„Ich spiele gerne die Auffallenden“

Kultur / 09.03.2017 • 20:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Anna Tripp (in der Bildmitte) wirkt das sechste Jahr im Jugendclub des Vorarlberger Landestheaters mit und steht nun in „Jugend ohne Gott“ auf der Bühne. Foto: LT/kÖhler
Anna Tripp (in der Bildmitte) wirkt das sechste Jahr im Jugendclub des Vorarlberger Landestheaters mit und steht nun in „Jugend ohne Gott“ auf der Bühne. Foto: LT/kÖhler

In der Produktion „Jugend ohne Gott“ wirken Jugendliche mit, unter anderem die 16-jährige Anna Tripp.

Bregenz. (VN-cd) Nach Verfilmungen tauchte die dramatisierte Fassung des 1937 erschienenen Romans „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horváth (1901-1938) immer wieder in Theaterspielplänen auf. Zuletzt hatte etwa das Schauspielhaus Graz das Stück über die Erziehung zum Mitläufer bzw. Menschenverachter im Programm. Das Vorarlberger Landestheater realisiert das Werk nun unter Mitwirkung des Jugendclubs 16+. Den ältesten unter jenen Schülern, die seit einigen Jahren unter fachkundiger Anleitung arbeiten und mit Projekten an die Öffentlichkeit treten, stellt sich somit eine besondere Herausforderung.

Die sechzehnjährige Anna Tripp, die in Dornbirn das Gymnasium besucht, zählt zu dieser Gruppe von Jugendlichen. Wem ihr Talent schon vor einiger Zeit – etwa in der Produktion „In 80 Tagen um die Welt“ – aufgefallen ist, der hatte sich nicht getäuscht, die Theaterbegeisterte hat sich um Aufnahme an einer Schauspielschule in München beworben und die Prüfung bestanden. Das Landestheater bot ihr eine gute Grundlage. Die dreijährige Ausbildung beginnt sie im Herbst. 

Zu denken gegeben

Nachdem sie im Rahmen eines Musikschulprojektes sozusagen Feuer fing, hatte ihr Vater vor einiger Zeit einen Aufruf des Landestheaters gelesen und empfahl ihr, einfach hinzugehen. Damals war Anna Tripp elf Jahre alt und seitdem investiert sie einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit in Proben bzw. in die Arbeit mit dem Theaterclub. Als dann die Ansage kam, dass man heuer eine große Produktion plane, für die die Mitwirkenden sehr viel Zeit aufzuwenden hätten, war es für sie keine Frage, sie wollte auf jeden Fall dabei sein. Mittlerweile hat man den Probenplan sogar noch etwas aufgestockt, mit dem deutschen Regisseur Hannes Rudolph lief aber alles glatt. Den jungen Leuten wurden, wie Anna Tripp berichtet, Freiräume gewährt, man konnte sich ausprobieren, sich in die verschiedenen Charaktere einfühlen. „Das Stück hat mir sehr zu denken gegeben“, erzählt sie von einer „guten Zusammenarbeit“ mit dem Regisseur und den Theaterpädagogen, die eine intensive Auseinandersetzung mit den einzelnen Rollen forderten.

So soll es sein. Anna Tripp spielt eine Schülerin und die Direktorin und hat während der Arbeit auch entdeckt, was ihr im Moment als junge Akteurin besonders entspricht: „Ich spiele gerne die Auffallenden, die Bösen oder die Übertreibenden, die Zurückhaltenden mag ich nicht so gerne“, charakterisiert sie sich selber.

Gespielt wird übrigens in den Gewändern der damaligen Zeit, der Bezug zur Gegenwart liegt auf der Hand. Für die angehende Schauspielerin und ihre Kollegen sei das sofort klar gewesen.

Es wurde gesagt, wie man es gerne hat, wir hatten aber einen Freiraum, durften uns hineinfühlen.

Anna Tripp

Die Premiere findet am 10. März, 19.30 Uhr, im Theater am Kornmarkt in Bregenz statt. Weitere Aufführungen bis 26. April.