Architektonischer Geniestreich

Kultur / 19.01.2017 • 19:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Jüngst wurde in Hamburg die Elbphilharmonie eröffnet. Mit einem Jahrhundertbau und weithin sichtbarer Landmark, die an einen von einer Riesenwelle getragenen Ozeandampfer erinnert, erhält Hamburg ein neues Wahrzeichen. Eine fantastische architektonische Vision im Hafen wurde Wirklichkeit. Die Schweizer Architekten Herzog und De Meuron, die sich bereits mit Meisterwerken wie der Londoner Tate oder dem Schaulager in Basel einen großen Namen machten, schufen ein außergewöhnliches Gebäude, dessen Originalität und spektakuläre Lage an der Elbe beeindrucken.

Das neue Haus ist ein technisches Wunderwerk aus Glas und Licht, das mit seiner perfekten Akustik auch musikalisch an der Weltspitze mitspielen wird. Der himmelstürmenden Idee gingen fünfzehn lange Planungs- und Baujahre, Verzögerungen und eine daraus resultierende, heftig kritisierte Verzehnfachung der Kosten voraus. Doch gut Ding hat Weile und kostet Geld. Und die Hansestadt Hamburg hat sich mit diesem Bau der Superlative, den die Menschen bereits liebevoll mit „Elphi“ ansprechen, endgültig von der biederen Kaufmannsstadt in eine Kulturmetropole mit Weltgeltung verwandelt.

An der Spitze des Hauses wirkt der tüchtige Generalintendant und österreichische Musikmanager Christoph Lieben-Seutter. Der in Musik und Wirtschaft gleichzeitig beschlagene Wiener wurde 1998 Direktionsassistent unter Alexander Peireira am Konzerthaus, folgte ihm 1993 an die Zürcher Oper und stand von 1996 bis 2007 selbst an der Spitze des Wiener Konzerthauses. Sein Hamburger Vertrag wurde nun bis 2021 verlängert.

Lieben-Seutter navigiert 120 Mitarbeiter und lotste das Haus mit Bravour durch die lange und stürmische Bauphase. Währenddessen bespielte er engagiert die altehrwürdige Laeiszhalle.

Beeindruckend ist nicht nur die Architektur der Elbphilharmonie, sondern auch der musikalische Auftakt. Geboten wird einen Monat lang eine tolle Mischung aus Oper, Pop, Jazz und Worldmusic von Schönbergs „Moses und Aaron“ über die Einstürzenden Neubauten bis zur Chicago Symphony unter Ricardo Muti. Mit dabei auch der österreichische Avantgardist Georg Friedrich Haas. Der nächste musikalische Höhepunkt lässt nicht lange auf sich warten. Das hochkarätige Festival „Lux Aeterna“ steigt Anfang Februar.

Mit der neuen Elbphilharmonie ist ein architektonischer und städtetouristischer Geniestreich gelungen. Doch was Hamburg nun hat, einen neuen Superkulturbau, fehlt Österreichs Kulturmetropole Wien. Mit hässlichen Aufbauten für das Wien Museum stellt sich hingegen Wiens Kulturpolitik ein architektonisches und museumspolitisches Armutszeignis aus.

Wiens Kulturpolitik stellt sich hingegen ein architektonisches und museumspolitisches Armutszeignis aus.

gerald.matt@vn.at
Dr. Gerald Matt ist Kulturmanager und unterrichtet
an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.