Besser kann man sich gar nicht in Erinnerung rufen

30.01.2017 • 21:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Patchwork“ von Tristan Schulze hat als neues Kinderopern-Projekt der Wiener Staatsoper absolut überzeugt. Foto: Staatsoper/Plöhn
„Patchwork“ von Tristan Schulze hat als neues Kinderopern-Projekt der Wiener Staatsoper absolut überzeugt. Foto: Staatsoper/Plöhn

Ein Kind, das „Patchwork“ von Tristan Schulze miterleben kann, hat es gut.

Christa Dietrich

Wien, Bregenz. Er hat mit „Sonus Brass“ gearbeitet, mit den „Schurken“ und dem Symphonieorchester Vorarlberg. Musikern und dem Publikum im Land dürfte der deutsche Cellist und Komponist Tristan Schulze noch bekannt sein. Mit der Kinder­oper „Patchwork“, die auch medial mit Sicherheit weite Kreise ziehen wird, hat er sich nun jedenfalls furios in Erinnerung gerufen. Die Wiener Staatsoper hat das Werk am Sonntagnachmittag präsentiert. Alles bestens, vertan hat man sich an sich nur bei der Wahl des Ortes. Die unweit vom Stammhaus am Ring befindliche Studiobühne in der Walfischgasse bietet wahrlich kein ideales Ambiente. Die große Bühne, wo vor gut einem Jahr die Kinderoper „Fatima“ der Bregenzerin Johanna Doderer uraufgeführt wurde, ist für „Patchwork“ zwar nicht geeignet, aber ein Raum, in dem die in zwei Gruppen aufgeteilten Orchestermusiker und die Zuschauer nicht derart dicht gedrängt beeinander sitzen, bzw. der dem Werk gerecht wird, müsste es doch geben.

Schulzes Komposition will man genießen, äußerst fähig in der Ausschöpfung kleinster Details verknüpft er Liedhaftes, neue Musik, expressive Klangbögen, Jazz und ein wenig Brass – dem Titel entsprechend – zu einem dichten Muster. Dabei auch noch berücksichtigt zu haben, dass die Kinderrollen von Auszubildenden der Wiener Opernschule übernommen werden können, zeichnet das Werk zudem aus.

Wenn die großartige Mezzosopranistin Stephanie Houtzeel als Mutter Vera sowie der Bariton Clemens Unterreiner als Nachbar Niko loslegen, stellt sich zwar ein Kontrast zu den nicht durchwegs wortdeutlich singenden Kindern ein, der Eindruck legt sich aber und ist wahrscheinlich auch der ungünstigen Raumakustik geschuldet, denn die Leistungen der jungen Akteure im Zusammenspiel mit den Musikern verlangen zunehmend Respekt und führen schließlich zu Begeisterung.

Bereichernd

Librettistin Johanna von der Deken blendet mit „Patchwork“ in den Familienalltag, der nicht selten davon geprägt ist, dass sich Kinder wie Eltern damit arrangieren müssen, dass Bindungen nicht ein Leben lang halten. Die Botschaft ist so einfach wie schön: Mit entsprechender Rücksichtnahme, mit Offenheit, Neugier und Warmherzigkeit finden zwei unfreiwillig Alleinerziehende zueinander, gründen also eine große neue Gemeinschaft, in der dann auch der abtrünnig gewordene Papa mit seiner neuen Familie willkommen ist.

In der Inszenierung von Silvia Armbruster werden die Szenen wie etwa ein turbulenter Morgen mit Kindern, die pünktlich zur Schule kommen sollten, sehr natürlich ausgespielt. Die Musik trägt alle und betont auch eine weitere Facette: Oper ist eine Kunstform, die den Alltag spiegeln kann und die ihn bereichert.

Nächste Aufführung am 1. Februar und zahlreiche weitere:
www.staatsoper.at