Einsatz für Opfer wird geehrt

Kultur / 12.02.2017 • 18:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Deserteursdenkmal in Wien wurde 2014 eröffnet. Alles begann mit einer Seminararbeit von vier Studenten. Foto: Iris Ranzinger/KÖR
Das Deserteursdenkmal in Wien wurde 2014 eröffnet. Alles begann mit einer Seminararbeit von vier Studenten. Foto: Iris Ranzinger/KÖR

Personenkomitee für Opfer der NS-Militärjustiz erhält renommierten Margarethe-Lupac-Preis.

Wien. (VN-mip) Der Nachhall von Seminararbeiten an Universitäten ist ziemlich leise. Geschrieben, benotet, und ab in die Schublade. Nur selten werden sie beachtet, noch seltener bewirken sie etwas. Ausnahmen bestätigen, wie so oft, die Regel. Eine dieser Ausnahmen wird heute, Montag, im Parlament in Wien mit dem „Preis für Parlamentarismus und Demokratie“ der Margaretha-Lupac-Stiftung ausgezeichnet: Das Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“, mit maßgeblicher Vorarlberger Beteiligung. Was mit einer Seminararbeit an der Uni Wien begann, führte nämlich zu einigen Gesetzesänderungen und 2014 zu einem Denkmal am Wiener Heldenplatz. Es führte zu einem Umdenken in der Republik.

Als sich die Studenten Maria Fritsche aus Ludesch, Thomas Walter aus Klaus, Hannes Metzler aus Satteins und die Wienerin Nina Horowitz im Wintersemester 1998/1999 dem Thema widmeten, interessierten sich Historiker nur am Rande für die Geschichte von Wehrmachtsdeserteuren. Dies war den jungen Forschern rasch bewusst, am 11. Oktober 2002 gründeten sie deshalb das Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“. Die Gruppe formulierte fünf Ziele: Die Aufhebung aller Urteile der Wehrmachtsjustiz und vergleichbarer Sondergerichte, die Anerkennung von Haftzeiten in Konzentrationslagern und Gefängnissen für die Pensionsversicherung, die Anerkennung von Opfern der NS-Militärjustiz als Opfer des Nationalsozialismus und die Aufnahme dieser Personen in das Versorgungs- und Entschädigungsrecht, die Förderung der historischen und politischen Aufarbeitung sowie die Errichtung eines Denkmals für die Opfer der NS-Militärjustiz.

Das Komitee schmiedete eine breite Allianz mit Personen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik, von Kardinal Christoph Schönborn über Hubertus Trauttenberg bis zum ehemaligen steirischen KPÖ-Chef Ernest Kaltenegger. Auch Josef Hader und Elfriede Jelinek schlossen sich an.

Erfolgreiche Arbeit

Die Forderungen sind mittlerweile weitgehend umgesetzt. Viele Schicksale der österreichischen Opfer der NS-Militärgerichte sind bekannt. Durch das Anerkennungsgesetz 2005 sind die Opfer sozialrechtlich anderen NS-Opfern gleichgestellt. Die endgültige Rehabilitation erfolgte durch das Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz 2009. Im Jahr 2014 wurde schließlich das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz am Wiener Ballhausplatz Realität. Auch das Widerstands- und Deserteursdenkmal in Bregenz, das 2015 eröffnet wurde, wäre ohne die Arbeit des Komitees wohl nicht so bald entstanden. Maria Fritsche forscht mittlerweile an der Universität in Trondheim, Thomas Walter arbeitet als Richter in Feldkirch und Hannes Metzler ist Referent von Landesrat Johannes Rauch. Edgar Blocher als langjähriger Kassier des Komitees komplettiert das Vorarlberger Quartett, das heute neben dem freien Radio Salzkammergut und dem Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte den renommierten Preis erhält.

Einsatz für Opfer wird geehrt
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Margaretha Lupac

Margaretha Lupac wurde am 28. April 1910 in Wien geboren. Während des Zweiten Weltkriegs war sie als Rot-Kreuz-Helferin und Sachbearbeiterin für wehrwirtschaftliche Angelegenheiten tätig. Zwischen 1949 bis zu ihrer Pensionierung 1973 arbeitete sie im Österreichischen Wirtschaftsverlag als Inkassantin. Margaretha Lupac starb am 17. Februar 1999. Sie hat mit letztwilliger Verfügung ihr ganzes Vermögen von 1,5 Millionen Euro dem Parlament vermacht. 2001 wurde im Gedenken an sie eine Stiftung gegründet. Mit dem Demokratiepreis der Stiftung werden Verdienste um den Parlamentarismus und Demokratie ausgezeichnet. Der Preis wird seit 2004 vergeben und ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert.

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