Ein Kreis hat sich geschlossen

03.04.2017 • 18:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Chorleiter Erich Haller mit Birgit Plankel, Martina Gmeinder und einem Teil seiner Sänger(innen) in der Pfarrkirche Mellau.  Foto: Jurmann
Chorleiter Erich Haller mit Birgit Plankel, Martina Gmeinder und einem Teil seiner Sänger(innen) in der Pfarrkirche Mellau. Foto: Jurmann

Mit dem Abschieds­konzert von Erich Haller geht in Mellau eine Ära zu Ende.

MELLAU. (ju) Er hatte die Idee, gegen viele Widerstände mit seinem Kirchenchor im Dorf wertvolle klassische Sakralmusik aufzuführen, hat damit als Pionier steinigen Boden beackert. Eine wertvolle Kulturarbeit, für die es keine Vergleiche im gesamten Bregenzerwald gibt. Am Sonntag nahm Erich Haller (70), vom Publikum bejubelt, mit einem letzten Konzert in der Pfarrkirche nach 50 Jahren seinen Abschied als Chorleiter. Damit geht eine Ära zu Ende, ein Nachfolger ist nicht in Sicht.

Bachs „Matthäus-Passion“ unter Harnoncourt gab Erich Haller den entscheidenden Impuls, sich intensiv mit dieser Musik auseinanderzusetzen. „Es war mir klar, dass ich das nie erreichen werde“, meint der pensionierte Gemeindesekretär heute im VN-Gespräch. Aber die Leidenschaft war geweckt. Der begeisterte Musiker, der mit 20 den Kirchenchor übernahm und gleichzeitig 22 Jahre beim Musikverein die Klarinette spielte, auch Klavier und Orgel gelernt hatte, begann sich als Dirigent weiterzubilden, bei Kapellmeisterkursen der Blasmusik und bei Gerhard Dallinger in Bregenz. Um das Niveau seiner Amateursänger für geplante Konzerte mit anspruchsvoller Sakralliteratur anzuheben, holte er sich Anfang der Neunziger die bekannte Gesangspädagogin Birgit Plankel als erfahrene Stimmbildnerin ins Boot – und wurde deswegen zunächst von befreundeten Chorsängern ausgelacht. Ebenso, als er mit routinierten Gastsängern seinen Chor auf Vordermann brachte. „Es gibt genügend Chöre, die lieber schlecht singen, als sich Verstärkung von außen zu holen“, schmunzelt Haller.

Den anderen ist inzwischen das Lachen vergangen, denn auf dem nun erreichten Niveau wagte man es, seit der Weihe der neuen Kirche 1981 alle zwei Jahre in Konzerten mit anspruchsvoller geistlicher Literatur für Soli, Chor und Orchester an die Öffentlichkeit zu treten. Das waren seither rund 15 Konzerte. Dazu kam in den letzten Jahren noch die Sinfonietta Vorarlberg, die auch diesmal dem 43-köpfigen Chor mit 12 Gastsängern ein klangschönes professionelles Fundament gibt. Zugleich mit der Qualität der Mitwirkenden ist es Haller gelungen, auch das Interesse der Bevölkerung für diese Musik zu wecken. So wie vergangenen Sonntag war die Kirche jeweils bis auf den letzten Platz besetzt.

Helle Leuchtkraft

Mozart steht am Beginn, mit seiner Messe C-Dur KV 337. Das kurze, festliche Werk stimmt auf den Anlass ein und kommt trotz der trockenen Akustik schön zum Klingen. Alle sind konzentriert bei der Sache, Erich Haller ist top vorbereitet, gibt klare Tempi und Einsätze vor und erreicht eine saubere, präzise Aufführung in einem schön geschlossenen Chorklang. Im versierten Solistenquartett ist Birgit Plankel hier auf den innigen lyrischen Sopran abonniert, Martina Gmeinders warmer Alt, Stefan Gisingers sicherer Tenor und Michael Schwendingers profunder Bass ergeben zusammen Passagen voll Wärme und Ausdruck. Ein Bach-Block gilt dem Gedenken an den im Vorjahr verstorbenen verdienten Organisten Bartle Giesinger. Christian Lebar spielt dazu in schön kontrollierter Virtuosität das Es-Dur-Orgelpräludium, Martina Gmeinder holt aus der Kantate „Vergnügte Ruh“ ihre wunderbar dunklen Töne hervor. In der Mendelssohn-Kantate über den 42. Psalm überstrahlt Birgit Plankel in ihren Arien sicher das Geschehen, Haller lässt sich auch durch ein Missverständnis mit der Oboistin nicht aus der Ruhe bringen, und der Chor entwickelt bei „Harre auf Gott“ noch helle Leuchtkraft.

„Ich bin weder traurig noch erleichtert. Ich bin einfach froh, dass dieser Kreis sich damit für mich nach 50 Jahren geschlossen hat“, sagt Haller. In der „Kanisfluh“ nebenan warten seine Sängerinnen und Sänger schon, dort gibt es auch die verdiente Laudatio für sein Wirken durch Obmann Peter Figer. Zu Ostern wird nochmals gemeinsam gesungen, dann wird sich der Kirchenchor auflösen.