Er kennt acht Jahreszeiten

Kultur / 05.02.2017 • 21:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Akkordeonmeister Goran Kovacevic begeisterte mit seinem „Quinteto del Arco Nuevo“ in Götzis. Foto: JU
Akkordeonmeister Goran Kovacevic begeisterte mit seinem „Quinteto del Arco Nuevo“ in Götzis. Foto: JU

Akkordeonmeister Goran Kovacevic begeistert mit neuem Programm.

Götzis. Vivaldis berühmte „Vier Jahreszeiten“ hat man schon in allen denkbaren Versionen gehört, sogar als Klingelton fürs Smartphone. Aber wohl noch nie so, wie es sich der aus der Schweiz stammende und viele Jahre in Vorarlberg tätige Akkordeonmeister Goran Kovacevic (46) für sein neues Programm „Acht Jahreszeiten“ ausgedacht hat: kammermusikalisch zum Skelett abgeschlankt und konfrontiert mit Piazzollas 250 Jahre später entstandenen „Jahreszeiten“. Kovecevic und sein „Quinteto del Arco Nuevo“ wurden für diese ungewöhnliche Programmidee und deren mitreißende Umsetzung am Samstag in der ausverkauften Kulturbühne Ambach mit heller Begeisterung und Standing Ovations belohnt.

Ein Kraftpaket

Die 1725 veröffentlichten „Vier Jahreszeiten“ des italienischen Barockmeisters Antonio Vivaldi gelten bis heute als sichere Bank im Konzertsaal. Jeder prominente Geiger hat sich an diesen zwölf Concerti schon versucht – nun wird die Violine nach Gorans Willen eins zu eins auf das Akkordeon übertragen, das freilich erst einhundert  Jahre später erfunden wurde. Kein Problem, denn das Instrument fügt sich mit dem einstimmigen Part der Violine klanglich wunderbar ins Streichquintett ein. Auch spieltechnisch und gestalterisch ist die anspruchsvolle Vorlage kein Problem für die bekannte Virtuosität von Kovacevic, der dank einer gekonnten Balgtechnik sein Instrument auch wunderbar mitatmen lässt. Ein Kraftpaket, das dabei sogar noch Zeit findet, mit seinen drei Violinistinnen zu flirten.

So entsteht, mit Vivaldis auf jeweils eine Streicherstimme reduziertem vierstimmigen Satz plus Basso continuo, Vivaldis Originalarrangement in einem verblüffend neuen und doch vertrauten Klanggewand. Mit Monica Tarcsay und Clarigna Küng, Violinen, Gyöngyi Ellensohn, Viola, Stefan Susana, Violoncello, und Bernd Konzett, Kontrabass, tun fünf routinierte Musiker, meist aus den Reihen des SOV, ein Übriges, um aus diesem viel gespielten Werk eine aufregende Sache zu machen. Sie sind so toll aufeinander eingespielt, dass sie mit irren Tempi oft auf „Teufel komm raus“ agieren, vor allem in den Ecksätzen plakativ, auf große, lautmalerische Klangbilder  bedacht etwa im pastoralen Vogelgezwitscher, beim Sommergewitter oder bei der herbstlichen Jagd.

Die Wirkung bleibt nicht aus: Das Götzner Publikum ist so angetan, dass es seiner Begeisterung erstmals mitten im „Sommer“ Luft macht. Dafür kommen Mittelsätze wie die fahlen Traum-Akkorde im Herbst, die Erstarrung in eisiger Kälte und das „Schneeflocken-Largo“ im Winter umso poetischer rüber.

Etwa 250 Jahre und damit eine Ewigkeit an Entwicklungen liegen zwischen Vivaldi und Astor Piazzollas 1970 vollendeten „Jahreszeiten“, original „Las Cuatro Estaciones Portenas“, der sich den italienischen Barockmeister zum Vorbild genommen hat. Das Werk des 1992 verstorbenen Komponisten ist kürzer, kompakt in vier Sätze verpackt und unverkennbar mit den Merkmalen des Tango Nuevo ausgestattet.

Leidenschaft

Den hat Piazzolla als Weiterentwicklung des Tango Argentino zu seinem Markenzeichen gemacht, rhythmusbestimmt und mit einer aufregend frechen Harmonik. Erotik und Leidenschaft haben bei Piazzolla naturgemäß einen höheren Stellenwert, doch finden sich zwischen beiden auch emotionale Parallelen wie die Trägheit des Sommers oder die Melancholie des Herbstes. Goran und die Seinen sind auch hier mit jeder Faser und überschäumender Energie im Einsatz und begeistern von Neuem.

Nächste Veranstaltung in der Kulturbühne Götzis: 10. Februar,
20 Uhr, „Die 3 Friseure“, Kabarett.