Der „Seelax“ krepiert, das Freudenhaus floriert

Kultur / 14.03.2017 • 22:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Willi Pramstaller setzt im Millennium-Park auf fantastisches Clowntheater und Musik.

Christa Dietrich

Lustenau. Sie heißen Galapiat Cirque, Les Rois Vagabonds, Cirque Le Roux, Circo Aereo oder einfach David Dimitri, stehen mit ihren Namen für Zirkuskunst mit Akrobatik und Poesie und werden allesamt in diesem Jahr im Lustenauer Millennium-Park auftreten, und zwar in oder neben jenem Zelt, das ob seines samtroten Innenlebens Freudenhaus heißt und von Bregenz nach Lustenau abgewandert ist. Dort, nämlich im Millennium-Park, ist der Verbleib bis zum Jahr 2020 gesichert, eine Rückkehr in die Landeshauptstadt ist quasi unmöglich.

„Ich möchte nicht als Streithahn auftreten“, erklärt Freudenhaus-Inhaber Willi Pramstaller ins letzte Jahr zurückblickend, in dem er sich gegen eine Kürzung der Subvention durch das Land Vorarlberg von 105.000 auf 95.000 Euro lautstark gewehrt hatte. Ob es etwas gebracht hat, wird sich erst zeigen, denn bislang habe ihm das Land noch nicht eröffnet, wie es heuer mit der Unterstützung aussieht. 40.000 Euro kommen jedenfalls von der Marktgemeinde Lustenau, und dafür liefert der Kulturveranstalter den Entscheidungsträgern ab 21. April Konzerte (vorwiegend mit Weltmusik), Kabarettabende (etwa mit Andreas Rebers oder Georg Ringsgwandl und Alfred Dorfer), erwähntes Zirkustheater und Kleinkunst in den Ort. Das Interesse und die Neugier des Publikums sind groß, Freudenhaus-Abende sind begehrt, deshalb treten Les Rois Vagabonds, jene zwei Künstler, die das Publikum im Vorjahr verzauberten, heuer gleich mehrmals auf, und David Dimitri, jener „L’Homme Cirque“, der einen atemberaubenden Hochseilakt hinlegte, bleibt gleich mehrere Wochen.

Warum nicht in Bregenz?

Zirkustheater habe ihn immer schon begleitet, das sei das, was ihn besonders interessiere, das in Vorarlberg sonst niemand macht, erinnert Pramstaller an die Anfänge des sogenannten „Impuls“-Festivals in den späten 1980er-Jahren. Gerade den nächtlichen Spaziergang in den Himmel von David Dimitri hätte er sich sehr gut auch am Bodenseeufer in Begenz vorstellen können, wo er Jahr für Jahr das sogenannte „Seelax“-Festival ausgerichtet hat. Doch daraus wurde auch heuer nichts. Im November 2016 hatte er ein Konzept mit Clown- und Straßentheater eingereicht, im Februar 2017 kam die Absage von Seiten der Stadt, die sich mit ihm nicht so zeitgerecht auf einen optimalen Termin einigen konnte, dass die Künstler noch zu engagieren waren. Inzwischen absolut gelassen, erklärt Pramstaller gegenüber den VN, dass die gut frequentiert gewesenen „Seelax“-Angebote in Bregenz wohl gestorben seien.

Ein letales Ende will Jutta Dieing, die neue Leiterin des Bregenzer Kulturamtes, allerdings noch nicht sehen. Man habe diskutiert, es handle sich um „tolle Veranstaltungen“, bemerkt sie im Gespräch mit den VN und gibt eindeutig zu verstehen, dass sie Willi Pramstaller nicht von dannen ziehen lassen will. Für das nächste Jahr werde konkret eine Möglichkeit gesucht, auch in Bregenz von der Freudenhaus-Atmosphäre zu profitieren.

Poetisches Zirkustheater macht hier sonst niemand.

Willi Pramstaller
Hat im Vorjahr begeistert und steht für das zauberhafte und anspruchsvolle Programm im Freudenhaus: Zirkus Les Rois Vagabonds. Foto: sams
Hat im Vorjahr begeistert und steht für das zauberhafte und anspruchsvolle Programm im Freudenhaus: Zirkus Les Rois Vagabonds. Foto: sams

Nach dem Konzert mit dem Herbert Pixner Projekt am 16. März in Götzis beginnt das Freudenhaus-Programm am 21. April in Lustenau.