Wortkunst und Sprachakrobatik

Kultur / 07.04.2017 • 18:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Es geht darum, den Dingen ihren Raum und ihre Zeit zu geben“, sagt der Dornbirner Künstler Stoph Sauter.  Foto: A. Grabher
„Es geht darum, den Dingen ihren Raum und ihre Zeit zu geben“, sagt der Dornbirner Künstler Stoph Sauter.  Foto: A. Grabher

In seiner Ausstellung in der Galerie Lisi Hämmerle lässt es Stoph Sauter für einmal einfach sein.

BREGENZ. (ag) Wie es ist, wenn man von seinem eigenen Ausstellungsmotto eingeholt wird, musste der Dornbirner Künstler Stoph Sauter erleben. Die geplante Tapete, die das Close-up eines Hasen, vergrößert bis fast zur Auflösung, zeigen sollte, hat technisch nicht funktioniert und wurde wenige Tage vor der Eröffnung kurzerhand, kompromiss- und ersatzlos aus dem Ausstellungskonzept gestrichen. „LASSESSEIN. LETITBE“, auch das müsse man akzeptieren können, meint ein äußerst entspannter Stoph Sauter. „Es geht darum, den Dingen ihren Raum und ihre Zeit zu geben“, sagt Stoph Sauter.

Auch in der jüngsten Ausstellung Sauters stehen Untersuchungen zur Sprache, derer sich der Künstler im Werk als primäres, kontextuelles Medium bedient, im Zentrum. Sind Wortbilder wie das schnörkelig-poetische „gehzumglueck“ Bilder für ein Wort oder erzeugen die Worte Bilder? „EINFACH“ ist tatsächlich wörtlich genommen nur ein einfaches Fach mit aufgemaltem Strichcode und wenn der Künstler Begriffe aus dem Alltag hinterfragt, aushebelt und in die Kunst überführt, dann kommt das zuweilen schon fast einer Gratwanderung gleich. Doch in der Banalität stecken Wahrheit und Witz, im allgegenwärtigen Wort Verborgenes. Alles ist mehrdeutig, ironisch, intelligent, auf mindestens zweierlei Art und Weise zu interpretieren, spielt auf sprachphilosophische, gesellschaftskritische und politische Aspekte an, in der offensichtlich schnellen Lesart verkehrt sich Bedeutung plötzlich ins Gegenteil, wirft Fragen auf. Auch die Typografie spielt in diesen Pool von Bedeutungssinn und Ambivalenz hinein, der gewählte Schrifttyp kann zwischen nostalgisch und sachlich-kühl variieren und transportiert bereits eine Grundstimmung zur Arbeit mit. „YOUWHO“ kann schlicht auch nur lautmalerisch intoniert werden, während „DERZEITDIEZEIT“ das individuelle Wahrnehmen von Zeit thematisiert.

Laserbild

Ungleich politischer die Wortkonstellation „FREUNDUNDFEIN“. Beim schnellen Drüberlesen meint man, dem Künstler sei ein Fehler unterlaufen und es müsste in diesem Kippbild eigentlich „Freund und Feind“ heißen. Doch angesichts der weltpolitischen Situation und der aktuelle Vorgänge rundherum, ruft Stoph Sauter zu Versöhnlichkeit und positiver Begegnung auf. „Wenn der Stress so groß geworden ist und die Ängste so stark geschürt werden, wie in unserer Zeit, dann sollte man sich auf Nettigkeiten und kleine Gesten zumindest in seinem eigenen Umfeld besinnen.“ In diesem Bemühen, den Freiraum des Künstlers zu nutzen, und die Welt zumindest ein bisschen besser zu machen, wäre der Hase auf der Tapete für Sauter zu einem Symbol der Ruhe geworden. Denn, so der Künstler: „Tiere sind die sozialeren Menschen.“

Auch in Bezug auf die Technisierung unserer Welt lässt Stoph Sauter keinen Pessimismus aufkommen und ergänzt die sprachakrobatischen Arbeiten, die jedoch ganz ohne Verrenkungen und Kunststückchen auskommen, um ein spielerisches Laserbild. Was aussieht wie ein kleiner Roboter in einer Ecke der Galerie, lässt rote Laserpunkte sich jagen und durch den Galerieraum huschen, wie um zu beweisen, dass Ästhetik und das Nonverbale auch jenseits der Kraft des Wortes nach wie vor relevante Kategorien sind.

Zur Person

Stoph Sauter

Geboren: 1963 in Dornbirn

Ausbildung: Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Peter Weibel

Laufbahn: zahlreiche Ausstellungen, Installationen und Kunstprojekte im öffentlichen Raum

Auszeichnungen: u. a. „Casablanca“ Kunstpreis, Staatsstipendium für bildende Kunst

Wohnort: Dornbirn

Die Ausstellung ist in der Galerie Lisi Hämmerle, Anton-Schneider-Straße 4a, in Bregenz, bis 13.  Mai geöffnet, Mi bis Fr, 15 bis 19 Uhr, Sa,
16 bis 19 Uhr, sowie nach tel. Vereinbarung unter 0664 5288239.