Der Abriss der Villa Freudeck

Kultur / 14.02.2017 • 20:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Die vom prominenten Münchner Architekten Baumeister entworfene Jugendstilvilla Freudeck in Bregenz steht vor dem Abriss. Eine Rettung scheint ausgeschlossen und von einer ignoranten Stadtpolitik auch gar nicht gewünscht. Längst haben Bürgermeister und städtische Gremien ihren Segen für die mutwillige Zerstörung des Hauses gegeben und damit eines der markantesten Villenensembles in der Landeshauptstadt für eine langweilige Luxuswohnanlage geopfert. Dass um das Stadtbild und das historische Erbe der Stadt besorgte Bürger in Bregenz mobil machten, wurde mit fadenscheinigen Argumenten schlichtweg ignoriert.

Unbegreiflich ist, wie willfährig gegenüber privaten Interessen die Stadtregierung sich in der Causa „Freudeck“ aus der Verantwortung zieht. Da übt sich der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart in der Rolle des Pontius Pilatus und wäscht seine Hände in Unschuld. Da wird der vom Bürgermeister eingesetzte Gestaltungsbeirat bemüht, der wenig überraschend wissen ließ, dass es sich beim „Baumeister-Viertel“ um kein Ensemble im Sinne des kunstwissenschaftlichen Ensemblebegriffs handle. Ebenso wird eine Aussage des Bundesdenkmalamts bemüht, wonach die Villa aufgrund nachteiliger Umbauten nicht erhaltenswürdig sei.

Nicht erwähnt wird hingegen eine Stellungnahme desselben Amtes, wonach dieser Teil der Blumenstraße mit Sicherheit zu den für das Ortsbild erhaltenswerten Gebieten zählt. In einer Stadtvertretungssitzung wird gar von unabhängigen Fachleuten des Bregenzer Rathauses ein kabarettreifes Urteil nachgereicht, mit dem die treuen Beamten Loriot zur Ehre gereichen: „Das Viertel wird von so großen Bäumen geprägt, dass die Wichtigkeit der Häuser im Vergleich dazu sekundär ist. Zudem liegen die Häuser zu weit auseinander und bilden daher kein Ensemble.“

Auch wenn der Zug mit Erteilung einer Abbruchgenehmigung abgefahren scheint, ist die Frage berechtigt, warum nicht rechtzeitig die Weichen in Richtung des Erhaltes des historischen Ensembles gestellt wurden. Eigenartig auch, dass auf externe Gutachter verzichtet wurde. Für Dr. Klein (Uni München) ist es unglaublich, dass sich die „zuständigen Behörden bei einem Bauwerk dieser Qualität die Verantwortung für den Erhalt gegenseitig zuschieben, anstatt alle Möglichkeiten zu einer Rettung auszuschöpfen“. Dass die Bregenzer Grünen der Verschandelung der Stadt über die Wünsche von Bürgern hinweg ihren Segen geben, verwundert nicht. Mit Kunst und Kultur stehen die Grünen ja schon lange auf Kriegsfuß. Von Partizipation und Bürgernähe ist ebenso keine Rede mehr. Darüber kann auch eine Alibiaktion der Grünen, ein Antrag zur künftigen Verhinderung solcher Fehlentwicklungen durch die Erstellung eines Ortsbildinventars, nicht hinwegtäuschen. Dem Sprecher der Bürgerinitiative, Robert Dünser, ist recht zu geben, wenn er sagt: „Dass dabei die gesetzlichen Handlungsspielräume bewusst nicht wahrgenommen wurden, ist ein kulturpolitischer Skandal.“

Dass um das historische Erbe der Stadt besorgte Bürger mobil machten, wurde mit fadenscheinigen Argumenten schlichtweg ignoriert.

gerald.matt@vn.at
Dr. Gerald Matt ist Kulturmanager und unterrichtet
an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.

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