Von couragierten Bäuerinnen

Kultur / 09.02.2017 • 19:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Theaterstück „Die Shit Bauern“ wird vom Autor selbst auch für eine Hörspielproduktion umgearbeitet. Foto: Wanko
Das Theaterstück „Die Shit Bauern“ wird vom Autor selbst auch für eine Hörspielproduktion umgearbeitet. Foto: Wanko

Autor Martin Wanko hat nicht nur eine Uraufführung gestemmt, sondern auch einen Schiller adaptiert.

Graz, Bregenz. (VN-cd) „Ich habe mich herumgehört, oft sind es wirklich die Frauen, die einen Hof zusammenhalten“, erzählt der in Bregenz und Graz lebende Autor Martin Wanko.  Im kultigen Theater-Zentrum Oberzeiring bei Judenburg ist gerade sein neuestes Stück „Die Shit Bauern“ uraufgeführt worden.  Und nicht nur das, Wanko, der den Stoff ursprünglich für einen Film konzipiert hatte, wird den Theatertext so weit umschreiben, dass ein Hörspiel produziert werden kann. Die ersten Aufnahmetermine unter der Regie des Autors sind im März angesetzt, laut Wanko will der ORF das Werk im Herbst ausstrahlen.

Worum geht es nun in „Die Shit Bauern“? Einige Jungbauern erben einen schwer verschuldeten Hof und schaffen mit etwas Glück die Wende, bis ein Unwetter mehr oder weniger die gesamte Ernte zerstört, worauf sich die Tochter der Familie einbringt und den schon im Stillen erprobten Ausbau des Anbaus von Cannabis erwägt. Während die Bäuerin darauf einsteigt, gerät der Bauer, wie es Wanko umschreibt, „auf Abwege und versucht sich als rechtspopulistischer Politiker“.

Eine Art Königsdrama

Schlussendlich zieht die Frau den Karren alleine aus dem Dreck, das heißt, sie muss schauen, wie sie über die Runden kommt und schließt dabei illegale Möglichkeiten nicht aus. Wanko: „Brecht und Shakespeare lassen also grüßen.“ Das Premierenpublikum habe das Stück sehr gut aufgenommen und Wanko zeigte sich mit der Umsetzung durch Regisseur Peter Faßhuber sehr zufrieden. „Es ist eine Art Königsdrama“, meint er. Das eigentliche Thema lasse sich in diesen kleinen Strukturen sehr gut darstellen. Der Konflikt in der bäuerlichen Familie könne durchaus auch auf eine Industriellen-Dynastie übertragen werden. 

In seinen Stücken -–etwa über einen Fußballtrainer, einen Politiker oder Arnold Schwarzenegger – hat sich Martin Wanko immer wieder mit dem Aufstieg und Fall von Personen beschäftigt. Für das Grazer Theater im Keller hat er eine mehrteilige Sitcom verfasst, die „Familie Penner“ wurde zum Renner, der über mehrere Jahre lief. Schon am 23. März findet an diesem Ort die nächste Wanko-Premiere statt, für die er „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“, ein frühes Drama von Friedrich Schiller, bearbeitet hat. „Die erste Herausforderung bestand darin, dass ich die vielen Rollen auf vier bis fünf zu reduzieren hatte. Anfangs war es schwierig, in Schillers Text reinzukommen, aber in Wahrheit ist es ja kein Trauer-, sondern ein Lustspiel, das frivole Züge hat. Es zahlt sich nicht aus, Schiller und Goethe gegeneinander auszuspielen, aber bei näherer Betrachtung hat Schiller mit der feineren Klinge gearbeitet.“ Martin Wanko wird die Handlung in Wien spielen lassen und, keine Frage, sie ist hochpolitisch.

Oft sind es wirklich Frauen, die einen Hof zusammenhalten.

Martin Wanko

Nächste Aufführung am 11. Februar in Oberzeiring. Das Stück steht bis 17. März auf dem Programm.

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