Bestens auf Schiene gebracht

Kultur / 17.02.2017 • 22:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der „Bildraum Bodensee“ im alten Postgebäude in Bregenz präsentiert Arbeiten von Michael Kos. Foto: VN/Steurer
Der „Bildraum Bodensee“ im alten Postgebäude in Bregenz präsentiert Arbeiten von Michael Kos. Foto: VN/Steurer

Michael Kos bestätigt die hohe Bedeutung des neuen „Bildraum Bodensee“.

Bregenz. Mit gut kuratierten Ausstellungen ist die Sache schnell gegangen. Vor eineinhalb Jahren mit Arbeiten von Sabine Marte, Judith Saupper und Viktoria Tremmel eröffnet, hat sich der „Bildraum Bodensee“, eine Ausstellungsplattform der Urheberrechtseinrichtung Bildrecht GmbH, im alten Postgebäude in Bregenz rasch etabliert. Die Kunst hat sich dort Terrain erobert, im selben Gebäudeteil präsentiert das benachbarte Kunsthaus Bregenz Teile der Sammlung und auch das Vorarlberger Landestheater nutzt ehemalige Büroräume hinter der an Monarchiezeiten erinnernden gelben Fassade für Proben.

Der Kontrast ist gewollt, in der aktuellen, von Angela Stief kuratierten Ausstellung, ist Schwarz die vorherrschende Farbe. Mit dem aus Kärnten stammenden Künstler Michael Kos ist nun ein Österreicher präsent, dessen Werk sich bislang noch nicht nach Vorarlberg verschlagen hat. Schade eigentlich, vor allem die Ausstellungsbeteiligungen (etwa im Landesmuseum Niederösterreich) lassen den Schluss zu, dass das bisherige OEuvre, oder zumindest ein Teil davon, strengen Jury- oder Kuratorenblicken standgehalten hat.

„Schwarzabgleich“

„Ausweitung der Grauzone“ betitelte Kos seine Mitte Dezember 2016 abgelaufene Ausstellung in der Kunsthalle Slowenj Gradec. Wohl in Anlehnung an den gesellschaftskritischen, vor allem den Wirtschaftsliberalismus anprangernden Roman „Ausweitung der Kampfzone“ von Michel Houellebecq geht es Kos um eine Formulierung des Unbehagens. Das, wozu der Mensch Stellung zu beziehen hat, soll nicht im diffusen Licht einer Grauzone verschwinden, sondern fokussiert werden können. „Schwarzabgleich“ nennt er nun seine Präsentation im „Bildraum Bodensee“. Neben den sozusagen klassischen bildhauerischen Arbeiten wie den aus Marmor und Gummiborsten bestehenden, auf die Bildhauerlegende Brancusi anspielenden Kugeln oder eiförmigen Objekten, fällt das Auge unmittelbar auf die zentrale Installation. Auf immer noch mannigfaltige Assoziationen hervorrufenden Schienen fährt ein mit Knochen befüllter Kontrabass.

Der Begriff Schwarzabgleich steht in Film und Fotografie für die Möglichkeit, Farbaspekte so weit auszublenden, dass das Schwarz deutlich zutage treten kann. In der Installation von Kos wirkt die dunkle Farbe wie eine Überhöhung. Der Betrachter mag angesichts der Knochen und des Musikinstruments also ganz banal das Grausame und das Schöne, das uns umgibt oder nach dem der Mensch trachtet, thematisiert sehen, er mag durch den starken Kontrast aber auch den künstlichen Aspekt betont wissen. Michael Kos weist als Vertreter der Objekt- und Konzeptkunst auch ins Surreale und betont dabei, wie schnell sich unsere Einschätzung oder Beurteilung von Dingen und damit auch von Zuständen verändern kann.

Abgesehen davon wurde die Raumwirkung in diesem Gebäude bei der Installation der Arbeiten bestens bedacht.

Bestens auf Schiene gebracht
Bestens auf Schiene gebracht
Bestens auf Schiene gebracht
Bestens auf Schiene gebracht

Zur Person

Michael Kos

Geboren: 1963 in Villach

Ausbildung: Studium bei Peter Weibel, Universität für angewandte Kunst in Wien

Ausstellungen: Kunsthalle Wil (CH), artdepot Innsbruck, Landesmuseum Niederösterreich, Museum Essl etc.

Wohnort: Wien und Retz

Geöffnet bis 25. März, Di und Do, 13 bis 18 Uhr, Fr und Sa, 11 bis 16 Uhr, im „Bildraum Bodensee“ im alten Postgebäude (Seestraße 5) in Bregenz.

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