„Meine Enkelin malt nur noch zerstörte Häuser“

07.04.2017 • 17:01 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Zwei Kinder beim Wasserschleppen neben den Trümmern in der syrischen Stadt Aleppo.  Foto: AFP
Zwei Kinder beim Wasserschleppen neben den Trümmern in der syrischen Stadt Aleppo.  Foto: AFP

Der Dichter und Schriftsteller Niroz Malek verfasste 55 Miniaturen über seinen Alltag in Aleppo.

ERzählungen. (salg) „Meine Enkelin malt nur noch verkohlte Bäume und zerstörte Häuser“, erzählt der Dichter und Schriftsteller Niroz Malek im Nachwort zu seinen 55 Miniaturen über seinen Alltag in Aleppo, der Stadt, die seit Ende Dezember 2016 nach schweren Bombardements durch Assads Truppen und russische Streitkräfte als „befreit“ gilt. Befreit wovon? Von dem komplett zerstörten Drittel der Altstadt, die 1986 mit ihren Schätzen  zum Weltkulturerbe

ernannt wurde?

Dichter wie Generaldirek-

tor der Anti­kenverwaltung

sind sich einig: In Aleppo gibt es Berge von Trümmern, wie viele tote Menschen darunter liegen, weiß niemand. Beide sind sicher, dass von den 12 Millionen geflüchteten Landsleuten, die irgendwo unter elenden Bedingungen vegetieren, sich sehr viele heimzukehren wünschen. Beide sind in gemeinsamer Verzweiflung überzeugt: es gibt hier kaum noch Strom und sauberes Trinkwasser. Landwirtschaft, Kleingewerbe sowie Industrie sind zerstört. Dieser grausamen Bilanz zum Trotz versteht Niroz Malek sich keineswegs als Reporter der Barbarei, er schreibe, weil Schreiben ihn, den Schriftsteller, am Leben halte, weil Schreiben Zeugnis gebe für die Kraft der Kultur, die helfe, die menschliche Würde zu bewahren. Seine Miniaturen vermitteln einen stärkeren Eindruck als Bilder samt Kommentar in den TV-Nachrichten, denn ein Text muss Zeile für Zeile gelesen werden, um sich zu erschließen. Hitze, Gestank, Ohnmacht, Gefühle überhaupt: Sie können nur beschrieben werden. In seinen Worten steckt Schmerz, der sich nicht lautstark Bahn bricht, aber ungleich stärker wirkt.

Niroz Malek: „Der Spaziergänger von Aleppo“, Miniaturen, aus dem Arabischen von Larissa Bender, fadengeheftete Broschur,
Weidle Verlag, 160 Seiten.