„Balance muss stimmen“

07.04.2017 • 16:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Landesjugendchor „Voices“ und die Bürgermusik Lauterach werden gemeinsam als 200-köpfiger Klangkörper auftreten.  Veranstalter
Der Landesjugendchor „Voices“ und die Bürgermusik Lauterach werden gemeinsam als 200-köpfiger Klangkörper auftreten.  Veranstalter

Landesjugendchor „Voices“ und Bürgermusik Lauterach erstmals vereint.

LAUTERACH. Ein besonderes Projekt, das grenzüberschreitend Freunde der Chor- und der Blasmusik im Land ansprechen soll, geht am Wochenende über die Bühnen der beiden größten Konzertsäle des Landes. Dabei werden der von Oskar Egle einstudierte Landesjugendchor „Voices“ und die Bürgermusik Lauterach erstmals gemeinsam als 200-köpfiger Klangkörper mit amerikanischen Filmmelodien auftreten. Ein Projekt der musizierenden Jugend, denn die Chorsänger sind alle zwischen 16 und 28 Jahre alt, die Blaskapelle besteht zu 70 Prozent aus Jugendlichen, und auch deren Kapellmeister Mathias Schmidt ist erst 38.

Blasmusik und Chorgesang sind zwei Bereiche, die man ganz selten gemeinsam hört. Denn fast jeder Dirigent hat Angst, dass die Stimmen durch die Blasinstrumente übertönt werden. Wie wollen Sie die Balance halten?

SCHMIDT: Das ist sicher die größte Herausforderung, einerseits bei einer Besetzung in dieser Größe, andererseits, wenn man sich im Genre Filmmusik bewegt. Die Blaskapelle zählt immerhin 105 Mitglieder, der Chor einhundert. Aber ich habe eine ganz klare Vorstellung, wie es klingen soll und was ich von meinen Musikern und Sängern haben möchte, damit die Balance stimmt. Aber auch ein Blasorchester kann leise spielen, und der Chor ist stimmkräftig. Auf der anderen Seite darf es bei Filmmusik auch einmal ausbrechen. Man nennt die großen Filme aus Hollywood ja gerade auch wegen der Musik „Blockbuster“. Aber eben alles zu seiner Zeit.

Stammt diese Idee von Ihnen?

SCHMIDT: Ja, Ich hatte schon länger die Vision einer großen Filmmusikgala. Mein Ziel war es, möglichst viele junge Menschen, egal ob als Mitwirkende oder als Zuhörer, damit anzusprechen und für dieses Projekt mit seinen einzigartigen Möglichkeiten zu gewinnen. Die Bürgermusik Lauterach ist auch keine Blasmusik im klassischen Sinn, sondern ein sehr innovativer Klangkörper, mit Leuten, die dank ihrer Musikalität und ihrem künstlerischen Verständnis zu einem Projekt dieser Größe fähig sind. Kompetente Partner sind die Solisten Viola Pfefferkorn und Philipp Lingg sowie der Landesjugendchor Voices mit seinem Leiter Oskar Egle, die alle von Anfang an von dieser Idee begeistert waren. In einem eineinhalbtägigen Probenwochenende in den Semesterferien haben wir das gemeinsam einstudiert.

Wie ist Ihr persönliches Verständnis von guter Blasmusik?

SCHMIDT: Ich habe hier in Lauterach seit dem Jahr 2010 sehr viel musikalisch ausprobiert, auch aktuelle Themen wie etwa das Gedenken an Anne Frank. Man kann mit diesem Verein zeigen, was mit einem Blasorchester alles möglich ist. Für mich ist nicht entscheidend, was, sondern wie Musik gespielt wird. Durch die hervorragende Ausbildung der Musikanten bekommt der künstlerische Aspekt immer mehr Gewicht. Konzerte in der herkömmlichen Form gehören der Vergangenheit an. Wir sind die einzige Blaskapelle in Vorarlberg, die beim Konzert in der Mitte des Saales sitzt und dem Publikum einen 360-Grad-Einblick gewährt. So springt der emotionale Funke besser auf die Zuhörer über, und das Publikum kann die Musik dann auch spüren.

Zum Programm „All you need is Hollywood“ – was geschieht da mit diesen bekannten Filmmusik-Themen, wie rockig wird das Ganze?

SCHMIDT: Es ist für jeden Geschmack etwas dabei, Abenteuerfilme wie „Jurassic Park“, Klassiker wie „Ben Hur“ oder der Disneyfilm „Die Eiskönigin“, um nur drei Beispiele zu nennen. Die Bandbreite erstreckt sich von der großen symphonischen Filmmusik bis hin zu Disney-Popballaden.

Amerikanische Filmmusik wird meist mit opulenten großen Orchestern gespielt. Wer hat bei Ihnen die Arrangements geschrieben, damit das auch mit Chor und Blasmusik gut klingt?

SCHMIDT: Sämtliche Werke wurden von mir für diese Besetzung arrangiert oder bearbeitet. Diese Möglichkeit hat mich von Anfang an gereizt, denn ich kann dabei das gesamte vorhandene Instrumentarium klanglich ausschöpfen. Und für die Besucher bedeutet das eine Premiere.

Zur Person

Mathias Schmidt

Kapellmeister

Geboren: 1979 in Bregenz

Ausbildung: IGP-Schlagwerkstudium Landeskonservatorium; Bachelorstudium und Masterstudium Musikhochschule Graz, Abschlüsse jeweils mit Auszeichnung; 2011 Sponsion zum MMag.art

Berufliche Tätigkeit: Seit 2004 Schlagzeuger im SOV, regelmäßige Konzerttätigkeit bei großen österreichischen Orchestern wie Wiener Symphonikern, Wiener Concertverein, Concentus Musicus, Tourneen in Europa, Asien, Amerika; Lehrer an den Musikschulen am Hofsteig und Hard, seit 2010 Kapellmeister der
BM Lauterach

Aufführungen: 8. April, 19.30 Uhr, Montforthaus Feldkirch; 9. April,
18 Uhr, Festspielhaus Bregenz.