Wo der Kaiser sich mit Mätressen traf

24.03.2017 • 17:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Birgit Plankel mit dem Ensemble L‘Estate musicale. Foto: JU
Birgit Plankel mit dem Ensemble L‘Estate musicale. Foto: JU

Barockensemble L’Estate musicale eröffnete die neue Saison auf Schloss Amberg.

FELDKIRCH. Ein Geheimtipp sieht definitiv anders aus, und doch ist Schloss Amberg bis heute Gott sei Dank nicht über diesen Status hinausgekommen: klein, fein und von einem besonderen Flair, wie man es bei der Saisoneröffnung mit Birgit Plankels Barockensemble L’Estate musicale wieder erleben durfte.

Dabei hat das Ärzte-Ehepaar Scheyer das Schloss bereits vor fünf Jahren für die Kultur geöffnet, mit einer Veranstaltungsreihe aus Musik und Literatur zwischen März und Oktober. Als Organisator hat man sich den kunstsinnigen ehemaligen ORF-Sportredakteur Günter Polanec angelacht, der dort kleine Kostbarkeiten präsentiert. Freilich muss man sich als Besucher den über 500 Jahre alten herrschaftlichen Ansitz erobern. Der letzte Teil vom Parkplatz weg ist ein steiler Fußweg, bei dessen Bewältigung man froh ist, dass die Konzerte nicht im Winter stattfinden. Oben wird man mit einer prächtigen Aussicht belohnt, bevor es nochmals drei Stockwerke hochgeht in den Maximiliansaal – dorthin, wo der Kaiser sich auf der Durchreise regelmäßig mit seiner Mätresse vergnügte. Das Publikum tut nun genau dies, Jahrhunderte später, an eben diesem Ort anhand von Liedern, die im Programm „Von Liebe, Leid und Fröhlichkeit“ mit viel Charme und Augenzwinkern der Musiker vom Liebes- und Gefühlsleben der Altvorderen in einer Art „barocker EU“ erzählen.

Stimme und Blockflöten

Im Mittelpunkt steht naturgemäß die so vielseitige und engagierte Sopranistin und Pädagogin Birgit Plankel, die hier ihren kostbaren lyrischen Sopran auch in den Kantaten und Madrigalen der Alten Musik eindrücklich zum Leuchten bringt, sprachdeutlich, mit locker bewältigten Koloraturen und feinen dynamischen Schattierungen. Besonders die verliebten oder tieftraurigen Lieder John Dowlands, darunter der Hit „Come again“, eine Vivaldi-Kantate als Minioper um eine getäuschte Liebe, Telemanns „Das Frauenzimmer verstimmt sich immer“ oder das „Kusslied“ von Andreas Hammerschmidt geben ihr Gelegenheit, die breite Ausdruckspalette ihrer Persönlichkeit zu entfalten. Der besondere Reiz liegt im Zusammenspiel der Singstimme mit einer der vielen Blockflöten, die Dorit Wocher virtuos beherrscht. Da wird im neckisch verzierten Miteinander das Duett auch einmal zum Duell, wenn sie einander im Zuspielen der Themen überbieten. Mit der Innsbrucker Barockcellistin Gerlinde Singer hat das Ensemble nun eine stilsichere und erfahrene Musikerin für diesen Part gefunden. Gemeinsam mit dem routiniert überlegenen Michael Wocher am Cembalo bilden die beiden das sichere Continuo-Fundament, Singer überzeugt in einer melancholisch traumhaften Chaconne von Purcell auch solistisch, Dorit Wocher entfacht in einer Pepusch-Sonate das Farbenspiel ihrer Altblockflöte.

Dass die 70 Plätze zur Gänze belegt sind und damit die Musiker den Zuhörern in der ersten Reihe fast auf dem Schoß sitzen, führt natürlich dazu, dass es zunehmend heiß wird. Umso mehr ist das Ensemble zu bewundern, das auch unter solch erschwerten Bedingungen seine Spiellust nicht verliert und bei der Zugabe „Amor vincit omnia“ das gut gelaunte Auditorium sogar noch zum Mitsingen animiert.

Nächste Veranstaltung auf Schloss Amberg: 20. April, 19.30 Uhr, Gesangskapelle Hermann aus Wien mit Dialektliedern a cappella