Bregenz, Bilbao und wieder zurück

Kultur / 25.10.2016 • 19:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Arbeit des Vorarlberger Künstlers Lorenz Helfer. Foto: AG
Arbeit des Vorarlberger Künstlers Lorenz Helfer. Foto: AG

Zehn Jahre Austausch wird bei Lisi Hämmerle und im Bildraum Bodensee gefeiert.

BREGENZ. Herbstzeit ist in der Galerie Lisi Hämmerle fast schon traditionell Bilbao-Zeit. Im Rahmen des von der Kulturabteilung des Landes Vorarlberg initiierten und geförderten Künstleraustauschprogramms präsentieren mit Miriam Isasi und Javier Arbizu zwei Künstler aus dem Baskenland die Ergebnisse ihres zweimonatigen Stipendienaufenthalts im Ländle. Zugleich arbeiten mit Lorenz Helfer und Christine Katscher derzeit zwei Vorarlberger in Bilbao.

Da dies heuer bereits zum zehnten Mal der Fall ist, findet parallel zur Ausstellung bei Lisi Hämmerle eine Schau im Bildraum Bodensee statt, die Werke einiger spanischer und sämtlicher Vorarlberger Künstler zeigt, die in Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit dem jeweils anderen Ort und in Kooperation mit der Stiftung Bilbao Arte entstanden sind. Annähernd 40 Künstler listet das Ausstellungsverzeichnis auf und entsprechend abwechslungsreich gestaltet sich der Rundgang durch die Schau im Bildraum Bodensee, die nebenbei fast ein kleines Update über die jüngere Vorarlberger Kunstszene liefert. Mit Alexandra Berlinger und Wolfgang Fiel gestaltete sich bereits der Beginn des Austauschs, als angestrebte Internationalisierung und Vernetzung, vielversprechend. Nicht weniger, darauf folgend, Maria Anwander und Ruben Aubrecht als ein weiteres, in der Zwischenzeit sehr erfolgreiches Duo – beide mit äußerst humorvollen Arbeiten vertreten. Während Anwander eine zwinkernde Jeannie Wünsche erfüllen lässt, träumt sich Aubrecht, im Sessel schlafend gefilmt, zu guter Kunst. Fast so einfach war es auch bei Barbara Husar, die in Bilbao ihre Dinosaurier-Serie begonnen hat, oder beim Maler Bernhard Buhmann, dessen unbemannter Flugmaschine „Funny Edvard“ Kontrollverlust droht.

Krieg und Idylle

Franz Amann verknüpft eine Bilbao-Arbeit mit aktuellen Aspekten wie dem Bettelverbot, und während sich Veronika Schubert in einer Animation in Zeitraffer oder Sarah Schlatter fotografisch mit der Szene vor und um das Haus, in dem sie in Bilbao gewohnt haben, befassen, lässt es auch Hubert Dobler in seinen Arbeiten, an der Grenze zwischen Kunst und Technologie, ordentlich krachen und rauchen, wenn auch in den in Bilbao entstandenen Arbeiten eine Nummer kleiner. Auch von den spanischen Künstlern können einige in der Zwischenzeit auf beachtliche internationale Erfolge verweisen, was sowohl die Qualität des Programms als auch den guten Riecher auf beiden Seiten bestätigt. An einige erinnert man sich auch noch aus den letzten Ausstellungen, wie an Ainara Elogibar mit ihrem S/W-Film vom Münchner Bahnhof Pasing, oder an den expressiv gemalten Zyklus „abwehr waldrand“ von Taxio Ardanaz, der die Gegensätzlichkeit der historischen Darstellung der alpinen Landschaft als Kriegsschauplatz und ihrer gegenwärtigen Stilisierung als touristische Idylle untersucht.

Eng verknüpft mit dem Krieg sind auch die in Bregenz entstandenen Arbeiten der aktuellen Stipendiatin Miriam Isasi (geb. 1981). Ihre vielschichtige, vielteilige Installation in der Galerie Lisi Hämmerle setzt sich in kühler Reduktion und eigenwilliger Materialität mit dem Toplitzsee, als einem verwunschenen, verwundeten Ort auseinander. Die Legenden, die sich um den See ranken, u. a. dass die Goldreserven des Dritten Reichs bei Kriegsende im See versenkt worden seien, überträgt die Künstlerin in eine Bildsprache, die die Geschichte fast greifbar macht, aber auch fast noch geheimnisvoller, während der Eisblock mit dem darin befindlichen Goldstück auf dem Galerieboden langsam schmilzt

Was bleibt von einem Objekt, wenn es seine Funktion verloren hat? Leise Poesie und Materialität, antwortet sich mit Javier Arbizu (geb. 1984) der zweite spanische Künstler gleich selbst. Gefundenes, Ausrangiertes, Schwarzes und Weißes, Paarweises, Deformiertes und Kombiniertes wie zwei Schraubzwingen, angeschwemmte Plastiksandalen aus dem See oder die beschädigten Hände einer Schaufensterpuppe arrangiert Javier Arbizu zu einem Feld von Dingen, die nicht mehr sind, was sie einmal waren, die aber durch den Künstler eine Neubesetzung erfahren und in der Transformation eine neue Sicht auf scheinbar Bekanntes ermöglichen.

Geöffnet im Bildraum Bodensee, Seestraße 5, in Bregenz, bis 12. November, Di und Do, 13 bis 18 Uhr, Fr und Sa, 11 bis 16 Uhr. In der Galerie Lisi Hämmerle, Anton Schneider Straße 4a, in Bregenz, Mi bis Fr, 15 bis 19 Uhr, Sa, 16 bis 19 Uhr.