzes Leben für die Kunst in lokal beschränktem Radius

Kultur / 19.09.2016 • 20:04 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Selbstporträt des Bludenzer Malers Hubert Fritz.
Selbstporträt des Bludenzer Malers Hubert Fritz.

Mit Hubert Fritz ist dem ersten akademischen Maler aus Bludenz zu begegnen.

BLUDENZ. Wenn sich ein Neunjähriger bereits so porträtiert, wie es Hubert Fritz 1923 getan hat, und an einem Schriftzug für seine Signatur feilt, dann kann man wohl von mehr als einer Talentprobe reden. Dass die weitere Karriere des 1914 geborenen, 1976 verstorbenen Künstlers in beschaulichen Bahnen und kaum über Bludenz hinaus verlief, hat, wie so oft, mit den Lebensumständen in Vorarlberg bzw. im ländlichen Raum zu tun. Eine Retrospektive in der Galerie allerArt, die in Kooperation mit dem Vorarlberg Museum zustandekam, stellt das auch in seiner Heimatstadt wenig bekannte Schaffen des Künstlers vor.

Er war und ist bis heute der erste akademische Maler von Bludenz geblieben und führte das für einen Künstler im 20. Jahrhundert in Vorarlberg typische Leben. Eigensinnig in seinem künstlerischen Schaffen, eingeschränkt durch eine Kriegsinvalidität und Schmerzen, abhängig von öffentlichen und privaten Auftraggebern, am Rande der Existenz, seinen Lebenssinn aber immer in der Kunst suchend, und das freie Künstlertum gegenüber dem Dasein in Sicherheit vorziehend. Unermüdlich schaffend, hat er so trotz der relativ kurzen Zeitspanne ein umfangreiches Oeuvre geschaffen.

Werkverzeichnis

Die Basis für die retrospektive Übersicht zum 40. Todestag von Hubert Fritz bildet ein ausführliches Werkverzeichnis, das der Historiker und Fotograf Dieter Petras angelegt hat. Über 1100 Werke umfassend, befinden sich rund 95 Prozent des Nachlasses in Familienbesitz, denn Hubert Fritz hat seine Arbeiten höchst ungern verkauft und zuweilen ein bereits veräußertes Gemälde auch wieder zurückgekauft. Im elterlichen Malerbetrieb tätig, besuchte Hubert Fritz trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten zunächst die Kunstgewerbeschule in Innsbruck, die Meisterschule in Wien und schließlich die Akademie der Bildenden Künste in München. Der kurz danach beginnende Krieg mit dem Einsatz an der Eismeerfront manifestiert sich als einschneidendes Erlebnis: Hubert Fritz verliert beide Unterschenkel, den Schrecken der Amputation und Operationen verarbeitet er in mehreren Gemälden eindrücklich und dunkel.

Seinem Stil treu geblieben

Zurück in Bludenz, entstehen vor allem Landschaften und Stadtansichten, Stillleben sowie einige Werke im öffentlichen Raum, wie Kirchenfenster oder das Sgraffito am Oberen Tor. Der durchaus vielversprechende Ausflug in die Gebrauchsgrafik bleibt ein kurzes Intermezzo, kommerzieller Ehrgeiz und künstlerische Erfüllung gehen für Hubert Fritz nicht zusammen. Einziges Zugeständnis an den Markt bleiben die Porträts als Auftragsarbeiten, in denen sich der Maler trotzdem ausleben konnte. Die künstlerische Freiheit, die ihm in den anderen Gattungen geblieben wäre, hat Hubert Fritz indes nicht genutzt. Neben Edwin Neyer und Fritz Pfister Mitglied der Künstlergruppe Gayenhofen, bleibt er seinem nachexpressionistisch gefärbten Stil treu. Die Aquarelle, die das Gros des OEuvres ausmachen, sind gekennzeichnet durch Unmittelbarkeit; statt Detail­treue setzt der Maler auf die Gesamtwirkung von Farben und Flächen. Brüche kennt das Werk nicht. Auch das Leben von Hubert Fritz verläuft unspektakulär, über Bludenz kommt er kaum hinaus, als „Biedermann im besten Sinn“ bezeichnet ihn Kurator Dieter Petras. Einen Einblick in diese Denkweise gibt die aktuelle Schau. Sie versammelt in einer Fülle, die sich im allerArt-Ausstellungsraum, wo ansonsten eher Reduktion in der Präsentation angesagt ist, ungewohnt ausnimmt, Werkbeispiele aus allen Gattungen und Schaffensphasen und präsentiert die kleine, überschaubare Welt des Hubert Fritz für einmal ganz groß.

Die Ausstellung zeigt Werkbeispiele aus allen Gattungen und Schaffensphasen und präsentiert die überschaubare Welt des Hubert Fritz für einmal ganz groß. Foto: AG
Die Ausstellung zeigt Werkbeispiele aus allen Gattungen und Schaffensphasen und präsentiert die überschaubare Welt des Hubert Fritz für einmal ganz groß. Foto: AG

Die Ausstellung ist in der Galerie „allerArt“ in der Remise, Am Raiffeisenplatz 1, in Bludenz, bis 16. Oktober geöffnet, Mi bis Sa, So und Feiertag, 15 bis 18 Uhr.