Im Kunsthaus wird keine „Fertigware“ präsentiert

Kultur / 20.10.2016 • 19:08 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Thomas D. Trummer präsentierte das Programm zum 20-jährigen Jubiläum des Kunsthaus Bregenz. Foto: VN/Hartinger
Thomas D. Trummer präsentierte das Programm zum 20-jährigen Jubiläum des Kunsthaus Bregenz. Foto: VN/Hartinger

KUB fokussiert 2017 auf Auseinandersetzung mit Ort, Zeit und eigener Geschichte.

BREGENZ. Er beneide all jene, die von Anfang an dabei gewesen seien und noch mehr jene, die alles gesehen hätten, sagt Kunsthaus-Direktor Thomas D. Trummer zu Beginn der Jahrespressekonferenz im KUB. Wenn der Zumthor-Bau 2017 ins zwanzigste Jahr geht, beginnt für Trummer sein zweites Jahr als Direktor. Mit einem Programm, das in der Fokussierung auf die Architektur des Gebäudes und auf dringliche Fragen der Zeit, auf Gegenwart und Vergangenheit, die Maxime und die Folge der präzisen Setzungen von 2016 weiterführt, aber auch die Erinnerung an die Geschichte des Kunsthauses selbst zum Thema werden lässt.

„Il faut être de son temps“ formuliert Trummer, in Anlehnung an Baudelaire, als Motto und Leitgedanke für das kommende Jubiläumsjahr, das neben einem Festakt zum Geburtstag des Hauses im Sommer mit Vorträgen, Publikationen, Musik, Veranstaltungen und natürlich Kunst und Architektur wiederum vier Ausstellungen vorsieht. Auch diesmal wird keine „Fertigware“, kein simples Anliefern und Hängen von Kunst, dabei sein. Vielmehr werde man mit Risiko und Leidenschaft agieren, das Kunsthaus leiste, was andere Häuser nicht zu leisten imstande seien. Eröffnet wird das Ausstellungsjahr im Februar mit der jungen US-amerikanischen Künstlerin Rachel Rose. Die 1986 geborene, in New York lebende Rachel Rose gilt als Shootingstar der Szene und ist die jüngste Künstlerin, die jemals ins Kunsthaus eingeladen wurde. Von der Malerei kommend, verknüpft sie in ihren schichtweise aufgebauten Videoarbeiten Erinnerung, Geschichte und Architektur. In „A Minute Ago“ lässt sie den Architekten Philipp Johnson wie ein verschwommenes Gespenst durch sein berühmtes Glass House von 1949 geistern, zu ihrer jüngsten Arbeit inspirierten sie die Erlebnisse eines Astronauten bei einem Weltraumspaziergang.

Ein Garten fürs KUB

Ebenfalls an vergangene, an längst vergangene Zeiten und an Lebewesen lange vor der menschlichen Erinnerung gemahnen die Skulpturen des argentinischen Bildhauers Adriàn Villar Rojas. Nur sechs Jahre älter als Rachel Rose, der gleichen Generation zugehörig, scheinen die überdimensionalen Betonskulpturen des Künstlers, der in einem Wald in Patagonien einen riesigen Wal stranden ließ, an der documenta (13) in Kassel einen Park mit 70 Skulpturen/Knochen bespielte und in Bregenz mit Fossilien arbeiten wird, allein schon aufgrund ihrer Materialität wie gemacht für den Gussbetonbau von Zumthor, der den perfekten Bezugsrahmen bildet. Dem Meister selbst, dem KUB-Architekten Peter Zumthor, ist schließlich die Sommerausstellung vorbehalten. Dass „Zumthors Welt“, so der Titel der Schau, mehr als Architektur und Bauen ist, sondern ein Einfinden in Raum und Ambiente, wird Peter Zumthor in der von ihm selbst kuratierten Schau in Kurzfilmen, in denen er Plätze und Projekte bespricht, vermitteln. Man wolle Zumthor „machen lassen, was er machen möchte“, sagt Trummer, und dazu gehört auch ein Garten, ein spezifischer Hortus conclusus, angelegt ganz zuoberst im Haus.

Noch nicht bekannt gegeben wurden die vierte Einzelausstellung sowie der Name des Künstlers, der künftig die Kuratorenschaft über die einer jungen Künstlergeneration vorbehaltenen Billboards an der Seestraße übernimmt. Fortgeführt wird auch im kommenden Jahr mit den KUB-Projekten die zweite unabhängige Projektschiene,
u. a. mit einem Symposium zur „Eikonomie“, einer Wort­erfindung zum gegenwärtigen Kunstdiskurs aus ökonomietheoretischer Sicht.

Gesunkene Besucherzahlen

Die Aussage Trummers, dass die Geschichte des KUB eine Erfolgsgeschichte sei, lässt sich gemessen an den Besucherzahlen von 2016 nicht ganz verifizieren. Von rund 50.000 im vergangenen Jahr auf 40.000 in diesem Jahr gesunken, lässt sich dieser spürbare Rückgang nur teilweise mit Auslagerungen durch Kooperationen und Außenprojekte erklären. Fakt ist, dass die großen Ausstellungen im Haus weniger Besucher verzeichnen konnten. Gleichgeblieben und auch 2017 stagnierend, zum Leidwesen von Kurator Rudolf Sagmeister, der sich für das Jubiläumsjahr eine Aufstockung des Budgets gewünscht hätte, ist dagegen der Beitrag des Landes Vorarlberg mit 2,55 Millionen Euro. Leicht gesunken ist auch der Eigenerlös. Wie Werner Döring, Geschäftsführer der Vorarlberger Kulturhäuser erklärte, müsse man sich wohl verstärkt um andere Quellen bemühen, doch einfach dürfte sich die Suche nach weiteren Sponsoren nicht gestalten.

Im Hinblick auf ein rauschendes Jubiläumsfestjahr bleibt zu hoffen, dass sich zusätzliche Gelder aufbringen lassen, denn, auch das ein Wort von Baudelaire: „Il faut être toujours ivre“ – man muss ständig im Rausch sein.

Wir wollen Zumthor machen lassen, was er machen möchte.

Thomas D. Trummer

KUB Programm 2017

Rachel Rose

4. 2. – 17. 4. 2017

 

Adriàn Villar Rojas

6. 5. – 25. 6. 2017

 

Peter Zumthor

15. 7. – 8. 10. 2017

 

Ausstellung IV

wird gesondert bekannt gegeben