Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Dick auftragen

10.04.2017 • 17:09 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Brigitte Kowanz, jene Künstlerin, die auch in Vorarlberg markante Spuren hinterlassen hat, nämlich einen leuchtenden Schornstein in einem aufgelassenen Fabriks­areal, hat eine schwierige Aufgabe übernommen. Die Professorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien, deren Arbeiten zuletzt von Häusler Contemporary in Lustenau präsentiert wurden, vertritt Österreich bei der Biennale in Venedig.

Wieso schwierig? Während Künstlern reihum der ganze Austria-Pavillon überlassen wird, sind Künstlerinnen dort oft nur als Teil eines Duos oder überhaupt einer Gruppe vertreten. Daran ändert sich auch nichts, wenn Kuratorinnen das Sagen haben bzw. die Vertreter Österreichs bestimmen. Selbst VALIE EXPORT entschied sich 2009 für vier Künstlerinnen und einen Künstler und konnte im Ländervergleich nicht reüssieren.

Eva Schlegel wählte 2011 Markus Schinwald, und Christa Steinle wird heuer neben Brigitte Kowanz den zurzeit angesagten Erwin Wurm nach Venedig holen. Der zog vor Jahren bereits mit seinem neben dem Canal Grande aufgestellten „Narrow House“ große Aufmerksamkeit auf sich. Das lässt sich wiederholen, obwohl Kowanz sicher mit Leuchtkraft zu parieren versteht.

Apropos Biennale: Dass das Kunsthaus Bregenz seine große Sommerausstellung mit Arbeiten von Adrián Villar Rojas ausgerechnet an dem Tag eröffnet, an dem sich alle, die mit bildender Kunst zu tun haben, in Venedig aufhalten, ist fast ein Witz. Ob internationale Berichterstatter ihre Heimreise wirklich über Bregenz antreten, ist fraglich. Zu wünschen wäre es, der Argentinier will das ganze KUB umkrempeln, mit Marmor und Opulenz. So dick trägt nicht einmal Wurm auf.

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