Auftritt gegen Respektlose

Kultur / 09.01.2017 • 20:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„La La Land“ mit Emma Stone und Ryan Gosling erhielt sieben Golden Globes und kommt in dieser Woche in die österreichischen Kinos. FotoS: AFP, Filmverleih
„La La Land“ mit Emma Stone und Ryan Gosling erhielt sieben Golden Globes und kommt in dieser Woche in die österreichischen Kinos. FotoS: AFP, Filmverleih

Große Gewinner bei den Globes sind ein nostalgisches Musical und Meryl Streep mit einem politischen Statement.

Los Angeles. Mit sieben Hauptpreisen hat das Musical „La La Land“ einen Rekord bei den Golden Globes aufgestellt. Das nostalgische Werk des jungen Regisseurs Damien Chazelle gewann in der Nacht zu Montag die Auszeichnungen in allen wichtigen Kategorien – nie zuvor gingen so viele Globes an einen Film. „La La Land“ wurde als beste Komödie geehrt, außerdem gab es die Trophäen für Regie, Drehbuch, Filmmusik, Filmsong und die beiden Hauptdarsteller: Emma Stone und Ryan Gosling. „La La Land“ erzählt von zwei Träumern im heutigen Los Angeles, einem Jazzpianisten und einer jungen Schauspielerin. Bislang hatte es bei den Golden Globes höchstens sechs Auszeichnungen für einen Film gegeben: Das hatten in den 1970er-Jahren jeweils „Einer flog über das Kuckucksnest“ und „Midnight Express“ geschafft. Die Auszeichnung als bestes Filmdrama gewann „Moonlight“. Der Film von Regisseur Barry Jenkins erzählt von einem schwulen Afroamerikaner.

Die französische Schauspielerin Isabelle Huppert wurde für ihre Rolle im Vergewaltigungsdrama „Elle“ als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Die Ehrung für den besten Drama-Darsteller ging an Casey Affleck in „Manchester by the Sea“. Die Hoffnungen für die deutsche Tragikomödie „Toni Erdmann“ von Maren Ade wurden enttäuscht. Das Werk war in der Sparte „bester nicht-englischsprachiger Film“ nominiert gewesen – den Preis holte „Elle“ von Regisseur Paul Verhoeven nach Frankreich.

Klare Worte über Trump

Ein weiterer Höhepunkt der Show war der Auftritt von Meryl Streep. Sie wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet und nutzte die Bühne für klare Worte über den künftigen US-Präsidenten Donald Trump, für die sie viel Anerkennung erntete. „Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle“, sagte Streep. Der eindrücklichste Auftritt des Jahres sei für sie nicht in einem Film gewesen, sondern als Trump in einer Wahlkampfrede die Bewegungen eines körperlich Behinderten nachgeäfft habe. „Es hat mein Herz gebrochen, als ich es gesehen habe, und ich kann es noch immer nicht aus meinem Kopf bekommen. Dieser Instinkt, andere zu demütigen – wenn es von jemandem in der Öffentlichkeit vorgemacht wird, von jemand Mächtigem – zieht sich in den Alltag von uns allen.“ Schließlich gebe das anderen Menschen vermeintlich die Erlaubnis, dasselbe zu tun: „Respektlosigkeit lädt zu Respektlosigkeit ein, Gewalt animiert zu Gewalt.“ Die Galagäste im Saal hörten gebannt zu. Viele reagierten sichtlich gerührt, einige hatten Tränen in den Augen. Auch beim Kurznachrichtendienst Twitter lobten viele Streeps Rede. Donald Trump reagierte umgehend und bestätigte dabei im Grunde jenes Verhalten, das die mehrfache Oscar-Preisträgerin in ihrer Rede attackierte. Streep sei eine „der überbewertetsten Schauspielerinnen in Hollywood“, schrieb er.

Die Golden Globe Awards sind die wichtigsten Filmpreise nach den Oscars.

Wichtigste Golden Globes

» Bestes Filmdrama: „Moonlight“

» Beste Komödie oder Bestes Musical: „La La Land“

» Bester Darsteller, Drama: Casey Affleck, „Manchester By the Sea“

» Beste Darstellerin, Drama: Isabelle Huppert, „Elle“

» Beste Regie: Damien Chazelle,
„La La Land“

» Bester Darsteller, Komödie oder Musical: Ryan Gosling, „La La Land“

» Beste Darstellerin, Komödie oder Musical: Emma Stone, „La La Land“

» Beste Nebendarstellerin: Viola Davis, „Fences“

» Bester Nebendarsteller: Aaron Taylor-Johnson, „Nocturnal Animals“

» Bester Animationsfilm: „Zootopia“

» Bestes Drehbuch: Damien Chazelle, „La La Land“

» Bester Soundtrack: Justin Hurwitz, „La La Land“

» Bester Song: „City of Stars“ aus „La La Land“

» Bester fremdsprachiger Film: „Elle“ aus Frankreich

» Cecil B. DeMille Award fürs Lebenswerk: Meryl Streep