Tausende Menschen vor dem Tod bewahrt

24.03.2017 • 21:24 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Aufnahme von Carl Lutz mit seiner Frau Gertrud. Foto: Egg-Museum, Vn
Aufnahme von Carl Lutz mit seiner Frau Gertrud. Foto: Egg-Museum, Vn

Carl Lutz, eines Schweizer Raoul Wallenbergs, wird nun in Vorarlberg gedacht.

Christa Dietrich

Egg. In den Fünfzigerjahren war er als schweizerischer Konsul in Bregenz, die eigentlichen Verdienste des Diplomaten wurden in der Öffentlichkeit lange Zeit verschwiegen, dabei gilt Carl Lutz (1895-1975) als Retter Tausender Menschen. Sein Fall wird nun im Egg Museum aufbereitet, wo man sich öfter schon Themen wie Krieg, Verfolgung und Vernichtung widmete.

Der Schwede Raoul Wallenberg (geb. 1912), dessen Spuren sich im Jahr 1945 in Moskau verlieren, ist nach zahlreichen Publikationen, mehreren Filmen und Bühnenwerken der bekanntere unter jenen Personen, die in Ungarn Schutzpässe ausstellten, um Juden vor Deportation und Ermordung zu retten. Um Carl Lutz ist es auch in Vorarlberg viele Jahre still gewesen, obwohl er von 1954 bis 1961 in der Landeshauptstadt tätig war. In Kooperation mit dem Kulturforum Bregenzerwald und der Malin-Gesellschaft bemühte sich das Egg Museum unter der Leitung von Andreas Hammerer nun erfolgreich um Übernahme einer Ausstellung, die die humane Tat und die Zivilcourage von Carl Lutz dokumentiert. In seiner Heimat erlitt er zwar nicht das Schicksal des Fluchthelfers Paul Grüninger, der seiner Ämter enthoben wurde, die Anerkennung seiner Leistung blieb Carl Lutz, der eine sogenannte Rüge hinnehmen musste, jedoch verwehrt. Die Rehabilitation erfolgte erst in den 1990er-Jahren. In Budapest wurden ein Denkmal und ein Gedenkraum errichtet und erst vor wenigen Jahren entstand eine Filmdokumentation bzw. wurden Ausstellungen konzipiert.

Adolf Eichmann

Lutz arbeitete im Konsulat in Budapest, als er einerseits mit Entsetzen den Aktivitäten des Deutschen Adolf Eichmann gegenüberstand, der die Deportation und Ermordung von jüdischen Menschen organisierte und andererseits durch seine frühere Tätigkeit in Palästina in der Lage war, Mechanismen ausfindig zu machen, um Personen vor dem Transport in die Vernichtungseinrichtungen zu bewahren. Im Zuge der Ausstellung Tausender Pässe, die den Verfolgten die Ausreise ermöglichten, hatte er auch einmal mit erwähntem Raoul Wallenberg zusammengearbeitet.

Terror

Abgesehen davon, dass die Ausstellung leider ohne Objekte oder Tondokumente bzw. erläuternde Kommentare von Zeitzeugen auskommt und allein mit Lesestationen gestaltet ist, wird auf die damalige Situation in Ungarn hingewiesen, wo dann unter den Pfeilkreuzlern der Terror gegen die jüdische Bevölkerung offensichtlich geworden war. Die ungarischen Faschisten und Antisemiten schreckten auch vor Massenerschießungen vor Ort nicht zurück.

In inzwischen publizierten Aufzeichnungen von Lutz selbst ist zu lesen, wie die frierend und zitternd zur Deportation aufgestellten Juden, unter denen jene ausgesucht werden sollten, die entsprechende Papiere erhalten konnten, mit Hundepeitschen verprügelt wurden und wie diplomatisches Personal mit Waffen bedroht wurde, das sich vor die Malträtierten stellte.

Das Glashaus

Einen zentralen Punkt in der Ausstellung macht die Beschreibung jenes Glashauses in Budapest aus, in das Verfolgte auf Betreiben von Lutz fliehen konnten. Dieses Gebäude eines jüdischen Fabrikanten wurde neben weiteren Unterkünften für jeweils 2000 Menschen zum rettenden Quartier vor der Ausreise und wurde zum Ort, an dem sich der Widerstand formierte. Mittlerweile wurde dort, in einer Architektur, die den Bauhaus-Stil repräsentiert, ein Gedenkraum eingerichtet, in dem der Name Carl Lutz deutliche Erwähnung findet.  Im Vorjahr erschien dazu das Buch „Das Glashaus“ von Erika Rosenberg. Lutz selbst geriet gegen Ende des Zweiten Weltkriegs selbst in Bedrängnis. Er befand sich, wie er schreibt, im Zentrum der Verteidigungsschlacht und hatte sich nur durch eine spontane Reaktion vor der Erschießung durch eine „russische Soldateska“ retten können. Nach langem Fußmarsch konnte er sich davon versichern, dass sein Personal überlebt hat. Die Zahl der jüdischen Mitmenschen, zu deren Überleben er maßgeblich beigetragen hat, kann mit etwa 62.000 beziffert werden.

Die Ausstellung ist bis 21. Mai im Egg-Museum geöffnet, Fr, Sa und So, 15 bis 18 Uhr