„Alte Weiber“ wissen, wie es läuft

Kultur / 27.01.2017 • 20:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Begeisternd geradlinig: Erni Mangold und Meo Wulf in „Harold und Maude“ an den Kammerspielen. Foto: APA
Begeisternd geradlinig: Erni Mangold und Meo Wulf in „Harold und Maude“ an den Kammerspielen. Foto: APA

Eine kleine, schwarze Komödie mit Tabuthemen entspricht einer großen Schauspielerin.

Christa Dietrich

Wien. Der 1971 erschienene Film von Hal Ashby nach einem Drehbuch von Colin Higgins hat in die Zeit gepasst wie kaum ein anderer, kein Wunder, dass „Harold und Maude“ bald darauf als Buch erschien und auf die Bühnen kam. Eine nahezu Achtzigjährige lebt nicht nur unkonventionell, sie bestimmt auch den Zeitpunkt ihres Todes selbst und trifft zuvor noch einen jungen Mann, der mit recht martialischen Mitteln gegen die strikt in gesellschaftlichen Normen verhaftete Mutter aufbegehrt, sich in Maude verliebt und emanzipiert.

Das mit weniger Tiefgang versehene Stück lebt von Gegensätzen: Hier die Komödien-Oberflächlichkeit, die Harold mit seinen inszenierten Selbstmorden mit Situationskomik auflädt, dort das von Maude zart angeleitete Erwachsenwerden des jungen Mannes, das rührt.

Frei von Pathos

Auf der kleinen Bühne der Kammerspiele tat Regisseur Fabian Alder gut daran, auf die Wirkung von Einzelbildern zu setzen. Das Josefstadt-Ensemble lässt es zu. Meo Wulf (Harold) ist in der Lage, unterschiedliche Spielarten bruchlos aneinanderzureihen. Auf der einen Seite steht Martina Stilp als wie ein Automat funktionierende Mutter, deren Programmierung am Ende entsprechend durcheinanderkommt, auf der anderen Seite wiegt Erni Mangold als Maude das Publikum in absoluter Sicherheit, dass weder Pathos noch Vergleiche mit dem Film aufkommen können.

Mit einer Ausnahme: Mangold, geboren als Erna Goldmann am 26. Jänner 1927 in Großweikersdorf, ist noch fitter als die Drehbuchheldin, feierte sie doch am Premierenabend ihren 90. Geburtstag und gab ihren Abschied von der Bühne bekannt, weil sie nun „die Nase voll“ habe. Direktor Herbert Föttinger gratulierte mit dem Verweis auf ihre Karriere, die an der Josefstadt begann und über das Düsseldorfer Schauspielhaus, zahlreiche Filme und die Hochschule, an der sie unterrichtete, nun an der Josefstadt enden sollte. Für „alte Weiber“ gäbe es nicht viele gute Rollen und „Nathan der Weise“ biete ihr der Direktor ja nicht an, entgegnete die Jubilarin, die das Publikum auch von vielen Fernsehrollen bzw. -krimis kennt und noch eine Zeitlang in den Kammerspielen erleben kann. Falls nicht doch der „Nathan“ kommt.

Von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny wurde ihr der „Goldene Rathausmann“ überreicht, was Erni Mangold zu ironischer Spontanität animierte, die einen „goldenen Mann“ zu ihrem Neunziger als adäquates Geschenk empfand.

Nächste Aufführungen am
30. und 31. Jänner in den Wiener Kammerspielen und zahlreiche weitere: www.josefstadt.org.