Aus dem Vollen schöpfen

Kultur / 14.12.2016 • 17:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Schau zeigt Werke von Scully, Lehmbruck oder Kirchner.

Schau zeigt Werke von Scully, Lehmbruck oder Kirchner.

Zweite Ausstellung der Hilti Art Foundation zeigt 36 Werke aus einer hochrangigen Privatsammlung.

VAduz. (ag) Das 2015 eröffnete, dem Kunstmuseum Liechtenstein angedockte Ausstellungsgebäude der Hilti Art Foundation hat in den vergangenen eineinhalb Jahren spürbar mehr internationales Kunstpublikum nach Vaduz gelockt. Nach der erfolgreichen Ausstellungspremiere, die einen Blick auf die kunsthistorische Breite der Sammlung geworfen hat und „einen großen Schatz öffentlich zugänglich gemacht hat“ (Friedemann Malsch, Kunstmuseum), geht die aktuelle Schau „Kirchner, Léger, Scully & mehr“ anhand einzelner Künstlerpersönlichkeiten in die Tiefe.

In diesem Schwerpunkt zeigen sich einerseits die Qualität der permanent wachsenden  Sammlung sowie die kontinuierliche Sammeltätigkeit. Andererseits spiegeln sich im Profil der Privatsammlung, die mit dem guten Auftakt „in der Öffentlichkeit angekommen ist“, so Michael Hilti – durchaus legitim – das individuelle Interesse und die Vorlieben des Sammlers. Für die auf drei Ebenen präsentierte Ausstellung konnte Uwe Wieczorek, Kurator der Kollektion als auch der Schau, aus dem Vollen schöpfen. Waren es bei der Eröffnung noch 50 aus über 200 Werken von musealem Rang, so hat sich die aktuelle Auswahl auf 36 Exponate, vorrangig Gemälde, aber auch einige Skulpturen und insgesamt nicht minder hochkarätig, verdichtet. 16 von ihnen könnten dem Besucher von der Premiere her bekannt vorkommen. Diese zentralen Werke sollen als „Icons“, derentwegen das Publikum die Reise nach Vaduz unternimmt, über längere Zeit zugänglich gemacht werden, können nun aber in neuem Kontext erlebt werden. Ein einziges Werk, ein „Kopf-Stabile“ von Hans Arp, steht gar noch unverrückbar auf dem gleichen Platz. Geblieben von der Eröffnungsausstellung sind ebenso die drei Themenfelder und eine gewisse Chronologie im Konzept. „Mensch und Mysterium“ heißt es im Untergeschoß, das von einer unverkennbar französischen Note sowie dem Weiblichen, das insgesamt einen großen Anteil in der Sammlung hat, geprägt ist. Mit einem wunderschönen Kinderkopf des zu wenig wahrgenommenen Bildhauers Medardo Rosso geht die Auswahl die Lebensalter des Menschen, respektive der Frau, durch.

Über die Himmelsleiter

Einerseits mit „akademischen“ Positionen, für die die Natur das Maß liefert, wie Wilhelm Lehmbruck oder Ferdinand Hodler, auf der anderen Seite „Kunstfiguren“, einem Stil unterstellt, von Fernand Léger und Picasso. Zwei Frauenporträts der beiden Letztgenannten bilden ein sehr schönes Paar, umso mehr, wenn man weiß, dass Léger Bezug auf Picasso genommen hat, welcher seinerseits Léger gar nicht schätzte. Outstanding mit seiner Sicht auf die Dinge und die Erscheinung und der konträre Abschluss dieses Raumes, der das Leben in voller Blüte darstellt, die reduziert-distanzierten Figuren von Alberto Giacometti. Mehr Epoche denn Thema, ist der zweite Raum im ersten Geschoß von Malerei aus der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts, insbesondere von deutschen Künstlern, geprägt. Die Highlights im Kapitel „Experiment und Existenz“ bilden eine mit Max Beckmann und wichtigen Werken prominent besetzte Wand, die die verschiedenen Stationen des Künstlers eindringlich aufzeigt, ebenso wie sich die Entwicklung auch bei Ernst Ludwig Kirchner anhand von drei Gemälden nachvollziehen lässt. Weitere Exponate von Paul Klee, Jean Dubuffet oder Kandinsky verdeutlichen den Schritt in die Abstraktion, die im obersten Stockwerk als rein gegenstandslose Malerei vollzogen ist. Die steile Treppe, tatsächlich fast wie eine „Himmelsleiter“, führt in die anderen Sphären des dritten Themas „Immanenz und Transzendenz“, wo es jenseits der Stofflichkeit um das Geistige, Immaterielle geht. Mit zeitgenössischen Werken von Imi Knoebel, Gotthard Graubner, Sean Scully, Keith Sonnier und François Morellet ergeben sich zudem Berührungspunkte zum „großen Bruder“ nebenan, dem Kunstmuseum, dessen staatliche Sammlung durch die private Hilti Art Foundation in idealer Weise sowohl architektonisch als auch inhaltlich ergänzt wird.

Nach ihrer Ausstellungspremiere lässt die Hilti Art Foundation nun die Fortsetzung folgen. Fotos: Hilti Art Foundation
Nach ihrer Ausstellungspremiere lässt die Hilti Art Foundation nun die Fortsetzung folgen. Fotos: Hilti Art Foundation

Eröffnung in der Hilti Art Foundation, Kunstmuseum Liechtenstein, in Vaduz, heute, Donnerstag um 18 Uhr.