„Das ist ein echter Macher“

Kultur / 21.12.2016 • 18:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kulturminister Thomas Drozda präsentierte den neuen Staatsoperndirektor ab 2020: Bogdan Roscic. Foto: APA
Kulturminister Thomas Drozda präsentierte den neuen Staatsoperndirektor ab 2020: Bogdan Roscic. Foto: APA

Auch Maestro Welser-Möst sieht die Entscheidung positiv: Sony-Manager Roscic wird Staatsopernchef.

Wien. Mit einer Überraschung hat Kulturminister Thomas Drozda am Mittwochvormittag nicht aufgewartet, denn auch der Name seines Kandidaten sickerte durch, aber immerhin, der neue Chef der Wiener Staatsoper kommt nicht aus der Intendantenriege. Plattenboss Bogdan Roscic wird ab 1. September 2020 das 1869 eröffnete Haus leiten. Der 52-jährige Präsident der Sony-Klassiksparte in New York soll die „Staatsoper 4.0“ gestalten. Die Lage der Staatsoper derzeit sei gut, was nicht zuletzt ein Verdienst des amtierenden Direktors Dominique Meyer sei, unterstrich Drozda. Aber es gehe jetzt um die Zukunft: „Ich möchte diese Weichenstellung vornehmen, weil meine Erwartungen an die Staatsoper in zehn Jahren andere sind als der Status quo von 2016.“

Dass da durchaus Arbeit auf ihn warte, wollte Roscic selbst nicht verhehlen. Zwar sei das Totsagen des Genres seit Jahrzehnten nicht eingetreten, aber es habe einen Bedeutungsverlust gegeben: „Oper steht in Konkurrenz, wie es sie noch nie gab – um die Zeit und das Geld ihres Publikums.“ Diesem Umstand könne man nur mit Erlebnissen in einer anderen Tiefe begegnen, als sie die Theaterroutine manchmal zu bieten habe. Seine Definition von Opernbetrieb fällt dabei prosaisch aus: „Einer Maschine Kunst abpressen, und das Werkzeug dafür sind Ideen.“

Musikchef wird gesucht

Dabei stünde die Breite des Repertoirebetriebs an der Staatsoper außer Frage, was auch für den Bedarf nach einem Generalmusikdirektor gelte. Hier müsse ein Spitzenmusiker gefunden werden, der Teil des Thinktanks sei und sich voll und ganz dieser Aufgabe widme. „Vorwärts zu Mahler“ stehe dabei als Titel über seinem Konzept: „Mahler war alles zutiefst verhasst, was routiniert, selbstzufrieden war.“ Der Tragweite seines persönlichen Karriereschwenks an die Staatsoper ist sich der Neo-Musiktheaterdirektor durchaus bewusst: „Es ist die wichtigste Entscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe.“

Nicht zuletzt war auch schon bisher das Berufsleben des 1964 in Belgrad geborenen und ab 1974 in Österreich lebenden Roscic von Wandlungen gekennzeichnet. So begann er als Journalist bei Wiener Tageszeitungen, bevor er zum ORF wechselte, wo er 1996 zum Senderchef von Ö3 aufstieg. 2002 wechselte er in die Musikindustrie, wo er über Positionen bei Universal Music Austria, bei der Deutschen Grammophon und bei Decca schließlich 2009 zur Klassiksparte von Sony Music nach New York weiterzog.

Ein absoluter Klassikfachmann, nämlich Maestro Franz Welser-Möst, zeigte sich vom designierten Opernchef beeindruckt: „Das ist ein echter Macher.“

Widerspruch kam von FPÖ-Kultursprecher Walter Rosenkranz, der von einem „Skandal“ sprach. Der Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl konstatierte hingegen die „außergewöhnliche Wahl eines kreativen Kopfs“. SPÖ-Kultursprecherin Elisabeth Hakel bezeichnete die Entscheidung als „zukunftsweisend“.

Oper steht in Konkurrenz, wie es sie noch nie gab – um die Zeit und das Geld ihres Publikums.

Bogdan Roscic