Ein Familientreffen besonderer Art

Kultur / 07.03.2017 • 21:45 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
In
In „Gott des Gemetzels“ spielen Karl Müller, Elke Kikelij-Schwald, Hanno Dreher und Susanna Ackermann. Foto: TAS

Sein Vater spielt, er führt Regie und auch sonst hat Stephan Kasimir eine Menge vor.

Christa Dietrich

Bregenz. Dem Theaternachwuchs ist Stephan Kasimir längst ein Begriff. Der Regisseur ist maßgeblich daran beteiligt, dass Stücke junger Autoren überhaupt auf die Bühne und damit zum Publikum kommen. Den älteren Semestern im Publikum wird ein Name wohl noch besonders in Erinnerung sein, als das Landestheater noch das Theater für Vorarlberg war und auch kurze Zeit nach der Umstrukturierung stand neben Kurt Sternik und dem Impresario Bruno Felix ein weiterer Schauspieler fast ständig auf der Bühne, nämlich Helmut Kasimir. Die meisten wissen es, es handelt sich um Vater und Sohn, die beide in der Theaterszene der Region eine Rolle spielen, bislang aber noch nie gemeinsam auftraten. Das soll sich ändern.

Stephan Kasimir (36) inszeniert nun am Theater Wagabunt den Beckett-Klassiker „Warten auf Godot“, Helmut Kasimir (78) übernimmt die Rolle des Pozzo. Eingefädelt hat das interessante Familientreffen an sich der Schauspieler und Wagabunt-Mitbegründer Robert Kahr. Anlässlich seines 60. Geburtstages hatte er sich die Umsetzung des Stücks gewünscht. Dass der Wladimir als Estragon Wolfgang Pevestorf an die Seite bekommt, wird zudem all jene freuen, die diesen aus Deutschland stammenden Schauspieler in vielen Partien am Landestheater schätzen gelernt haben. Um die Besetzung komplett zu machen, sei erwähnt, dass Anwar Kashlan, den man unter anderem vom Theater Kosmos kennt, die Partie des Lucky übernimmt.

Mit Humor

Und wie ist das nun, wenn der Vater auf der Bühne steht, während der Sohn vom Regiepult aus die Anweisungen gibt? „Auf der Bühne halte ich es mit meinem Vater wie im Leben. Wir begegnen einander mit Humor“, erklärt Stephan Kasimir das Verhältnis. Abgesehen davon sei auch Samuel Beckett ohne Humor gar nicht beizukommen. Und nicht nur nebenbei sei erwähnt, dass dem Regisseur die Herausforderung großen Spaß macht, die sich ihm da aufgrund des Geburtstagswunsches von Robert Kahr stellt, der sozusagen zum leisen Urgestein in der Vorarlberger Theaterlandschaft zählt.

Nachwuchsförderung

Apropos Theater Kosmos: Dort ist Stephan Kasimir, der seine Ausbildung in Deutschland absolviert hat und dort auch an einigen Bühnen arbeitete, schon seit mehreren Jahren in besonderer Mission tätig. Neben dem Schriftsteller und Herausgeber Wolfgang Mörth hat er sich nämlich der Unterstützung junger Autoren verschrieben. In der Reihe Kosmodrom werden mehrmals im Jahr kurze Stücke Vorarlberger Newcomer aufgeführt. Neben Nico Raschner, Yeliz Akkaya, Maja Rinderer, Maria Kopf, Linda Achberger oder Sarah Rinderer war auch Katharina Klein bereits unter den Kandidaten, deren Texte umgesetzt wurden. Die Letztgenannte hat ihren Schreibstil nun so weit entwickelt, dass ein längeres Stück in Auftrag gegeben wurde, das Mitte April zur Uraufführung kommt. Dass das Theater Kosmos auf seiner großen Bühne Stücke von Vorarlberger Autoren wie Max Lang oder Nadja Spiegel aufführt, führt wiederum zu Helmut Kasimir. In Spiegels Drama „Kilometerfressen macht auch nicht satt“ über das Zusammenleben von Vertretern dreier Generationen hatte er die Rolle des Großvaters inne.

Eigenes Theater

Gemeinsam mit der Bühnenbildnerin Caro Stark hat Stephan Kasimir im Vorjahr das „Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung“ gegründet. Nach dem Start mit „Einige Nachrichten aus dem All“ von Wolfgang Lotz will man heuer, wie bereits bekannt geben, zwei Stücke umsetzen, nämlich mit „Die Lächerliche Finsternis“ ein weiteres Lotz-Stück und „Käthe Hermann“ von Anne Lepper. Aufführungsort ist jeweils das Kulturhaus Dornbirn.

Amateurszene

Besonders engagierte Amateurgruppen, die gerne mit einem Profi zusammenarbeiten, haben Stephan Kasimir bereits ins Visier genommen. In Liechtenstein hatte er einmal mit dem Theater Karussell gearbeitet. Nun hat die Bühne West danach getrachtet, mit ihm und der Bühnenbildnerin Caro Stark arbeiten zu können, will man doch das Erfolgsstück „Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza umsetzen. Die Proben laufen, in Kooperation mit Kultur pur in Nüziders und dem Feldkircher Theater am Saumarkt wird eine Aufführungsserie realisiert, die am 10. März in Nüziders beginnt.

Das Stück ist auch durch die Verfilmung mit Christoph Waltz, Kate Winslet, John C. Reilly und Jodie Foster bekannt geworden. „Ich sehe mich vor allem als Coach“, erklärt Kasimir seine Rolle bei der Arbeit mit den Amateuren, als Regisseur habe er aber auch einmal große Lust verspürt, eine klassisch gestrickte Komödie umzusetzen. Beim Film kam das aufgrund der Schauspiel-Kapazunder nicht so stark zum Ausdruck, der immer heftiger werdende Streit zweier Paare sei von der Autorin, um es schlicht und einfach auszudrücken, handwerklich exzellent gebaut. Kasimir: „Wenn man auf Tempo und Timing achtet, dann rennt die Komödie dahin.“

Auf der Bühne halte ich es mit meinem Vater wie im Leben. Wir begegnen einander mit Humor.

Stephan Kasimir
In „Gott des Gemetzels“ spielen Karl Müller, Elke Kikelij-Schwald, Hanno Dreher und Susanna Ackermann. Foto: TAS
In „Gott des Gemetzels“ spielen Karl Müller, Elke Kikelij-Schwald, Hanno Dreher und Susanna Ackermann. Foto: TAS

Termine: „Warten auf Godot“ ab 24. März im TiK, Dornbirn, „Der Gott des Gemetzels“ ab 10. März im Gemeindehaus Nüziders.