Honigsüß oder „Der geht jetzt auch ran an den Speck“

Kultur / 06.02.2017 • 20:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Verheißungsvoll: Meisterklasse der Bregenzer Festspiele mit Brigitte Fassbaender. Foto: BF/Forster
Verheißungsvoll: Meisterklasse der Bregenzer Festspiele mit Brigitte Fassbaender. Foto: BF/Forster

Vergnügliche und lehrreiche Meisterklasse mit Kammersängerin Brigitte Fassbaender.

Bregenz. Das Publikum weiß es zu schätzen, dass die Bregenzer Festspiele auch außerhalb der Saison Interessantes anbieten: Das Seestudio war gut gefüllt, als jüngst sechs junge Sängerinnen und Sänger, die im Rahmen des Opernstudios an der Aufführung von „Figaros Hochzeit“ mitwirken, mit der fabelhaften Brigitte Fassbaender ihre Partien probten. Es war dies der öffentliche Abschluss eines dreitägigen Workshops. Der zuverlässige Partner am Flügel war Hartmut Keil, der die Oper dirigieren wird.

Der Beginn, das flinke Duett Susanna-Cherubino „Aprite, presto, aprite“, verlief problemlos: Die beiden Sängerinnen blieben im Tempo. Die intensive Arbeit begann mit der anfangs etwas nervösen slowenischen Sopranistin Mojca Bitenc, die über eine klangschöne, vornehme, leicht abgedunkelte Stimme verfügt, und der Auftrittsarie der Gräfin „Porgi, amor“. Brigitte Fassbaender, die in Sneakers, Jeans und einem Nadelstreifgehrock auftrat und mit ihren kurzen Haaren ein bisschen wie ein Clown aussah, gab einerseits Ratschläge zur Stimmtechnik („Du musst wissen, wie du klingen willst, wenn du anfängst“) als auch zur Interpretation („nicht zu sehr weinen“). Sie unterstützte die Sängerin, indem sie den Atemrhythmus vorgab und den Text lautlos mitsprach.

Dann kam der 24-jährige Figaro Adam Kutny aus Polen an die Reihe, ein kraftvoller Bassbariton mit beeindruckender Stimmfülle, mit dem Schlager „Non piu`andrai“. Hier gelang es Fassbaender, ihm auch die sarkastischen Untertöne seiner Arie an Cherubino zu vermitteln, der sein gepflegtes Äußeres beim Militär verlieren wird: „Figaro ist Friseur, der kennt sich aus bei den Haaren.“ Und der Rat „It’s not so serious“ gab dem Sänger die nötige Lockerheit. Überhaupt wurde die Stimmung immer gelöster und heiterer, trotz aller ernsthaften Arbeit.

Am Zügel halten

Im Finale kam die Susanna der israelischen Sopranistin Anat Edri nicht nur mit der Behendigkeit ihrer Stimme, sondern auch mit ihren Qualitäten beim Legato-Gesang zum Einsatz, in der berühmten Rosen-Arie „Deh vieni“. Hier wurde an der Aussprache gearbeitet („Genieß die Worte mehr – mormora, rusciell’ – das spricht sich wie Honig, das muss man schmecken.“). Graf Almaviva, der Hamburger Bariton Vincenzo Neri, punktete mit seinem metallischen Organ und durfte auch stimmlich seine Don-Juan-Qualitäten entfalten: „Der geht jetzt auch ran an den Speck.“ In den Ensemble-Partien wurde jede einzelne Stimme herausgearbeitet. Die Barbarina der Wienerin Jennifer Lary musste sich in der einzigen Moll-Arie der Oper nicht „sentimental“, sondern „nervös“ artikulieren. Das Duett Gräfin-Susanna „Che soave zefiretto“ gelang bereits so gut, dass ein Zuhörer am Schluss spontan ausrief: „Herrlich!“ Und der klangvolle Cherubino der polnischen Mezzosopranistin Natalia Skrycka gelangte mithilfe der Vorstellung, den Ton wie einen Faden einzufädeln, zu einer überzeugenden Wiedergabe der Arie „Voi, che sapete“.

Hier erfuhr man auch Grundsätzliches über den Mozart-Gesang: „Du musst jeden Ton am Zügel halten. Das ist das Schwere bei Mozart, ich geb’s ja zu.“ Es ist schon etwas Besonderes, mitzuerleben, zu welch technischer und interpretatorischer Verbesserung junge Musiker, alle mit schönen Stimmen, alle auch gut aussehend, innerhalb so kurzer Zeit gelangen können. Großer Dank an Brigitte Fassbaender, große Vorfreude auf die Premiere.

Die Premiere von „Le nozze die Figaro“ findet am 16. August im Theater am Kornmarkt statt.