Gemeinsam sind sie eine Wucht

Kultur / 01.11.2016 • 20:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dem Landesjugendchor „Voices“ fordert Oskar Egle seit zehn Jahren Höchstleistungen ab.
Dem Landesjugendchor „Voices“ fordert Oskar Egle seit zehn Jahren Höchstleistungen ab.

Landesjugendchor „Voices“ und Landeskinderchor konzertierten gemeinsam.

Götzis. Da fällt einem die alte Binsenweisheit ein: Der Landesjugendchor „Voices“ ist eine Klasse für sich, der Landeskinderchor ist top aufgestellt – wie gut müssen erst beide zusammen sein. Und so war es denn auch. Nämlich einfach eine Wucht, als der Chorverband Vorarlberg in zwei ausverkauften Konzerten am verlängerten Wochenenden in der Kulturbühne Ambach das enorme Potenzial seiner beiden Jugendchöre unter dem Motto „Voices for kids“ erstmals gemeinsam in Stellung brachte. Beide sind ein Versprechen für die Zukunft, ein Mittel für die Qualitätssicherung der Vereine in der hochstehenden Chorlandschaft Vorarlbergs.

Ganz abseits solcher strategischer Überlegungen ist es einfach ein großes Vergnügen, diese Chöre einmal im Doppelpack zu erleben. Der Abend gehört natürlich in erster Linie den „Voices“. Sie treten, mit Rückenwind gestärkt durch zwei erste Preise im Juni beim Wettbewerb in Krakau, trotz erkältungsbedingter Ausfälle noch mit 85 Stimmen in imposanter Stärke und Qualität unter Chorguru Oskar Egle an. Aber auch der 65-köpfige Landeskinderchor, übrigens die einzige Einrichtung dieser Art in Österreich, bildet hier nicht bloß den Aufputz, sondern gestaltet unter der charmant-kundigen Leitung von Birgit Giselbrecht-Plankel eine gute halbe Stunde Programm, die Mädchen durchwegs im Dirndl, die elf Burschen teils in Lederhosen. Sie tun das bei aller spürbaren Begeisterung diszipliniert und auf einem beachtlich sauberen und deutlichen Niveau. Ein eindrucksvoller Leistungsbeweis, bei dem man auch nie den Eindruck einer Überforderung hat. Da ist alles kindgerecht aufbereitet, mit heimischen Volksliedern, internationalen Songs und einfachen Choreografien, die dem Bewegungsdrang der Youngsters spontan entgegenkommen. Auch den beiden Jung-Moderatoren aus den Reihen des Kinderchors, die die Großen im zweiten Teil ablösen, fliegen die Herzen des Publikums nur so zu. Ebenso gehören die Sympathien dem Duo „dasKollektiv“ mit Juan Carlos Diaz Bueno, Flöte, und Raphael Brunner, Akkordeon, die mit ihrem authentischen südamerikanischen Flair mitreißen.

Gänsehautfeeling

Auch die Auftritte von „Voices“ werden zum Fest für Ohr und Auge, wenn man diese hochmotivierten jungen Erwachsenen beim spannend inszenierten Entrée, gestylt in Kleid und Anzug, erlebt. Immerhin geht es da zunächst auch um Werke Anton Bruckners, wie sein „Locus iste“, an dem schon mancher Profichor gescheitert ist. Kein Problem für Egle und seine so sehr auf ihn eingeschworene Truppe, die er quasi im kleinen Finger hat. Die Kleidung wird im zweiten Teil legerer, das Programm ausgeflippter. Es sind diese modernen, mit Jazzharmonien angereicherten und rhythmisch wirkungsvoll aufgepeppten Kompositionen in speziellen Arrangements, die Oskar Egle liebt und mit sicherer Hand auswählt, weil er weiß, wie sehr sie seinem Chor liegen. Das alte schottische „Loch Lomond“ kommt da in neuem Gewand und mit einem Solisten daher, „Die Gedanken sind frei“ wird in der Sichtweise von „Maribop“ mit ostinatem Rhythmus zum Jazz-Waltz, bei „Viva la vida“ von „Coldplay“ werden die Zuhörer von den Sängern eingerahmt.

Übrigens sieht man auf der Bühne kein Notenblatt. Sowohl die Kleinen wie die Großen mit ihren komplexen Arrangements in höchster Qualität singen alles auswendig – eine Wahnsinnsleistung. In diesen über zehn Jahren, in denen sich „Voices“ an die Spitze vergleichbarer österreichischer Ensembles katapultiert haben, hat dieser Chor auch einen typisch eigenen Klang erreicht, speziell in den Frauenstimmen, aber auch im satten, durchhörbaren und in sich stimmigen Gesamtsound. Bei aller Schönheit des Chorklangs darf auch diesmal der „Chor in Bewegung“ nicht fehlen, in dem satirischen „Was gibt’s News“ von Manfred Länger, in der „Hymn of Axcion“ mit von Smartphones angestrahlten Gesichtern der Sänger oder dem übermütig getanzten südafrikanischen „Bawo, Thixo Somandla“. Die bewegende Zugabe, „Even when he is silent“ gilt dem Gedenken der tödlich verunglückten Chorsängerin Nathalie und stürzt die Zuhörer nach zweieinhalb Stunden in ein Wechselbad der Emotionen zwischen Gänsehautfeeling und Begeisterungstaumel.

Der von Birgit Giselbrecht-Plankel geschulte Vorarlberger Landeskinderchor ist die einzige Einrichtung dieser Art in Österreich.  Fotos: JU
Der von Birgit Giselbrecht-Plankel geschulte Vorarlberger Landeskinderchor ist die einzige Einrichtung dieser Art in Österreich. Fotos: JU