Die Erde ist das, was nährt

06.04.2017 • 17:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Arbeiten von Herman de Vries lassen die Landschaft am Bodensee neu erleben.

Christa Dietrich

Ravensburg. Sich erden hat als Begriff nicht zufällig an Bedeutung gewonnen. Zwar dürfte man Menschen in der Apfel- und Gemüseregion um den Bodensee eher seltener darauf aufmerksam machen müssen, dass es die Erde ist, die sie nährt, die Bewusstmachung von Zusammenhängen und von Schönheit sowie das Zurückführen auf das Wesentliche passiert aber nicht selten über die Kunst. Mit dieser versorgt der niederländische und mittlerweile in Deutschland lebende Maler Herman de Vries (geb. 1931) nun das Publikum im Kunstmuseum Ravensburg. Neben Bildern aus der ständigen Sammlung, die ihren Schwerpunkt in der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts hat, und neben Skulpturen von Robert Schad, einem Stahlbildhauer, der vor Ort lebt, nimmt sich der Bereich, der dem Vertreter Hollands auf der letzten Biennale von Venedig im Rahmen der aktuellen Ausstellungen eingeräumt wurde, nicht sehr groß aus.

Umfangreiche Information

Umso umfangreicher ist jedoch die Information, die man auf wenigen Quadratmetern vermittelt bekommt. Die Erdbilder von Herman de Vries erinnern aneinandergereiht entfernt ja auch an jenen genetischen Fingerabdruck, den Biologen anfertigen.

Mit Esoterik hat er nichts am Hut. Nicht einmal dann, wenn man in seine Welt eintaucht, die er etwa im Holland-Pavillon auf der erwähnten Biennale nicht nur mit Reihen voller Erdbilder optisch erleben ließ, sondern die mit Tausenden Rosenblüten auch olfaktorisch erfahrbar wurde. Die getrocknete und fein zerriebene Erde, die mit den Fingern auf das Papier aufgetragen wird, führt einerseits auf jahrtausendealte Maltechniken zurück. Aber nicht nur der Umstand, dass Menschen mit derlei kreativer Auseinandersetzung einst ihre Überlebensfähigkeit steigerten, weil sie dann rascher Lösungen parat hatten, ist ein Aspekt des gesamten Werks, Vries dokumentiert auch anhand von Abriebbildern mit Material aus aller Welt. Die beim Ausheben eher einheitlich gefärbte Erde entwickelt getrocknet eine Farbenvielfalt. Dieses Warten auf das Ergebnis wird in Filmen dokumentiert, wenn der Betrachter Arbeiter, Beamte oder eben auch Nonnen und Mönche beim Sammeln des Materials für Herman de Vries neue Arbeiten in vielen Orten zwischen Meersburg und Munderkingen begleiten darf.

Pater Shinto Kattoor beim Sammeln der Erde in Steinhausen und der Künstler Herman de Vries bei der Arbeit. Fotos: Kunstmuseum Ravensburg
Pater Shinto Kattoor beim Sammeln der Erde in Steinhausen und der Künstler Herman de Vries bei der Arbeit. Fotos: Kunstmuseum Ravensburg

Die Ausstellung mit Arbeiten von Herman de Vries ist bis 11. Juni im Kunstmuseum Ravensburg geöffnet, Di bis So, 11 bis 18 Uhr, Do bis 19 Uhr geöffnet.