Lohengrin als Müllerbursche

Kultur / 06.10.2016 • 19:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Klaus Florian Vogt als Walther von Stolzing in „Die Meistersinger von Nürnberg“ bei den Bayreuther Festspielen. Foto: EPA
Klaus Florian Vogt als Walther von Stolzing in „Die Meistersinger von Nürnberg“ bei den Bayreuther Festspielen. Foto: EPA

Der Wagner-Tenor debütiert mit der „Schönen Müllerin“ bei der Schubertiade.

HOHENEMS. (ju) Der gebürtige Holsteiner Klaus Florian Vogt gehört heute zu den führenden Wagner-Tenören der Welt in den großen Häusern von Bayreuth und Paris bis New York. Eigentlich ist er ein Spätberufener, der erst über den Umweg als Hornist im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg zu seiner eigentlichen Profession als gefeierter jugendlicher Heldentenor fand. Einen Durchbruch bedeutete für Vogt sein Rollendebüt als Lohengrin am Theater Erfurt im Jahre 2002. Mit dieser Partie gastiert er seitdem als freischaffender Künstler in der ganzen Welt und hat sein Repertoire inzwischen um weitere Partien dieses Fachs erweitert, wie den Stolzing in Richard Wagners „dIE Meistersinger von Nürnberg“ und den Parsifal, den er heuer erstmals in der Neuinszenierung von Uwe Eric Laufenberg mit Hartmut Hänchen am Pult bei den Bayreuther Festspielen verkörperte. Seiner anfänglichen lyrischen Ader, u. a. mit dem „Tamino“ in Mozarts „Zauberflöte“, gibt Klaus Florian Vogt heute im Liedgesang Ausdruck, was für den Sänger eine enorme stilistische Spannweite zwischen beiden Bereichen bedeutet.

Herr Vogt, wie groß ist die stimmliche Umstellung von einer der großen Wagner-Partieen zum Liedgesang, braucht es dafür nicht ein spezielles Training?

VOGT: Natürlich erfordert der Liedgesang eine gewisse Umstellung, aber ein spezielles Training oder eine Veränderung der Gesangstechnik findet nicht statt.

Wir freuen uns, dass Sie erstmals bei der Schubertiade zu Gast sein werden. Was verbinden Sie mit diesem Festival?

VOGT: Es ist für mich eine große Ehre, bei diesem Festival singen zu dürfen.

Sie interpretieren bei uns einen der anspruchsvollsten Liederzyklen Schuberts, die „Schöne Müllerin“, einen Gipfelpunkt der Liedgestaltung, den man gerade hier schon in sehr vielen Versionen gehört hat. Was bedeutet Ihnen dieser Liederzyklus?

VOGT: Ich empfinde große Freude, die kleinen Geschichten der einzelnen Lieder zu einer großen zu verbinden und den Zuhörer an meiner Reise durch die unterschiedlichen Gefühlsregungen des Müllerburschen teilhaben zu lassen.

Nach Lohengrin, Parsifal und Stolzing steht 2017 die vierte große Wagner-Tenorpartie für Sie an, wenn Sie an der Bayerischen Staatsoper in München den Tannhäuser singen werden. Welches sind die besonderen Herausforderungen dieser Partie?

VOGT: Die Herausforderungen liegen sicherlich im großen Umfang der Partie. Sie erfordert viele Facetten im Ausdruck, und ich bin auch auf die szenische Arbeit gespannt.

Die musikalische Leitung des „Tannhäuser“ wird Kirill Petrenko übernehmen, der hier in Vorarlberg aufgewachsen ist und ausgebildet wurde. Wird der Tannhäuser Ihre erste Zusammenarbeit mit Petrenko sein oder kennen Sie ihn bereits?

VOGT: Ich habe mit Kirill Petrenko bereits in München bei Richard Wagners „Walküre“ zusammengearbeitet und freue mich jetzt sehr auf diese gemeinsame Neuproduktion.

Zur Person

Klaus Florian Vogt

Geboren: 12. August 1970 in Heide/Holstein

Ausbildung: Ausbildung als Hornist, Gesangsstudium Musikhochschule Lübeck

Tätigkeit: Landestheater Flensburg, Semperoper Dresden, Theater Erfurt, seit 2003 freischaffend, 2007 Debüt als Stolzing in Bayreuth

Auszeichnungen: 2008 Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein, 2012 ECHO-Klassik als „Sänger des Jahres“ für seine Debüt-CD bei SONY

Familie: lebt mit Gattin und vier Söhnen in Dithmarschen in Schleswig-Holstein

Schubertiade Hohenems, Markus-Sittikus-Saal: 9. Oktober, 20.00 Uhr, Liederabend mit Klaus Florian Vogt, Tenor, Helmut Deutsch, Klavier (Schubert: „Die schöne Müllerin“)