Mit Spray die Malerei neu erfinden

Kultur / 17.03.2017 • 19:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Michael Venezia hat stilprägend für verschiedene Strömungen innerhalb des Abstrakten Expressionismus gearbeitet. Foto: AG
Michael Venezia hat stilprägend für verschiedene Strömungen innerhalb des Abstrakten Expressionismus gearbeitet. Foto: AG

Nach fünfzig Jahren sind die Spray Paintings von Michael Venezia erstmals zu sehen.

LUSTENAU. Die Hochformate korrespondieren dermaßen perfekt mit den wunderschönen Räumen und den raumhohen Fenstern, die die Landschaft draußen rahmen, als wären sie im Wissen um diesen Ort gedacht und gemacht. Doch was zwischen den Fensteröffnungen und an den Wänden des Hauses 2226 von Baumschlager Eberle Architekten hängt, wo die Lustenauer Dependance der international agierenden Galerie Häusler Contemporary residiert, ist vor fünfzig Jahren im New Yorker Atelier des Malers Michael Venezia entstanden und markiert eine kleine Revolution.

Stilprägend für verschiedene Strömungen innerhalb des Abstrakten Expressionismus, gilt Michael Venezia mit seinen innovativen Bildfindungen als ein bedeutender Erneuerer der Malerei in den 1960ern. Lange vor den aktuellen Arbeiten, die in Form von schmalen, horizontal inszenierten Holzbalken, mit Spachtel oder Pinsel bearbeitet, die Grenzen zwischen Objekt und Gemälde obsolet machen, ist 1967 im Umfeld der Minimal und Concept Art die einzigartige Werkgruppe der „Spray Paintings“ entstanden. Inmitten des Diskurses über das Ende der Malerei, den zelebrierten Pinselduktus einerseits und die geometrische Strenge andererseits hinter sich lassend, greift Michael Venezia zur Spraypistole und bearbeitet seine Werke von nun an in der Horizontalen. Dass er damit ein Stück Malereigeschichte schreibt, war ihm nicht bewusst, er habe einfach Farbe auf die Leinwand bringen wollen, ohne sie zu berühren, so der Künstler, der zu der Zeit eben aus London nach New York zurückgekehrt war. Einen umlaufenden Streifen Leinwand wie einen Rahmen frei lassend (die Assoziation an Fenster ist kein Zufall), sind die dergestalt produzierten, monumentalen Formate, vom Rand in die Bildmitte hinein entwickelt, von soliden vertikalen Farbbändern und Farbbahnen und dazwischenliegenden wolkig-nebulös-diffusen Farbflächen, die das Bild öffnen, geprägt.

Offenes Ende

Fünfzig Jahre im Verborgenen gehortet wie ein Schatz, der nun endlich ans Licht der Kunstwelt kommt, wurden die Gemälde neu aufbereitet und aufgezogen, und sind nun zum größten Teil tatsächlich erstmals gemeinsam seit Jahrzehnten ausgestellt. Trotz ihrer mittlerweile historischen Position wirken die Arbeiten als souveräne Setzungen jenseits intellektuell-kühler Sprödheit ungemein sinnlich, strahlend, frisch und lebendig.

Das liegt am Sprühmoment, das das Endresultat offen lässt, zwischen Konzept und Intuition, Kalkül und Zufall mäandert, mag aber auch damit zu tun haben, dass die Wahl der Farben, so Michael Venezia, eher zufällig denn nach streng farbtheoretischen Überlegungen, wie in seinem künstlerischen Umfeld, erfolgt ist. Eingebettet in Ausschnitte aus einer vorhergehenden Ausstellung lässt sich die Verortung Michael Venezias in seiner Zeit und in ähnlichen Denkansätzen nachvollziehen, aber auch die Einzigartigkeit einer Position, die zwar die Grenzbereiche des Mediums auslotet, aber stets der Malerei verpflichtet bleibt.

Zur Person

Michael Venezia

Geboren: 1935 in Brooklyn, New York

Ausbildung: University of Michigan/US und New York College

Laufbahn: seit den 1960er-Jahren zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in den USA und Europa

Auszeichnungen: u. a. Preis der Louis Comfort Tiffany Foundation

Wohnort: Brooklyn, New York und Trevi, Italien

Die Ausstellung ist bei Häusler Contemporary Lustenau, Haus 2226, Millennium Park 20, in Lustenau, bis September 2017 geöffnet, Mo bis Fr, 8.30 bis 17.30 Uhr.