Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Jetzt haben sie 100 Prozent

07.04.2017 • 16:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Jetzt spitzt sich die Diskussion um die Zukunft der Seestadt in Bregenz noch einmal zu. Denn jetzt übernimmt die Investorengruppe Prises, bestehend aus der Prisma-Gruppe, der Familie Drexel und der Spar-Tochter SES, hundert Prozent der Anteile an der Seestadt. Aufgrund einer Call-Option kann die Prises nun auch noch die zwanzig Prozent kaufen, die bisher die Hypo Landesbank gehalten hat. Die Betreibergruppe der Seestadt, die das eingereichte Projekt aufgrund von hohen Kosten für die Tiefgarage und wohl auch aufgrund der Proteste von Architekten und engagierten Bürgern zurückgezogen hat, kann nun also ganz allein schalten und walten, wie sie will. Jetzt kann eigentlich niemand mehr dreinreden. Auch die Stadt Bregenz nicht wirklich, wie bei der letzten Sitzung der Stadtvertretung endgültig klar wurde. Denn es sei, so Bürgermeister Markus Linhart, nicht möglich, die bereits eingereichte Baubewilligung zurückzuweisen. Der einzige Weg wäre, dass die Betreiber diese Bewilligung zurückziehen, und davon ist mit der Übernahme von hundert Prozent durch die Prises nicht auszugehen.

Andererseits kann man sich nur schwer vorstellen, dass die Unternehmerfamilie Drexel oder auch die Prisma-Gruppe um Bernhard Ölz ein Projekt durchsetzen, von dem man annehmen darf, dass es auch bei erteilter Baubewilligung kein Sympathieträger in der Bevölkerung werden wird. Vor allem will man nicht einsehen, warum man unbedingt eine Baubewilligung erreichen will, wenn man – wie öffentlich erklärt – das Projekt ohnehin zurückzieht. Niemand versteht dann den Sinn, es sei denn, man erwartet sich bei einem möglichen Verkauf eine Wertsteigerung. Oder aber man überlegt, nach erteilter Baubewilligung doch noch das alte, in der Öffentlichkeit durchgefallene Projekt aus dem Ärmel zu ziehen und zu bauen. Denn die Bewilligung dazu würde dann ja vorliegen. Dann allerdings käme man nicht umhin, das als arglistige Täuschung der Bevölkerung zu sehen.

Nichts davon will man den ehrenwerten Unternehmern Drexel oder Ölz unterstellen, sondern vielmehr hoffen, dass es einen anderen Weg aus der verfahrenen Situation gibt. Immerhin hat die Stadtvertretung von Bregenz ja einen leisen Wink in die Richtung gegeben, dass man über einen Rückkauf des gesamten Seestadtareals reden könnte. Vor allem dann, wenn auch das Land herwärts schauen würde, was ja auch schon, ebenso leise, angedeutet wurde.

Jetzt kann eigentlich niemand mehr dreinreden. Auch die Stadt Bregenz nicht wirklich.

walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.