„Musik ist mir die Arbeit wert“

Kultur / 09.12.2016 • 18:59 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Hanna Bachmann hat ihre erste CD im Konzertsaal „Arlberg 1800“ aufgenommen. Foto: Bachmann
Hanna Bachmann hat ihre erste CD im Konzertsaal „Arlberg 1800“ aufgenommen. Foto: Bachmann

Freilich geht es um Musik, Hanna Bachmann setzt aber auch ein Statement.

Christa Dietrich

Röthis, Salzburg. Im Juni nächsten Jahres wird Hanna Bachmann ihr Studium am Salzburger Mozarteum abgeschlossen haben. Schon seit einiger Zeit absolviert die Vorarlberger Pianistin Konzertauftritte. Im neuen Saal „Arlberg 1800“ in St. Christoph wurde ihre erste CD aufgenommen. Die gewählten Werke von Janácek, Beethoven, Schumann und Ullmann künden von Abschied und Neubeginn, unterstreichen aber auch, dass die Musikerin sich nicht nur begeisternd die Fülle an klassischer, romantischer und neuerer Literatur erarbeitet, sondern dass sie eine wache Beobachterin politischer und gesellschaftspolitischer Faktoren ist.

Die vorliegende CD mit dem einfachen Titel „Hanna Bachmann Piano“ (Label: tyxart) wurde im neuen Konzertsaal „Arlberg 1800“ aufgenommen. Wie kam es zu dieser Entscheidung? Wie haben Sie die akustischen Bedingungen erlebt?

Bachmann: Die Akustik ist gut, ich bin schon vor einem Jahr sozusagen als Einspringerin aufgetreten. Es gibt dort einen guten, neuen Steinway, ich war auf der Suche nach einem Ort, und Gastgeber Florian Werner war sofort einverstanden und hat mich sehr unterstützt. Wir waren insgesamt zweieinhalb Tage dort.

Sonaten von Janácek, Beethoven, Schumann und Ullmann für ein Projekt zu verbinden, ist etwas Besonderes. Welche Überlegungen führten zu dieser Programmzusammenstellung?

Bachmann: Ich wollte meine Lieblingsstücke aufnehmen und musste natürlich massiv aussortieren. Die Stücke sollten thematisch zusammenhängen. Ahnung, Tod, Abschied und Wiedersehen passen gut zusammen, der Schumann-Block steht etwas außerhalb, er ist für mich aber wichtig.

Der Österreicher Viktor Ullmann wurde als Jude in Theresienstadt inhaftiert und 1944 in Auschwitz ermordet. Ich gehe davon aus, dass Sie sich mit dem Schicksal und der Musik auseinandergesetzt haben.

Bachmann: Ich habe das Buch „Ein Garten Eden inmitten der Hölle“ über die Pianistin Alice Herz-Sommer gelesen, die auch in Theresienstadt interniert war, wollte daraufhin Genaueres über Viktor Ullmann wissen und habe mich dann für die siebente Sonate entschieden. Es sind verschiedene Stile enthalten. Das Publikum soll wissen, in welchem Kontext das Werk entstanden ist.

Haben Sie besondere Vorlieben bzw. wie sieht Ihr Werdegang im Hinblick auf die Erarbeitung von Werken aus?

Bachmann: Ich habe mich sehr früh für ein Werk interessiert, das damals wahrscheinlich ein bisschen zu schwer für mich war, aber ich wollte mich unbedingt mit Beethovens Sonate Opus 23 auseinandersetzen und habe mich bei meinem ersten Klavierabend im Alter von knapp 16 Jahren durchgesetzt. Auch Schumann war damals eine Herausforderung, aber daran wächst man. Im Großen und Ganzen blieb der Schwerpunkt aber bei Beethoven, Chopin, Brahms, Schumann, Schubert und Mozart.

Was kommt als Nächstes? Was haben Sie sich vorgenommen? Ihr Lebensmittelpunkt ist derzeit in Salzburg, wissen Sie schon, wohin es Sie nach dem Studium zieht?

Bachmann: Ich erarbeite mir gerade Werke von Diabelli. Vorarlberg ist sehr schön, aber ich weiß nicht, ob mich meine Arbeit zurückführen wird. Im Moment lebe ich in Salzburg, das Kulturleben in Wien würde mich genauso interessieren.

Wie erleben Sie die Musikszene? Ist es hart, sich durchzusetzen? Haben Sie sich eine Strategie zurechtgelegt?

Bachmann: Es ist vor allem viel Arbeit neben dem ganzen Üben. Der Aufwand mit dem Bewerben und Vorspielen ist enorm. Aber es ist ja die Musik, für die man das Ganze bzw. die viele Arbeit auf sich nimmt, und die ist es mir wert.

Sie haben als Schulkind mit dem Klavierspielen bzw. mit dem -unterricht begonnen. Gab es einen bestimmten Auslöser?

Bachmann: Ich komme nicht aus einer Musikerfamilie, meine Mama wollte sich aber schon lange ein Klavier kaufen, und es war gerade die Zeit, in der ich alles machen wollte, was meine Mama machte. Am Anfang war es ein reines Hobby, mein Lehrer an der Musikschule Rankweil hat mich aber sehr unterstützt, dann kamen „Prima la Musica“ und weitere Wettbewerbe. Es war aber nie ein Druck dahinter. Als ich elf oder zwölf Jahre alt war, hat sich abgezeichnet, dass ich die Musik zum Beruf mache und bei der Matura stand die Entscheidung dann absolut fest.

Sie stehen vor der Abschlussprüfung, es gibt nun diese CD, haben Sie noch Möglichkeiten für Auftritte?

Bachmann: Bis Juni nächsten Jahres werde ich mich auf das Studium konzentrieren, deshalb finden in der Zeit nicht so viele Konzerte statt. Im Jänner spiele ich aber in Vorarlberg, dann begleite ich in der Klimt-Villa in Wien einen Liederabend mit Isabell Pfefferkorn, später gibt es Konzerte in Liechtenstein und Bonn.

Zur Person

Hanna Bachmann

Geboren: 1993

Ausbildung: u. a. Musikschule Rankweil, Landeskonservatorium Feldkirch, Mozarteum Salzburg (Bachelor mit Auszeichnung)

Auftritte: u. a. in Vorarlberg, in Wien, beim Beethovenfest in Bonn

Produktionen: „Hanna Bachmann Piano“, Label tyxart

Konzert mit Hanna Bachmann: 21. Jänner, Schlössle in Röthis